Montag, 17. Februar 2020

10. Innovationsforum Energie - Innovationen, Lösungen und Kulturwandel auf dem Weg in die Energiezukunft

Am 19. und 20. März 2020 treffen sich wieder die Innovationsleader, Marktakteure und Entscheidungsträger aus dem Schweizer Energiesektor an der 10. Jahrestagung Innovationsforum Energie, um sich über die aktuellen Entwicklungen, neue Ideen und Geschäftsmodelle für die Energiezukunft auszutauschen. Im Fokus dieses Anlasses stehen neben aktuellen Praxiserfahrungen auch spannende Diskussionen zu Themen wie Digitalisierung, Dezentralisierung, Dekarbonisierung und künftige Wertschöpfung sowie der erforderliche Handlungsrahmen.
Weitere Themenschwerpunkte sind:

  •    Konvergenz der Systeme – Gebäude, Energie, Wärme, IKT
  •    Innovationen – Neue Technologien, Geschäftsmodelle und Kultur
  •    Wo geht die Reise hin im Schweizer Gasmarkt
  •    Technologische Disruptionen in der Energiebranche
  •    Praxiserfahrungen mit neuen Geschäftsmodellen
  •    Smart Meter Rollout, Data Hub, Big Data und Analytics
  •    Wertschöpfung bis wohin? – Schnittstelle Gebäude
Der erste Keynoter, Prof. Timo Leukefeld, baut mit seinen Konzepten von vernetzten energieautarken Gebäuden auf den kostenfreien und krisensicheren «Rohstoff Sonne». Zum einen zur Eigenversorgung mit Strom, Wärme und Mobilität, zum anderen als Geschäftsmodell für Wohnungswirtschaft, Banken und Energieversorger. Er beantwortet die Fragen: Ob und wie ein Haus vollständig ohne Anschlüsse an das öffentliche Energieversorgungssystem auskommt? Ist das sinnvoll? Wie muss es konzipiert sein, um sich energetisch selbst zu versorgen? Timo Leukefeld zeigt neue Wege im Umgang mit Ressourcen und Energie: Weg von dem Verbrauch endlicher Rohstoffe hin zu einer zukünftigen Kultur des Gebrauchens. Nicht das schlechte Gewissen ist Dreh- und Angelpunkt seiner energetischen Konzepte, sondern die kluge Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Mit der Konsequenz, dass nicht Verzicht im Vordergrund steht, sondern intelligente Verschwendung! Mehr noch: Seine innovativen Lösungen teilen langfristig den Nutzen mit der Allgemeinheit.

Wir haben noch eine weitere Keynote für den ersten Tag geplant:

«Do’s and Don’ts» für Innovationen im Zeitalter der digitalen Transformation
  • Was macht gelungene Innovationen aus?
  • Wo liegen die Stolpersteine im Innovationsmanagement, im Innovationsprozess und im Arbeiten mit Start-ups?
  • Zehn Erfolgsfaktoren zur Steigerung der Innovationsfähigkeit
René Cotting, Head of Operations, Innovation und R&D, ABB-Gruppe

Neben möglichen Lösungsansätzen werden vor allem praktische Erfahrungen beleuchtet und diskutiert, um innovative Antworten auf die Herausforderungen in der Energiewirtschaft zu geben.
In der begleitenden Fachausstellung haben die Teilnehmenden die Möglichkeit Lösungen, Produkte und Dienstleistungen innovativer Unternehmen zu vergleichen.

Ausführliche Informationen finden Sie unter www.innovationsforum-energie.ch.



Donnerstag, 28. November 2019

Nachlese Instandhaltungsforum Schweiz

Am 21. November 2019 öffnete das Instandhaltungsforum Schweiz zum ersten Mal seine Tore in Zürich – moderiert von Herrn Prof. Lennart Brumby von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mannheim. Die Fokusthemen Smart Maintenance, Digitalisierung und Predictive Maintenance versprachen eine spannende Veranstaltung.

In seinem Eröffnungsvortrag zur Digitalisierung in der Instandhaltung berichtete Prof. Brumby von den Chancen, Risiken und Grenzen der Smart Maintenance. Unter anderem betonte er die Bedeutung des Asset Managements als organisatorische Grundlage einer modernen Instandhaltung.  Gleichzeitig wies er darauf hin, dass in der Smart Maintenance der Mensch eine wichtige Schlüsselrolle einnimmt. Wissens- und Kompetenzmanagement sowie eine systematische Qualifizierung der Mitarbeiter rücken daher zunehmend in den Vordergrund.

Anschliessend zeigte Dr. Dominik Buss vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik aus Dortmund verschiedene Möglichkeiten zur smarten Ersatzteilbevorratung auf. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings ein gutes Stammdatenmanagement, am besten in einem zentralen IT-System mit geeigneten Klassifikationssystemen. Künstliche Intelligenz kann zukünftig dabei helfen, auch die Stammdaten der Ersatzteile aufzuarbeiten und somit die gesamte Ersatzteilbevorratung zu optimieren.

Franz Stieber von der ifm electronic GmbH beschrieb den gewünschten schnellen Weg der wesentlichen Instandhaltungs-Informationen vom Shop Floor auf die Managementebene. Dabei sind nach seiner Meinung kleine Schritte wesentlich erfolgreicher als eine sogenannte „grosse Lösung“.

Auch betonte Herr Stieber die systematische Datenerfassung und –pflege als Fundament der Smart Maintenance. Zur Reduzierung der Implementierungskosten empfiehlt er die Beteiligung an der IO-Link-Community, die sich mit der Standardisierung der Sensorik beschäftigt.

Aus Anwendersicht legte Patrick Steiger von der SWL Energie AG aus Lenzburg die Implementierung der Instandhaltungsplattform Inventsys in seinem Unternehmen dar und zeigte sehr anschaulich auf, wie damit Daten und Informationen aus unterschiedlichen Bereichen
zusammengeführt und für den Anwender auf einen Blick dargestellt werden können. Die Mitarbeiter erfahren nach Aussage von Herrn Steiger dadurch eine Freude am digitalen Arbeiten und schätzen die hohe Transparenz in ihrem Instandhaltungsgeschehen.

Nach der Pause, in der sich die Teilnehmenden des Instandhaltungsforums intensiv untereinander austauschen konnten, zeigte Thomas Zapp von der GreenGate AG, wie eine Massnahmenpriorisierung in der Instandhaltung mit dem System von GreenGate erfolgen kann. Eine
solche Priorisierung kann dann wiederum die Grundlage für eine optimierte Einsatzplanung der Mitarbeiter inkl. Routenplanung sein. Das System von GreenGate wird derzeit insbesondere bei der Instandhaltung von Offshore-Windenergieanlagen eingesetzt, ist aber ebenso gut auch beim Flottenmanagement einsetzbar.

Dr. Andrew Paice von der Hochschule Luzern beschrieb anschliessend die Potenziale und Wege der Predictive Maintenance. An einem Beispiel erläuterte er die Lebenslaufabschätzung von Transformatoren mit Hilfe der Predictive Maintenance. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist allerdings das Wissen über die jeweiligen Alterungsvorgänge, um diese entsprechend modellieren zu können. Innovative Technologien zur Datenerfassung und -übertragung begünstigen derzeit die Entwicklung neuer Predictive Maintenance Lösungen.

Das Vortragsprogramm wurde von Andreas Rosemann von der GIS aus Weinheim abgerundet. Seine Kernbotschaft „Digitalisierungsprojekte: Alleine packt man es nicht!“ wurde von allen Teilnehmenden geteilt. Am Beispiel der Inspektion von Rotorblättern bei Windkraftanlagen mit Drohnen und künstlicher Intelligenz konnte Herr Rosemann
sehr eindrucksvoll auch den wirtschaftlichen Nutzen einer solchen smarten Instandhaltungslösung darlegen. Durch die Einbindung von Dienstleistern werden so innovative Leistungen geschaffen, die eine klare Differenzierung von Wettbewerbern ermöglichen.

Zusammenfassend wurde in der Round Table Diskussion mit Dr. Andrew Paice, Andreas Rosemann, Patrick Steiger und Thomas Zapp gemeinsam mit den Tagungsteilnehmenden der aktuelle Wandel in der Instandhaltung diskutiert. Hierbei wurden u.a. Fragen zum sinnvollen Einstieg in das Thema Digitalisierung/Instandhaltung 4.0 erörtert und was die grössten Barrieren dabei sind. In einer regen Diskussion konnten auch die Teilnehmenden ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit der Digitalisierung in ihren Bereichen einbringen und mit den Referenten diskutieren.

Zum Ausklang des ersten Instandhaltungsforums Schweiz hatten die Teilnehmenden im Rahmen eines Apéro riche dann noch Gelegenheit, sich mit den Referenten weiter auszutauschen und wertvolle Kontakte für ihre eigenen Instandhaltungsprojekte zu knüpfen.

Diese Nachlese wurde vom Tagungsmoderator Prof. Lennart Brumby verfasst. Prof. Brumby hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Instandhaltungsforum findet am 26. November 2020 in Zürich statt. Informationen zu Agenda, Referenten und Anmeldung finden Sie unter www.instandhaltungsforum.ch.

Mittwoch, 20. November 2019

Nachlese Verteilnetzforum 2019

Am 13. November 2019 öffnete das Verteilnetzforum im Marriott Hotel in Zürich zum dritten Mal seine Tore. Mit gut 50 Teilnehmenden wurde erneut in offener und konstruktiver Atmosphäre über die aktuellen und künftigen Herausforderungen für Schweizer Verteilnetzbetreiber diskutiert. Die Schwerpunkte des diesjährigen Verteilnetzforums lagen bei der Strategie Stromnetze, dem Smart Meter Rollout, der Netzoptimierung mittels Flexibilitäten sowie dem Nutzen und Grenzen von Kooperationen für Verteilnetzbetreiber.

Dr. Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze, BFE, stellte die zentralen Vorgaben aus der Strategie Stromnetze sowie deren Umsetzungsstand aus Sicht des Bundes vor.  Er wies dabei auf die aktuellen Herausforderungen mit dem Mehrkostenfaktor 2.0 im Verteilnetz, auf die Anwendung des NoVA-Prinzips und auf die Mehrjahresplanung hin. Zudem stellte er die Ergebnisse des Monitorings zur Energiestrategie 2050 vor. Dieses wurde über das bisherige Monitoring zur Netzentwicklung erweitert und umfasst neu auch Indikatoren zur Entwicklung in Richtung «Smart Grid». Gemäss der neusten Erhebung des BFE sind beispielsweise 14% aller installierten Messgeräte Smart Meter, wobei 86 Netzbetreiber in der Schweiz die Rolloutquote von 80% bereits erfüllt haben. Während die Beschaffungskosten der konventionellen Messgeräte mit durchschnittlich CHF 170 beziffert wurden, betragen diese Kosten beim Smart Meter durchschnittlich CHF 199. Beim Eigenverbrauch wurde eine durchschnittliche Eigenverbrauchsquote von 36% ermittelt. Inwiefern diese erhobenen Daten bereits valide sind, wird das BFE in den kommenden Monaten prüfen müssen. In Bezug auf die Zukunft der Verteilnetze wies Benahmed auf die Mehrbelastung der Netze durch den massiven Ausbau der dezentralen erneuerbaren Energien sowie durch die stärkere Elektrifizierung infolge der Dekarbonisierung hin. Diese beiden Megatrends bedingen aus seiner Sicht intelligente Lösungen, für welche die Branche gefordert ist.

Adrian Häsler, Head of Grid Infrastructure bei der Swissgrid AG,
 stellte die Umsetzung der Strategie Stromnetze aus Sicht der Übertragungsnetzbetreiberin dar. Dabei wurde deutlich, dass die Realisierung des strategischen Netzes 2025 aufgrund zahlreicher Einsprachen und trotz den Vereinfachungen aus der Strategie Stromnetz (noch) nicht auf Kurs ist. Während vier Teilprojekte aktuell effektiv im Bau sind, ist insbesondere das Projekt Bassecourt – Mühleberg aktuell vor dem Bundesverwaltungsgericht hängig. Drei weitere Projekte, darunter auch die Leitung Chippis – Mörel, befinden sich aktuell im Plangenehmigungsverfahren. Mit den Massnahmen aus der Strategie Stromnetze erhofft sich Häsler konkrete Verfahrensbeschleunigungen sowie klare Vorgaben durch die Szenarioplanung des Bundes, welche der Bundesrat im 2021 verabschieden sollte. Letzteres stellt dann die Grundlage für das «Strategische Netz 203x» dar, zu dessen Ausarbeitung die Vorbereitungsarbeiten bereits gestartet sind. Trotz aller Massnahmen, werden diese Projekte nur mit einer gesellschaftlichen Akzeptanz vernünftig realisiert werden können. Dies setzt eine offene und transparente Kommunikation sowie die Ansprache der Hauptprobleme Gesundheitsrisiken, Landschaftseingriff und Lärm voraus.

Markus Bill, Fachspezialist Sektion Preise und Tarife des Fachsekretariats der ElCom, präsentierte in seinem Referat die Sicht des Fachsekretariats der ElCom in Bezug auf den Umgang mit Messkosten. Dabei stellte er klar, dass die Kosten aus Lastgangmessungen mit Fernauslesung seit dem 1. Juni 2019 nicht mehr separat verrechnet werden dürfen, allfällige Abrechnungen zurückerstattet bzw. die fehlende Kostendeckung über die Deckungsdifferenzen 2019 wieder ausgeglichen werden müssen. Weiter verwies Bill auf die Beurteilung der ElCom in Bezug auf Eigenverbrauchsgemeinschaften. Das «vereinfachte Praxismodell» beurteilt die Behörde dabei in der bisherigen Form nicht als zulässig, da der Mieter nicht zugestimmt hat und die Abrechnung nicht korrekt erfolgte. Inwiefern sich mit diesen Korrekturen dann ein solches Praxismodell noch sinnvoll realisieren lässt, blieb dabei offen. Letztlich hat Bill im Kontext des Smart Meter Rollouts festgehalten, dass in der neuen Kostenrechnungsposition 510 sämtliche Kosten von Smart Metern, auch jene welche gemäss den Übergangsbestimmungen bereits installiert wurden und noch nicht vollständig konform mit Art. 8a und 8b StromVV sind, deklariert werden sollen.
 
André Rast, Programmleiter Smart Meter Rollout der CKW AG, stellte den Anwesenden die Rollout-Strategie und die Smart Metering Lösung von CKW vor. Ziel der CKW ist es den Rollout vor 2024 im Kontext der erwarteten Marktöffnung abgeschlossen zu haben. Dabei hat sich das Unternehmen für die RF-Mesh als Basis- und NB-IOT als Ergänzungstechnologie entschieden. Die Ausschreibungen der Dienstleister und der Systeme sind aktuell am Laufen und sollen bis Ende Jahr abgeschlossen werden. Der Rollout der 170'000 Zähler soll im Q3 2020 starten, wobei pro Woche mit einem Rollout von rund 1'000 Zählern gerechnet wird. Während die Logistik und die Zählermontage ausgelagert werden, erfolgt die Installation der Kommunikationslösungen sowie die systemseitigen Integrationsarbeiten durch die Spezialisten der CKW selbst. Aus Sicht von Rast tun die Verteilnetzbetreiber gut daran, das Rollout-Projekt in Bezug auf die Definition der «richtigen» Strategie, die Logistik, die Anforderungen an die Organisation sowie bezüglich des Zeitbedarfs nicht zu unterschätzen.



Im anschliessenden World-Café hatten die Anwesenden Gelegenheit mit allen vier obenstehenden Referenten, im Fall der ElCom noch zusätzlich mit Dr. Barbara Wyss, Leiterin Sektion Preise und Tarife, die Themen ihrer Referate zu vertiefen und zu erweitern. Es entstanden angeregte Frage- und Antwortrunden, Diskussionen und ein guter Erfahrungsaustausch zu entsprechenden Umsetzungsfragen. Alle Anwesenden haben diese Chance für einen informellen Austausch aktiv genutzt.


Dr. Marina González Vayá
, Leiterin Entwicklung Smart Solutions der EKZ, zeigte den Einsatz und die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern im Verteilnetz am Beispiel der beiden EKZ Grossspeicher in Dietikon und Volketswil. Dabei wurde der Batteriespeicher in Dietikon als erstes Nicht-Wasserkraftwerk in der Schweiz für Primärregelung von Swissgrid präqualifiziert. Während die Erlöse am Regelenergiemarkt aufgrund von Angebot und Nachfrage
in Europa tendenziell sinken, werden die Batterien im Verteilnetz erfolgreich für das Lastspitzenmanagement und zur Reduktion von Blindleistung eingesetzt. Die Wirtschaftlichkeit des Speichers wird dadurch ermöglicht, so González,dass dessen Einsatz für alle Anwendungsfälle optimiert wird. Ohne Kombination aus Anwendungen ist die Wirtschaftlichkeit bei Projekten < 10 MW heute in der Regel nicht gegeben. Generell hängt die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern von mehreren Rahmenbedingungen, deren Dimensionierung und deren Optimierung ab.

Yves Wyman, Head Operations Digital Energy Solutions Switzerland der Alpiq Digital AG, präsentierte aktuelle Ergebnisse aus dem D-A-CH Projekt «Poweralliance». Mittels der Einführung und dem Angebot (bzw. der differenzierten Bepreisung) von bedingten und unbedingten Kapazitäten
beim Endkunden, soll eine Kapazitätsverdopplung durch Fahrplanmanagement realisiert werden können. Ein entsprechender Tarif soll Anreize beim Kunden schaffen, so dass dieser bereit ist bedingte Lasten zu buchen (Leistungsband), welche der Netzbetreiber im Falle eines Netzengpasses sperren und damit zeitlich verschieben kann. Voraussetzung für ein solches System ist ein regulatorischer Rahmen, der ein solches Pricing ermöglicht, ein automatisiertes Energiemanagement beim Kunden sowie ein Monitoring seitens VNB, damit kein aktiver Eingriff notwendig wird.

Frank Boller, Verwaltungsratspräsident der e-sy AG, stellte mit e-sy die junge Kooperationsgesellschaft von Verteilnetzbetreiber im Aargau vor. Diese umfasst aktuell 22 Verteilnetzbetreiber als Aktionäre mit gemeinsam rund 200'000 Messpunkten. Ziele von e-sy sind insbesondere die Bündelung von ICT Kompetenzen und Ressourcen sowie das Erzielen finanzieller Skaleneffekte beim Smart Metering. Diese Ziele können gemäss Boller bei derart vielen Partnern nur über einen Bezugszwang, eine hohe Standardisierung und eine klare Abgrenzung der Wertschöpfung von e-sy und derjenigen der einzelnen Partner erreicht werden. Während die
Mitarbeit aller Partner in Form von Arbeitsgruppen ausdrücklich gewünscht sei, ist die Mitsprache und Governance klar geregelt. Dieses Modell scheint aus Sicht der Verteilnetzbetreiber attraktiv zu sein, so laufen aktuell Verhandlungen mit weiteren 13 – 15 Partnern für deren Aufnahme und die Ausweitung der Kooperation auf bis zu 500'000 Messpunkte. Die eigentliche Ausschreibung der Smart Meter soll nach Abschluss der laufenden Präqualifikation ab Januar 2020 erfolgen.

Adrian Inauen, Mitglied der Geschäftsleitung der SN Energie AG, illustrierte am Beispiel des Projekts «Zielnetz Bodensee», wie eine erfolgreiche vertragliche Kooperation unter Verteilnetzbetreiber funktionieren kann. In diesem Projekt haben sich SAK, EKT, sgsw, Axpo und SN Energie auf eine gemeinsame Zielnetzplanung im Raum Bodensee geeinigt und dabei u.a. vereinbart die bestehenden 7 Unterwerke mit teilweise sehr tiefer Auslastung bis 2032 auf noch 4
Unterwerke zu reduzieren. Voraussetzungen dafür waren neben der technischen Machbarkeit auch kommerzielle und juristische Lösungen, ein klarer Wille aller Parteien eine einvernehmliche Lösung zu finden und letztlich positive Entscheide aller involvierten Gremien. Aus Sicht von Inauen, ist das «Zielnetz Bodensee» ein Beispiel, wie eine Kooperationslösung auf vertraglicher Ebene ohne Verlust von Eigentumsrechten realisierbar ist. Ein «Zusammenschluss» der betroffenen Netzteile wäre demgegenüber nicht umsetzbar gewesen.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion diskutierten Dr. Mohamed Benahmed, Frank Boller, Adrian Inauen und Felix Vontobel, Strategische Projekte und Mandate, Repower AG, wann, wo, wie Kooperationen für Netzbetreiber Sinn machen.


Die Diskussion zeigte schnell, dass Kooperationen für Netzbetreiber schon heute Sinn machen, auch wenn die finanziellen Anreize infolge der heutigen Regulierung (noch) fehlen. Einerseits steht die Kosteneffizienz, nicht zuletzt auch im Kontext der Sunshine-Regulierung und dem «Damoklesschwert» einer späteren Anreizregulierung, mehr als früher auf der Agenda der Unternehmen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass diejenigen Netzbetreiber, welche zulange mit sich selbst beschäftigt sind und keine Kooperationslösungen suchen, rasch ins Hintertreffen geraten und dann nicht mehr genügend schnell reagieren können. Gerade das Beispiel «Zielnetz Bodensee» zeigt dabei schön, wie lange Zyklen für die Realisierung nachhaltiger Effizienzsteigerungen notwendig sein können. Unabhängig von den Motiven und den technischen, juristischen und finanziellen Lösungen braucht es aber, darin war man sich ebenfalls einig, Personen mit Visionen, welche den Mut haben diese aktiv anzugehen. Ob dies bei kleineren oder grösseren Netzbetreibern der Fall ist, spielt dabei aus Sicht der Teilnehmer keine grosse Rolle. Eine kritische Grösse gibt es per se nicht, dies hängt viel eher vom Geschäftsmodell ab. Insofern kann ein kleiner, effizienter Netzbetreiber genauso bestehen bleiben, wie grosse, integrierte Lösungsanbieter. Um Kooperationen, in welcher Art auch immer, kommt kein Akteur herum. Diejenigen Bereiche, wo Kooperationen am meisten Sinn machen, sind aus Sicht des Podiums jene, welche im Wettbewerb stehen oder hohe Anforderungen im Kontext der Digitalisierung mit sich bringen. Zum Schluss der Diskussion durften sich alle Teilnehmenden etwas für ihre jeweiligen Kooperationen wünschen. Während sich die Branchenvertreter vor allem eine erfolgreiche Zusammenarbeit und die entsprechend hohe Zielerreichung wünschten, wünschte sich Mohamed Benahmed aus Sicht des Bundes vor allem mehr Bereitschaft für innovative Lösungen im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips. Löst die Branche gewisse Themen nicht selbst und wartet zulange, so wird der Bund die Regulierungsdichte weiter erhöhen müssen. Insofern solle die Branche mit konkreten Lösungen vorangehen.

Diese Nachlese wurde vom Tagungsmoderator Dr. Markus Flatt, Partner, EVU Partners AG verfasst. Markus Flatt hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Verteilnetzforum findet am 18. November 2020 in Zürich statt. Informationen zu Agenda, Referenten und Anmeldung finden Sie unter www.verteilnetzforum.ch.

Montag, 18. November 2019

Netzbetreiber sollen Elektrifizierung nicht unterschätzen

Die Schweizer Netzbetreiber sollten sich mit einem möglichen Engpass auseinandersetzen. Dies sagte Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze beim Bundesamt für Energie (BFE), bei einer Podiumsdiskussion während des Verteilnetzforums in Zürich. "Die Politik sieht: Die Dekarbonisierung wird zu einer verstärkten Elektrifizierung führen", so Benahmed. "Mehr Elektrifizierung heisst mehr Strom auf unseren Netzen. Das heisst, wir werden langsam an die Grenze der Netze kommen." Elektromobilität und Photovoltaikanlagen seien die Haupttreiber für die Netzplanung, aber man führe noch keinen Engpass. "Wenn man die Dekarbonisierung und das CO2-Gesetz berücksichtigt, könnte dieser Engpass schneller kommen, als wir uns denken", so Benahmed. "Ich glaube, das müsste man mitnehmen." Benahmed sagte auch, er habe am Verteilnetzforum das Gefühl bekommen, dass die Netze komfortabel ausgebaut seien. "Das bedeutet, es gibt keinen Anreiz in Richtung Zusammenarbeit respektive der gemeinsamen Entwicklung von Ideen."

Zuvor hatten sich die drei Branchenvertreter, die ebenfalls an der Diskussion teilnahmen, skeptisch gezeigt, was Kooperationen mit anderen Netzbetreibern anbelangt. "Aufgrund der Eigenschaften der Netze ist eine Fusion sehr schwierig", sagte etwa Adrian Inauen, Mitglied der Geschäftsleitung der SN Energie AG. "Ich kann mir vorstellen, dass auf Vertriebsseite Fusionen eher möglich sind. Aber der Schweizer gibt einfach nicht gerne Eigentum ab." Ähnlich äusserte sich Felix Vontobel, Strategische Projekte und Mandate bei der Repower AG. "Die Netze sind schon sehr speziell", sagte er. "Häufig sind sie auch Instrumente der persönlichen Profilierung. Deshalb sind diese Diskussionen sehr schwierig. In der Produktion, wo ein Stück weit Markt herrscht, sind Kooperationen deutlich einfacher." Und Frank Boller, Präsident des Verwaltungsrates der E-sy AG, stellte fest: "Weitergehende Kooperationen sind in diesem Markt immer noch schwierig, speziell wenn es um die Infrastruktur geht. Ich erwarte nicht, dass es zu grossen Veränderungen kommen wird." Kooperationspotenzial gebe es womöglich dann, wenn der Leidensdruck gross sei oder in Bereichen, in denen mehr Wettbewerb bestehe, zum Beispiel auf der Serviceebene.
 
Netze sollen intelligenter werden

Vontobel erwähnte in diesem Zusammenhang die Produktion. Dort herrsche ein Stück weit Markt, und Kooperationen seien deutlich einfacher. Und Inauen sieht Potenzial in horizontalen Kooperationen: "Dort, wo es um Redundanz geht. Da scheint mir noch einiges möglich zu sein."

Inwieweit Netzbetreiber kooperieren sollen, dazu wollte sich Benahmed nicht äussern. Der Bund sei für die Rahmenbedingungen zuständig, nicht für die Struktur der Branche. Allerdings äusserte Benahmed einen Wunsch, was die Ausgestaltung der Netze angeht: "Wir wünschen uns, dass intelligente Komponenten im Netz integriert werden, obwohl das schwierig ist, und dass das subsidiär geschieht", sagte er. "Sonst besteht die Gefahr, dass die Politik eingreift und zusätzliche Regulierungen bringt, um damit die Intelligenz in den Netzen zu forcieren. Das will die Branche ganz sicher nicht."



(Michel Sutter, Redakteur, energate)

Verteilnetzforum: Fehlende Akzeptanz und lange Verfahren sind eine Herausforderung

Am diesjährigen Verteilnetzforum in Zürich waren neben der Strategie für künftige Stromnetze und der Netzoptimierung auch die Verzögerungen beim Netzausbau ein grosses Thema. So legte Adrian Häsler, Head of Grid Infrastructure bei Swissgrid, dar, dass der Bau vieler neuer Leitungen von Einsprachen gebremst werde. Diese, so Häsler, könnten Bauprojekte auch kurz vor deren geplanten Umsetzung noch verzögern. Entscheiden müsse in solchen Fällen nicht selten das Bundesverwaltungsgericht. Manche Einsprachen würden auch bis ans Bundesgericht weitergezogen, was dann eine jahrelange Wartezeit mit sich bringe. "Es gibt immer jemanden, der den Netzausbau nicht toll findet", sagte Häsler.

Als einen der Hauptgründe für die Opposition gegen neue Leitungen nannte er Bedenken bezüglich der Auswirkungen auf die Gesundheit, aber auch auf die Natur. "Fehlende Akzeptanz und lange Verfahren sind für uns definitiv eine grosse Herausforderung", so Häsler. Zudem würden viele Meinungen unabhängig vom individuellen Projekt gefällt. Deshalb sei es wichtig, den Dialog mit allen Beteiligten schon zu suchen, bevor man ein konkretes Projekt in die Wege leite. "Eine offene und transparente Kommunikation ist zentral", so Häslers Schlussfolgerung. Man müsse dabei die wirtschaftlichste Lösung finden und gleichzeitig die Anliegen in Bezug auf die Umwelt berücksichtigen. Klar sei, dass Infrastrukturprojekte Zeit bräuchten.
 
Engpässe bei Übertragungsnetzen

Bis zum Jahr 2025 will Swissgrid rund 2,5 Mrd. Franken in den Netzausbau investieren. Die Gründe für den Ausbau sind nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiberin unter anderem die Inbetriebnahme neuer Grosskraftwerke, aber auch die Versorgung nachgelagerter Netze und der internationale Verbund. Handlungsbedarf besteht laut Häsler vor allem in einigen Regionen, wo es  bereits jetzt Engpässe im Übertragungsnetz gebe. Dazu zählt unter anderem das Unterwallis.










 
 
 


Der Meinung, dass man bezüglich neuer Projekte offen und transparent kommunizieren sollte, stimmte auch André Rast zu. Der Programmleiter Smart-Meter-Rollout bei der CKW wickelt den Austausch von rund 170.000 Zählern in den nächsten Jahren ab. Diese werden allesamt durch Smart Meter ersetzt, von denen heute rund 15.000 in Betrieb seien. Das Ziel sei, den Smart-Meter-Rollout bis 2024 abzuschliessen. Pro Woche, so Rast, würden rund 1.000 Zähler ersetzt. Umso wichtiger sei die Einbeziehung der Kunden in das Vorhaben, die neuen Zähler zu installieren. "Wir schreiben unsere Kunden an und informieren sie, dass sie einen Smart Meter mit Funktechnologie bekommen werden", sagte er. Bisher habe es kaum Opposition gegen die neuen Zähler gegeben.

(Michel Sutter, Redakteur, energate)

Donnerstag, 12. September 2019

Nachlese Vertriebsleitertagung Energie 2019

An der fünften Jahrestagung trafen sich Energiefachleute und Experten aus dem Bereich Vertrieb, um die Themen Liberalisierung, Vertriebsstrategien, Kooperationen und Digitale Plattformen zu diskutieren.

Der erste Tag der Vertriebsleitertagung widmete sich dem Spannungsfeld von freiem Markt, Regulierung, Vertrieb und Netz. Eingeleitet wurde mit einer spannenden Keynote von Prof. Dr. Peter Hettich (HSG). Er berichtete über die Entwicklung der Rahmenbedingungen im Energiesektor. So wurde deutlich, dass sich nicht nur beim Stromabkommen beide Seiten bewegen müssen. Er sagte, die Schweiz kenne kein Subventions- und Beihilferecht. Eine Umsetzung missachte sie seit 1972. Auch müsse die Sicherung der Grundversorgung im freien Markt immer gewährleistet sein, so Hettich. Dies sei der wichtigste Diskussionspunkt bei einer Marktöffnung.


Anschliessend erklärte Dr. Matthias Galus (BFE), was die «Strategie Digitale Schweiz» für die Energiewirtschaft bedeutet und gab tiefere Einblicke in das Dialogpapier «Digitalisierung im Energiesektor». Er appellierte für eine schnellere und breitere Umsetzung von Digitalisierungsinitiativen. Heute sei die Schweiz zwar führend in Forschung & Entwicklung bei Digitalisierung, aber es bestehe Aufholbedarf bei der Umsetzung und dem «Export». Georg Meier (Energie Zukunft Schweiz) setzte hier an und gab einen aufschlussreichen Einblick in die Welt der Energiemanagement Systeme und was mit deren Einsatz heute schon möglich ist.

Themenverwandt berichtete danach Hans-Joachim Demmel (BKW) aus der Praxis beim Vertrieb von Energiedienstleistungen. Dabei wurde deutlich, dass sich Privatkunden mittlerweile sehr stark für Kima, Umwelt und Energiesparen interessieren, dies jedoch ein kleinteiliges und dünnmargiges Geschäft sei. Am nahesten läge der Einstieg in die Kundenbeziehung mittels PV und werde sich mit der Verknüpfung von Wärmeversorgung, Elektromobilität sowie Hochbau fortsetzen. Jan Lengerke (Greencom Networks) zeigte anschliessend auf, wie die Energiewirtschaft mit «Decentral Energy Resources Management» bereits heute und vor allem in der Zukunft Wert schöpfen kann.


Am Nachmittag wurden die Themen noch konkreter Richtung Vertriebsstrategien, Positionierung und Branding (nicht nur) für die Marktöffnung vertieft. Eingeleitet hat dazu Thomas Städeli (Wirz) mit interessanten Einblicken zu «Marken im Strommarkt». So zeigte er auf, dass nur etwa die Hälfte der Kunden überhaupt wissen, wer ihr Stromanbieter ist und wieso das so ist. Er schlug dann die Brücke zur Bedeutung von Marken im Zusammenhang mit der Strommarktliberalisierung. Diese solle sich um die Festlegung in den Themenfeldern Strom vs. Energie sowie Heimmarkt vs. Ganze Schweiz drehen. Abgerundet hat das Themenspektrum Bernhard Signer (Repower), der eine informative Übersicht zur Geschichte der Repower, den Veränderungen im Markt und daraus abgeleiteten Erkenntnisse , Massnahmen und Resultaten gab.

Das Thema «Strategien für die (Nicht-)Marktöffnung» wurde auf dem Podium diskutiert. Die Vertreter Hans-Jörg Aebli (EKZ), Jan Flückiger (Swisspower) und Bernhard Signer (Repower) mit Moderation durch Jens Bartenschlager (Fidectus) diskutierten ihre Ansätze und Erfahrungen zur Marktöffnung bei so vielen Jahren der Verzögerung. Man müsse in jedem fall auf die Marktöffnung vorbereitet sein. Abschliessend fragte der Moderator Jens Bartenschlager die Podiumsgäste, ob denn die Marktöffnung für Strom oder Gas zuerst umgesetzt werden würde? Die Meinungen gingen hierbei auseinander. "Keines von beiden", sagte Aebli. Flückiger glaubt wiederum, die Teilmarktöffnung beim Gas komme zuerst. Und Signer erwiderte: «Ich glaube, beides zusammen.»

Der Zweite Tag beleuchtete die Zusammenarbeit in Form von Kooperationen und Experten teilten ihre Erfahrungen mit digitalen Plattformen.
Jens Bartenschlager (Fidectus) erläuterte das Fundament von Kooperationen und zeigte das Spannungsfeld zwischen Partnerschaft und Konkurrenz auf. Nicht zuletzt werden aktuell Kooperationen für den Erhalt der Selbständigkeit und ebenso für die Einführung von Standards (zu gemeinsamen und konkurrierenden Marktaktivitäten) eingegangen.  

Samuel Bontadelli (Repower) gab mit seiner offenen und zum Teil selbstkritischen Analyse „seiner“ Kooperation mit Tiko (Swisscom) ein eindrückliches Beispiel einer branchenfremden Zusammenarbeit. Insbesondere die gemeinsam definierten Ziele sowie die Komplementarität der Kompetenzen funktionierten in der ersten Phase hervorragend. In diesem Frühjahr kam Engie als neuer Hauptaktionär mit der nötigen internationalen Vertriebspower dazu. Cédric Chistmann (Primeo Energie) strebt mit der enersuisse als Joint Venture der drei Partner EKZ, Romande Energie und Primeo Energie, die Kostenführerschaft im Verrechnungsprozess an. Die Gründergesellschafter haben grosse Ambitionen für weiteres Wachstum und sind offen für neue Partner im zunehmend kompetitiven Markt der Verrechnung.  Der grosse Zukunftstrend der Kooperationen im Energiesektor wurde auf dem Podium weiter analysiert.
eindrückliches Beispiel für eine  Zusammenarbeit mit einem branchenfremden Partner (Swisscom). Insbesondere die gemeinsam definierten Ziele sowie die Komplementarität der Kompetenzen funktionierte in der ersten Phase hervorragend. In diesem Frühjahr kam Engie als neuer Hauptaktionär mit der nötigen internationalen Vertriebspower dazu.

Die Vertreter Cédric Christmann (Primeo Energie), Clemens Hagg (Helion), Jean-Marc Schreiber (SWiBi), Nicolas Thévoz (cc energie) mit Moderation durch Georg Meier (Energie Zukunft Schweiz), diskutierten ihre strategischen Ansätze, Alternativen, Treiber und Notwendigkeiten von Partnerschaften in der Energiezukunft. „Coopetition“, die Zusammenarbeit zwischen Wettbewerbern in einzelnen Bereichen, wird im reifer werdenden Markt künftig zur Normalität.

Den Nachmittag prägten wie immer die Startups mit Praxisbeispielen: Pascal Kienast (CLEMAP) liefert mit seinen Produkten eine Lastaufschlüsselung («NILM») für neue Geschäftsmodelle wie z.B. detaillierte Analysen für (digitale) Energieberatung, Transparenz in Stromverbrauch und -Kosten einzelner Geräte und somit einen wertvollen Beitrag zur Energieeffizienz. Jan Marckhoff (BEN Energy) lieferte das zweite Beispiel für die «Erlebbarmachung» von Energie und beschäftigt sich mit Smart Meter Analytics durch maschinelles Lernen. Den Anwendungsfällen sind kaum Grenzen gesetzt. So können im Verteilnetz frühzeitig Defekte erkannt, Verbraucher identifiziert oder Kunden profiliert und segmentiert werden. Letzteres natürlich mit dem expliziten Einverständnis der Kunden vorausgesetzt. Abgerundet wurde die Jahrestagung durch Gerrit Hellwig (DEC) mit der Aufforderung durch digitalisierte neue Ansätze selber in neue Branchen zu expandieren und Disruption als Chance aktiv voranzutreiben.

Die Vertriebsleitertagung 2019 lieferte einen tiefen Einblick in die sich verändernde Energiewirtschaft der Schweiz. Die vorgestellten Handlungsoptionen stellen dabei eine hervorragende Inspirationsquelle für neue, nachhaltige Geschäftsmodelle dar, um sich im zukünftigen Energiemarkt zu behaupten. Die Moderation von Dr. Jens Bartenschlager und Georg Meier hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Freitag, 6. September 2019

Die Hoffnung auf die Strommarktliberalisierung ist klein


















An der diesjährigen Vertriebsleitertagung Energie vom 3. und 4. September war auch die Strommarktöffnung ein Thema. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zeigten sich jedoch skeptisch, dass der Schweizer Strommarkt schon bald liberalisiert wird.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte Hans-Jörg Aebli, Leiter Produkte und Dienstleistungen bei EKZ, in seinem Anfangsvotum und lächelte. Die Hoffnung ist zwar auch bei Jan Flückiger, Leiter Public Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Swisspower AG, noch da, aber in gedämpfter Form. "Wir brauchen eine Vorlaufzeit für die Marktöffnung", sagte er. "Aber da wäre ja auch noch die Frage des Strommarktdesigns." Diese sei noch nicht geklärt. Unklar sei auch, wie man es schaffe, Investoren für die Erneuerbaren zu finden.

Bernhard Signer, Leiter Vertrieb bei der Repower AG, bemängelte, dass die Liberalisierung immer wieder hinausgezögert worden sei. "Man sagt, die Marktöffnung komme jetzt plus in drei Jahren", sagte er. "Aber diese Formel gilt seit 2004." Auf die Frage, ob der Föderalismus möglicherweise zur Verzögerung beigetragen habe, antworte Signer mit einem klaren Ja.  Das sieht auch Flückiger so. "Es gibt Hunderte Verteilnetzbetreiber in der Schweiz, und alle haben einen gewissen Einfluss", sagte er. "Wenn der Lokalfürst sagt, Liberalisierung sei schlecht, hören viele auf ihn." Flückiger stellte auch eine gewisse Müdigkeit in der Branche fest: "Viele sind des Themas überdrüssig geworden."
 
Versorgungssicherheit versus Liberalisierung

Dass es nicht vorwärts geht, hat für die Podiumsgäste aber auch noch andere Gründe. Die Marktöffnung bringe bedeutende Herausforderungen bezüglich des Netzes mit sich, sagte Aebli. Da wäre einerseits der Mangel an Fachleuten wie Elektrotechnikern, andererseits aber auch die Frage nach der Versorgungssicherheit. "Wir machen uns wegen der Marktöffnung Sorgen, weil da viele Fallstricke drin sind, die auf den Ruf der Werke Einfluss haben könnten", so Aebli. Die Politik befinde sich in einer Zwickmühle: Versorgungssicherheit versus Liberalisierung. Auch Flückiger sieht einen Zielkonflikt zwischen der Versorgungssicherheit, den energiepolitischen und den wirtschaftlichen Zielen.

"Es ist für die Politik schwierig, mit der Erwartungshaltung der Menschen umzugehen", sagte er. Erschwerend komme hinzu, dass die nationale Politik Ziele gesetzt habe, diese aber von den Kantonen und den Städten umgesetzt würden. Und Signer stellte fest, dass beim Thema Liberalisierung eine gewisse Zurückhaltung zu spüren sei. Signer fragte zudem, warum man eigentlich nicht die Bevölkerung über eine Liberalisierung abstimmen liess. Flückiger stellte dieselbe Frage und mutmasste, der Bundesrat habe Angst vor einer solchen Abstimmung.


Zum Schluss wurden die Diskussionsteilnehmer noch gefragt, was denn zuerst umgesetzt würde: die Marktöffnung für Strom oder von Gas? Und da gingen die Meinungen deutlich auseinander. "Keines von beiden", sagte Aebli. Flückiger glaubt wiederum, die Teilmarktöffnung beim Gas komme zuerst. Und Signer erwiderte: "Ich glaube, beides zusammen."


(Michel Sutter, Redakteur, energate)

Dienstag, 18. Juni 2019

Nachlese Innovationsforum Mobility


Post-fossile Mobilität  \  Roadmap Elektromobilität 2022  \  Merkblatt SIA 2060  \  CO2-Zielvorgaben und Ihre Erreichung  \  E-Autos in Firmenflotten  \  Car Sharing  \  Autonomes Fahren

Am 1. Innovationsforum Mobility vom 4. Juni 2019 beleuchteten zehn hochkarätige Referenten und Diskussionsteilnehmer unter den interessierten Augen und Ohren der rund 60 Teilnehmenden die Breite und Tiefe der aktuellen Herausforderungen, welchen der Mobilitätsmarkt der Gegenwart gegenübersteht. Das anspruchsvolle Tagesprogramm bestand aus den drei Sessions «Herausforderungen und neue Impulse für die Verkehrswende», «Rahmenbedingungen in der Schweiz» und «Erfahrungen aus der Praxis» zu je drei Referaten, mit Fokus auf den Chancen und dem Potenzial aber auch den Schwierigkeiten, welche diese regelrechte Mobilitätsrevolution und Aufbruchstimmung für Industrie, Unternehmer, Politik und auch jeden Einzelnen beinhalten. Die abschliessende Podiumsdiskussion wandte sich dann noch explizit dem autonomen Fahren zu.

Keynote von Dr. Alexander Klose, Aiways Executive Vice President Overseas Operations: «Beitrag von Aiways zur Mobilitätswende»

In seiner Keynote über den «Beitrag von Aiways zur Mobilitätswende» erläuterte Dr. Alexander
Klose, Aiways Executive Vice President Overseas Operations, den Fokus des chinesischen Elektroautobauers bei der Entwicklung und Vermarktung seines ersten serienreifen Produkts. Mit dem komplett in Schanghai, China, entwickelten und in Jiangxi gebauten batterieelektrischen Crossover-SUV U5 will Aiways nicht als Disruptor auftreten, sondern ist sich bewusst, dass es mit seinen 1200 Mitarbeitenden (die Konkurrenz ist oft hundertmal so gross) lediglich einen kleinen, dafür aber nach eigenen Einschätzungen (r)evolutionären Beitrag zur Mobilitätswende leisten kann. Der U5 ist als erschwingliches und verbraucherfreundliches BEV für den europäischen Markt konzipiert. Aiways ist überzeugt, dass die künftige Mobilität elektrisch und multimodal sein wird, kann aber aufgrund der viel zu komplexen politischen, technischen und infrastrukturellen Abhängigkeiten und Unabwägbarkeiten nicht exakt voraussehen, wohin die Entwicklung geht. Da das junge Startup keiner Unternehmenshistorie verpflichtet ist, müssen künftige Produkte auch nicht zwingend BEVs sein, wie bereits der mit einer Methanol-Brennstoffzelle betriebene Versuchsträger Gumpert Nathalie beweist.

Der Aiways U5 wird anfangs mit einer 65-kWh-Batterie bestückt sein, welche, aufgrund des gegenüber vergleichbaren Mitbewerbern geringeren Fahrzeuggewichts von 1700 kg, der Reichweite eines 90-kWh-Akkus bei der Konkurrenz entspreche. Untypisch im E-Auto-Markt will man die Batterie künftig sogar verkleinern, sodass das Fahrzeug höchstens noch 1.5 Tonnen wiegt. Es sei eine «Sache der Erziehung der Kunden», dass der Markt dieses Downsizing akzeptiert, betonte Dr. Klose. Reichweitenangst sei mit dem U5 Vergangenheit, da die Batterie immer eine aktivierbare Restreserve enthalte, mit welcher der nächste Ladepunkt erreicht werden könne. Dort sind dann 50 oder 100 kW Gleichstromladeleistung möglich. Grundsätzlich favorisiert Aiways aber das weniger performante Wechselstromladen zu Hause, da man nie wisse, ob unterwegs ein Charger frei sei. Dennoch entwickelt man in Schanghai einen autonomen Laderoboter für den öffentlichen Raum, welcher pro Tag bis zu 15 E-Autos lädt und so die entsprechende Anzahl dedizierter Ladesäulen überflüssig macht. Wie andere aktuelle Autos tauscht auch der U5 permanent Daten mit dem Mutterhaus aus, was Ferndiagnose, Fernwartung sowie Fernaktualisierung ermögliche und Sharing-Modelle erleichtere.

Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa): «Post-fossile Mobilität –Ein vielschichtiger Ansatz»

In seinem Referat «Post-fossile Mobilität – Ein vielschichtiger Ansatz» betonte Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), dass die zukünftige Mobilität in jedem Fall auch einen Beitrag zur Energiespeicherung leisten müsse. Für die Energieversorgung, primär bestehend aus fossiler Energie, Nuklearenergie und erneuerbarer Energie, würden heute weltweit 6 Trillionen US-Dollar pro Jahr ausgegeben.

Die Menge der durch den Verkehr verursachten CO2-Emissionen verläuft ziemlich exakt dem Verhältnis der Fahrzeuggewichte, welche seit Jahren im Steigen begriffen sind (mehr SUVs, mehr Allradantriebe, stärkere Motorisierungen). Im Schnitt stiessen die 2016 in der Schweiz zugelassenen Autos pro Kilometer 135 g CO2 aus. Um auf die ab 2020 gesetzlich geforderten 95 g CO2/km zu kommen, müssen hohe Anteile an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (HEV, PHEV, BEV, PtGV, FCEV) in Verkehr gesetzt werden. Für die künftige Mobilität ist also nicht (mehr) das Antriebskonzept entscheidend, sondern die Art und Herstellung der benötigten Energie, da bspw. die CO2-Belastung des Stroms einen grossen Einfluss hat (heute fallen für die Produktion einer Kilowattstunde erneuerbarer Energie bis zu 70 g CO2 an). Für die Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchswertes sind der Einsatzzweck der Fahrt (Stadt, Überland, Autobahn), die Beladung und die Umgebungsbedingungen (Temperatur, Klimatisierung) zentral. Eine hohe Relevanz haben hierbei die Langstreckenfahrten, indem 30 % der Vielfahrerfahrzeuge für 70 % der CO2-Emissionen verantwortlich sind.

Aktuell fungiert das Ausland im Sommerhalbjahr für die Schweiz noch als eine Art von «Stromspeicher», indem wir unsere 5 TWh Überschussstrom exportieren, um dann eine ähnliche Menge im Winterhalbjahr wieder einzuführen. Dies wird nicht mehr lange so funktionieren, da mit dem europaweiten Ausbau erneuerbarer Energien (PV, Wind) im Sommer überall zu viel Strom anfällt. Es tut also Not, die Überkapazitäten in Form von PtG (Wasserstoff, Methan) lagerfähig zu machen, um sie bei Bedarf dann kontrolliert abrufen zu können. Gemäss dem Sun2035-Szenario von Swissgrid könnten durch Nutzung der Hälfte des im Sommerhalbjahr überschüssigen erneuerbaren Stroms zur Herstellung von synthetischem Treibstoff mehrere 100’000 Fahrzeuge CO2-neutral mit einheimischer Energie betrieben werden.

Abschliessend fasste Christian Bach zusammen, dass eine auf erneuerbarer Energie beruhende Strategie enorme Speicherkapazitäten, Flexibilisierungsoptionen und Energiewandlerkonzepte benötige, welche gleichzeitig mit dem Ausbau der Energieerzeugung realisiert werden müssten. Die CO2-Emissionen können nur bei einem Wechsel von fossiler zu erneuerbarer Energie reduziert werden. Fahrzeuge müssten aber energiesystemdienlich eingesetzt werden, indem bspw. BEVs im Grid auch als Stromzwischenspeicher dienen.



Jan Strobel, Geschäftsführer und Aktionär der Finadvice AG: «Investment Case Elektromobilität»

Dass die Elektromobilität aus Finanzinvestorensicht kein Systemwechsel sei, sondern lediglich eine Weiterentwicklung der Individualmobilität, illustrierte Jan Strobel, Geschäftsführer und Aktionär der Finadvice AG, in seinem Referat «Investment Case Elektromobilität». Allerdings verändere die E-Mobilität die Energieversorgung und Infrastruktur aus allen Perspektiven, da sie schneller wachse als alle Prognosen dies vorausgesagt hatten (in den ersten vier Monaten 2019 waren 10 % aller Neuanmeldungen in der Schweiz Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, die Hälfte davon elektrisch). Für das weitere Wachstum der E-Mobilität ist die TCO entscheidend, wobei hierbei die Kurzstrecken heute schon attraktiv sind. Die E-Mobilität galt bislang als Risikoinvestition, obwohl Teile davon (z.B. die Ladeinfrastruktur) durch Regulierung zu Teilen der allgemeinen Strasseninfrastruktur werden. Investoren wollen aber Wirtschaftlichkeit, Investitionssicherheit und kalkulierbare Investitionszyklen, was u.a. durch fehlende Standards (Stecker, Eichung, Messung) erschwert wird. Ein De-Risking und somit ein Einstieg von Infrastrukturinvestoren, wird nur durch klare Geschäftsmodelle mit langfristiger Regulierung und einer stabilisierten Umsatzstruktur mittels Wettbewerbs erfolgen. Schlussendlich müssen alle Konzepte Kundenbedürfnisse befriedigen und der Fokus auf urbane Zentren sowie das Autobahnnetz gelegt werden.

Die E-Mobilität wir die Regulierung von Ländern, Städten und internationalen Organisationen massgeblich vorwärtstreiben. Autohersteller und EVUs treten in direkten Wettbewerb, wobei der Schwerpunkt in der Ergänzung des ÖVs liegt. Auch Ride-sharing und -Pooling werden den Mobilitätsmarkt mit neuen Konzepten aufmischen, wobei die autonomen Fahrzeuge dabei die wirkliche Revolution darstellen; ein Zeitplan bis zum autonomen Fahren ist allerdings noch nicht erkennbar. Dennoch können EVs bis Mitte der 2020er-Jahre im Individualverkehr mit konventionellen Fahrzeugen vergleichbare TCOs aufweisen. Gewerbliche Nutzfahrzeuge werden im urbanen Bereich auf Elektro- oder Hybridantriebe umstellen, während der Schwerlast- und Langstreckenverkehr Gasmotoren (CNG, LNG, H2) bevorzugen wird. Die Bewertung von Projekten muss individuell erfolgen, da die Automotive-Branche im Umbruch ist und weder die Gewinner noch die Verlierer bisher klar feststehen. Nur volles unternehmerisches Risiko wird schlussendlich ca. sechs bis acht führende Player hervorbringen. Beim Aufbau einer umfassenden Ladeinfrastruktur werden Ausschreibungen und langjährige Konzessionen die Risikoaufschläge senken.

Volker Fröse, Stabschef Verkehr im Bundesamt für Strassen (Astra): «Roadmap Elektromobilität 2022 – Stand der Umsetzung»

Auch beim Bundesamt für Strassen (Astra) weiss man, dass die E-Mobilität kommt, und dies vermutlich schneller und früher als bisher angenommen. Somit muss auch der Ausbau erneuerbarer Energien mit dieser Entwicklung Schritt halten. Wo die Schweiz bezüglich der Umsetzung der E-Mobilität steht, erläuterte Volker Fröse, Stabschef Verkehr im Bundesamt für Strassen (Astra), mit seinem Referat «Roadmap Elektromobilität 2022 – Stand der Umsetzung». Bei der Anzahl elektrifizierter Fahrzeuge (2018 wurden über 5000 BEVs, gute 4000 PHEVs und ein paar Hundert EVs mit Range Extender immatrikuliert, was bei den EVs einen Marktanteil von 3.2 % darstellt) hat die Schweiz Länder wie Deutschland und Frankreich aktuell bereits überholt und ist auch sonst vorne mit dabei, obwohl hierzulande keine Anreize mittels Kaufprämien geboten werden. Bis 2022 sollen 15 % aller neu in Verkehr gesetzten Autos EVs sein, anders können die vorgeschriebenen CO2-Werte nach NEFZ (2020: 95 g/km, 2025: ca. 81 g/km, 2030: ca. 60 g/km) nicht erreicht werden. Damit übertrifft das Astra sogar das von auto-schweiz, der Vereinigung Schweizer Automobilimporteure, selbst gesetzte Ziel von 10 % EVs im 2020. Das ehrgeizige Ziel kann in der Schweiz nur durch Bewirtschaftung der drei Aktionsfelder «Erfolgreiche Marktentwicklung der Fahrzeuge», «Optimale Ladeinfrastruktur» und «Rahmenbedingungen und Anreize» erreicht werden.

Die Roadmap 2022 ist ein Prozess, kein Top-down-Masterplan, welcher von den Initiativen und dem Engagement der Beteiligten durch Agilität und kurze Kommunikationswege lebt. Mit der Roadmap 2022 konnte ein umfangreiches, breit abgestütztes Paket zur Förderung der E-Mobilität in der Schweiz geschnürt werden. Die aktuell gut 50 Akteure organisieren sich selbst, der Bund übernimmt im Rahmen seiner Möglichkeiten die Rolle eines unabhängigen Koordinators und kann vielversprechenden Projekten auch Starthilfe geben. Ein grosses Mammutvorhaben ist dabei ist die Ausrüstung der 62 Raststätten und 100 Rastplätze mit Schnellladestationen für Steckerfahrzeuge, welche durch fünf Gesellschaften mit Bewilligungen auf 30 Jahre hinaus geleistet wird. Die unterschiedlichen Anbieter werden dabei schweizweit verteilt agieren, sodass bei Wegfall eines Suppliers keine Versorgungslücke entstünde, sondern lediglich eine temporäre Ausdünnung der Versorgung.

Des Weiteren entwickelt der Bund innerhalb der Roadmap 2022 die App «Nationale Daten-Infrastruktur Elektromobilität (Diemo)», erstellt Ladestationen in Bundesgebäuden, führt grün markierte Park- und Ladeflächen für EVs ein, bewilligt eine Auflastung von 3.5 auf 4.25 Tonnen von leichten (Nutz-)Fahrzeugen mit Elektroantrieb, verzichtet auf den Automateneintrag im Führerausweis, sodass Fahrschüler bereits in Fahrschulen ans elektrische Fahren herangeführt werden können, erstellt dynamische Echtzeitsignale der freien Ladeplätze auf Raststätten sowie Rastplätzen und verzögert die Einführung der E-Abgabe für EVs.


Jules Pikali, Inhaber der OekoWatt AG und Präsident der Kommission 2060 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA): «SIA 2060: Unser Beitrag für mehr Planungs- und Investitionssicherheit»

Jules Pikali, Inhaber der OekoWatt AG und Präsident der Kommission 2060 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA), referierte zum Thema «SIA 2060: Unser Beitrag für mehr Planungs- und Investitionssicherheit» im Bauwesen im Hinblick auf die E-Mobilität. Das Ziel des Merkblattes SIA 2060 ist die Schaffung von einheitlichen Begrifflichkeiten und fachlichen Grundlagen, von Planungssicherheit, von Dimensionierungsgrundlagen und der Sicherstellung, dass Infrastrukturen dem Marktbedürfnis entsprechen. Die E-Mobilität und damit die Erstellung der notwendigen Infrastrukturen, muss heute bereits im normalen Planungsprozess neuer Bauten berücksichtigt werden. Batterien von EVs müssen kontinuierlich bewirtschaftet werden, was ein konsequentes Einstecken zu Hause bedeutet. Dadurch dürfen aber beim Parkieren keine besonderen Risiken und Gefahren entstehen. Und auch die Leistungsbewirtschaftung ist eine zentrale Aufgabe, wozu das Merkblatt SIA 2060 konkrete quantitative Vorgaben macht (minimal sollen in Gebäuden bspw. 16 % aller Parkplätze mit einer Wallbox ausgerüstet sein, Zielwert ist 20 %). Den Planern steht hierzu online der SIA2060Configurator zur Verfügung. Weiter müssen im Planungsprozess die Elektrizitätsbeschaffung (allenfalls inkl. Eigenstromerzeugung), die Leistungsbewirtschaftung im Gebäude mit bi-direktionalem Betrieb (im aktuellen Merkblatt noch nicht vorgesehen, soll aber in der nächsten Revision kommen), die Organisation der Nutzer und die Beschriftung der Parkplätze berücksichtigt werden. Das Merkblatt SIA 2060 soll Ende 2019 publiziert werden, und das Ziel ist es, so Pikali, dass es schlussendlich zur Norm erklärt wird.

Christoph Wolnik, PR-Verantwortlicher und Mediensprecher von auto-schweiz: «CO2-Zielvorgaben und Ihre Erreichung: Auf dem Weg zu ‹10/20›»

Wie die Vereinigung Schweizer Automobilimporteure die gesetzlichen CO2-Limiten zu erreichen gedenkt erläuterte Christoph Wolnik, PR-Verantwortlicher und Mediensprecher von auto-schweiz, in seinem Referat «CO2-Zielvorgaben und Ihre Erreichung: Auf dem Weg zu ‹10/20›». CO2 gilt als neue Weltwährung, indem sich ihr Einfluss auf das Bruttoinlandprodukt in kg CO2/USD beziffern lässt (2014: Welt 0.44, EU 0.18, Schweiz 0.06). Die Reduktion der CO2-Emissionen bewegt sich im Dreieck aus Vorschriften (Vorgaben, Sicherheit, Schadstoffe), Technik (Machbarkeit, R&D, Antriebsarten, Trends) und Markt (Preis, Design, Konkurrenz, Kundenwünsche, Leistung). In der EU und der Schweiz gelten seit Mitte 2012 verbindliche CO2-Vorschriften: für PW 130 g/km, 2020–2024: 95 g/km, für NFZ 2020–2024: 147 g/km. 2025 werden diese Werte für alle Fahrzeuge nochmals um 15 %, und ab 2030 für PW um 37.5 % und für NFZ um 31 % gesenkt. Von 2020 bis 2023 erfolgt die Einführung der neuen CO2-Grenzwerte in der Schweiz via ein Phasing-in, in der EU müssen bereits 2021 alle Grenzwerte erreicht sein. Hocheffiziente Fahrzeuge mit unter 50 g CO2/km dürfen der Flotte bis 2023 in Form von Supercredits sogar mehrfach angerechnet werden. Obwohl der CO2-Ausstoss neuer PW in der Schweiz zwischen 1996 und 2016 um 36.5 % von 211 auf 134 g/km abgenommen hat, ist seither wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen, was auf die sinkende 2 über dem Zielwert pro Fahrzeug mit 111 Franken an Sanktionszahlung zu Buche schlägt. Ein Importeur, welcher 2019 also 7500 PW mit 135 g CO2/km (entsprechend 5 g Zielüberschreitung) auf dem Schweizer Markt gebracht hat, bezahlt dafür knapp 4.2 Mio. Franken Strafe. Dieser Effekt lässt sich bspw. durch Pooling abfedern, indem sich ein Hersteller von Autos über dem Grenzwert mit einem von sauber(ere)n Autos zusammentut, um so eine Mischrechnung vorlegen zu können (FCA zahlt bspw. Tesla Motors grosse Summen für diesen CO2-«Trick»).

Nachfrage nach Dieselmotoren als Reaktion auf den VW-Dieselskandal im Herbst 2015, sowie die kontinuierliche Zunahme von Allradantrieben und die steigenden Fahrzeuggewichte zurückzuführen ist. Die Änderung des Prüfverfahrens der Verbrauchsmessung vom bisherigen NEFZ auf das neue, strengere WLTP hat alle Autos auf dem Papier schlagartig «schmutziger» gemacht. Fairerweise müssten nun auch die Grenzwerte entsprechend angepasst werden, da jedes Gramm CO

Auto-schweiz hat sich ja selbst das Branchenziel gesteckt, dass im 2020 der Anteil an EVs in der Schweiz 10 % betragen soll, was nebst dem zusätzlichen Wachstum bei anderen alternativen Antrieben als beste Lösung zur Erreichung der CO2-Zielwerte gesehen wird. «10/20» ermöglicht zudem eine positive Kommunikation über das CO2-Thema. Das Beratungsbüro EBP schätzt, dass in der Schweiz ca. 2035 gleich viele EVs verkauft werden, wie solche mit Verbrennungsmotor. Um aber um «10/20» zu erreichen, bedarf es einer grossen Auswahl an Modellen mit alternativen Antrieben, einer breiten Unterstützung seitens des Bundes, der Kantone und der Gemeinden, privater Investitionen für Lade- und Tankinfrastruktur sowie der Beibehaltung der geplanten Einführungsmodalitäten. Am Kunden sollte es nicht liegen, könnten sich doch 53 % der befragten Konsumenten vorstellen, in zwei bis zehn Jahren ein EV anzuschaffen. Dies gilt für Privatkunden, in Flotten dominiert weiterhin der Diesel; Gas und Elektro bilden noch die Ausnahme.

Martin Erb, Direktor der Alphabet Fuhrparkmanagement (Schweiz) AG: «Elektrofahrzeuge in Firmenflotten – Eine Bestandsaufnahme»

Nahtlos führt Martin Erb, Direktor der Alphabet Fuhrparkmanagement (Schweiz) AG, in seinem Referat «Elektrofahrzeuge in Firmenflotten – Eine Bestandsaufnahme» die Erkenntnisse von auto-schweiz betreffend der Zusammensetzung der Antriebsarten in Firmenflotten fort. Die Alphabet Fuhrparkmanagement AG betreut weltweit 700'000 Fahrzeuge (8000 in der Schweiz) und weiss, dass sich Flottenkunden nur für EVs entscheiden, wenn es für sie ökonomisch Sinn macht. Bei ihnen gilt das Zitat aus der Dreigroschenoper: «Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral». Trotz einer Auswahl von rund 11‘000 verfügbarer Fahrzeugvarianten über alle Antriebsarten hinweg, finden sich in den für Flottenbetreiber relevanten vier Bereichen «Premium», «Kombi+», «Budget» und «LCV» nur gerade 158 valable Steckerfahrzeuge, gegenüber 9622 Modellen mit konventionellem Antrieb. Bei einem TCO-Vergleich über 48 Monate mit 25'000 km/Jahr und exkl. der Verkehrssteuern schneiden die Alternativen, heruntergerechnet auf die Kosten pro Kilometer, aktuell schlechter ab als die Konventionellen. Diese höheren Kosten, plus gewisse funktionale Einschränken und die limitierte Fahrzeugauswahl lässt die meisten Flottenbetreiber weiterhin zum Verbrenner greifen. Gleichwohl zeigt eine Potenzialanalyse, dass unter gewissen Umständen 85.3 % einer Flotte elektrifiziert werden könnte, was zu einer Reduktion der lokalen CO2-Emissionen um 81 % führen würde, während sich die Gesamtbetriebskosten lediglich um 6 % erhöhten. Anstatt nun aber praktisch die gesamte Flotte (85.3 %) auf einmal auf «Grün» umzustellen, bewährt sich ein Schritt-für-Schritt-Austausch nur der regulär auslaufenden Fahrzeuge mit den passenden EVs besser (48 %). Noch konservativer könnten auch nur diejenigen regulär auslaufenden Fahrzeuge durch EVs ersetzt werden, bei denen gleichzeitig auch wirklich eine Kosteneinsparung realisiert wird (22.7 %).

In Zukunft siehts für Flottenkunden aber zunehmend positiver aus, da die Fahrzeugauswahl signifikant ansteigt, die Ladeinfrastruktur sukzessive ausgebaut wird und sich so die TCO der EVs denjenigen der Konventionellen annähern. Als Unsicherheitsfaktoren bleiben aber weiterhin nicht voraussehbare regulatorische Eingriffe, wohin die anderen alternativen Antriebe (H2, PtG) gehen und wie sich das Konsumentenverhalten entwickeln wird.

Dr. Alois Freidhof, Leiter Produktmanagement Mobilität bei Energie360° AG: «Chancen von free-floating Car Sharing für den Stadtverkehr»

Dass unsere Fahrzeuge mit durchschnittlichen Standzeiten von 23 Stunden pro Tag in Wirklichkeit Stehzeuge sind, dürften viele Autpobesitzer schon einmal gehört haben, oder dann vermuteten sie es. Dr. Alois Freidhof, Leiter Produktmanagement Mobilität bei Energie360° AG, erläutert in seinem Referat die «Chancen von free-floating Car Sharing für den Stadtverkehr» und wie dies den Verkehrsinfarkt in unseren Städten abdämpfen könnte. Das free-floating Car Sharing kann als ergänzendes Mobilitätsangebot im urbanen Umfeld für Reisedistanzen zwischen fünf und zehn Kilometern angesehen werden. Anders als das Car Sharing mit Fahrzeugen an definierten
Standplätzen (bspw. Mobility), bewegen sich «freischwebende» Autos gemeinsam mit ihren Fahrern und können an beliebigen Orten wieder zurückgelassen werden. Die Nutzer registrieren sich dazu in der App des Anbieters und können fortan ihr benötigtes, nächstgelegenes Fahrzeug online reservieren, nach kurzem Fussmarsch übernehmen, fahren, beim Zielort parkieren, den Mietvorgang abschliessen und die entsprechende Belastung direkt online abbuchen lassen. Aktuell dominiert bei den Shared Cars in Deutschland in 740 Städten mit 11'000 Fahrzeugen noch das stationsbasierte Modell, während in sieben Grossstädten erst 9000 Fahrzeuge (davon 1000 elektrisch) free-floating zur Verfügung stehen. Insgesamt machen geteilte Fahrzeug bisher nur 0.04 % des Fahrzeugbestands aus. Share Now, der weltweit grösste free-floating-Anbieter, verfügt in 31 Städten der USA, Kanadas und Europas über 20'000 Fahrzeuge (3200 elektrisch), welche von vier Mio. Menschen genutzt werden. In der Schweiz gibt es 3090 Mobility-Autos mit 200'000 Kunden, 250 free-floating-Autos in Genf und Basel von Catch a Car (ebenfalls von Mobility betrieben) und dann noch rund 1800 Peer-to-Peer-Autos von Sharoo.

Mit free-floating Car Sharing könnte den grössten Herausforderungen im heutigen Stadtverkehr die Spitze gebrochen werden: durch Bevölkerungszuwachs steigende Staus, zunehmender Parkplatzsuchverkehr, massive Raumknappheit/Platzverschwendung durch Parkplätze, schlechtere Luft, mehr Lärm. Die Lebensqualität der Bewohner würde markant ansteigen. Car-Sharing-Nutzer sind allermeistens auch ÖV-Nutzer, sodass sich diese beiden Mobilitätsarten ergänzen. Generell muss ein Umdenken zu multimodaler Nutzung und zum Teilen stattfinden, eine Abwendung also von privat besessenen Fahrzeugen, sodass die knappe Infrastruktur besser genutzt wird. In Basel allein werden durch die 150 free-floating Autos von Catch a Car 175 t CO2/Jahr eingespart. Jeder zehnte Kunde würde sich ein Auto anschaffen, wenn es Catch a Car nicht mehr gäbe, und 6 % der Kunden haben deswegen sogar ihren Fahrzeugbestand reduziert. In Wien, Österreich, werden dank Car Sharing pro Jahr sogar 7000 t CO2 eingespart. Car Sharing geht vor allem zulasten des Privatautos und der Taxis, nicht aber des ÖVs. Es gilt als eine Art «Mobilitätsversicherung» für jene Fahrten, die ohne PW nicht durchgeführt werden könnten.

Car Sharing unterstützt die Verkehrsziele moderner Städte und muss ein gewünschter Modus ihrer Verkehrsstrategien werden. Zur Förderung von free-floating Car Sharing müssen ein geeignetes Parkplatzreglement mit akzeptablen Preisen und eine entsprechende Ladeinfrastruktur sichergestellt werden. Eine Ergänzung und Erweiterung zu den free-floating Shared Cars wären in einem nächsten Schritt dann autonome Robo-Taxis, welche mittelfristig die Kosten für urbane Mobilität sogar nochmals senken würden. Hier kämen dann (automatisierte) Flottendienste in grossem Umfang zum Zuge, vorausgesetzt entsprechende Fahrzeuge stehen zur Verfügung.

Andreas Aeschlimann, Leiter Geschäftsentwicklung Club beim Touring Club der Schweiz (TCS): «Auswirkungen der neuen Mobilitätsformen in der Praxis – Beispiel TCS»

Als anno 1896 der TCS zur Unterstützung von Radtourenfahrern ins Leben gerufen worden ist, hätte niemand die Mobilitätsentwicklung des 21. Jahrhunderts voraussehen können. Welche Herausforderungen und vor allem welches Potenzial hier entstanden sind, beleuchtet Andreas Aeschlimann, Leiter Geschäftsentwicklung Club beim Touring Club der Schweiz (TCS), im abschliessenden Referat des 1. Innovationsforums Mobility «Auswirkungen der neuen Mobilitätsformen in der Praxis – Beispiel TCS». Die heutigen rund 1.5 Mio. TCS-Mitglieder profitieren, nebst dem bestens bekannten traditionellen Kerngeschäft, der Pannenhilfe durch die Patrouilleure, von den mannigfaltigen Dienstleistungen des TCS: Fahrtrainings, Fahrzeugprüfungen, Fahrzeug-, Reise- und Rechtsschutzversicherungen, weltweite medizinische Transporte sowie Fahrrad-, Freizeit- und Reiseangebote. Aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung des Fahrzeugbestandes in der Schweiz und der damit einhergehenden abnehmenden Pannenanfälligkeit aufgrund viel einfacherer mechanischer Konstruktionsweisen mit weniger beweglichen Teilen, nimmt das Umsatzvolumen aus der Pannenhilfe beim TCS kontinuierlich ab. Und obwohl die häufigsten Pannen unterwegs Reifen, Schlüssel und die 12-V-Batterie betreffen, Komponenten, die auch in jedem E-Auto vorhanden sind, müssen dennoch neue Geschäftsfelder erschlossen werden, welche zudem auch dem Bevölkerungswachstum, der längeren Mobilität im Alter sowie den veränderten Mobilitätsgewohnheiten der Jungen Rechnung tragen.

Im Sharing-Bereich ist der TCS mit Carvelo2Go und Ride2Go aktiv, und die App Car Assistant erlaubt ein vorausschauendes Monitoring des Autos (bspw. der Batterie) zur Verhinderung von Ausfällen, bevor sie überhaupt passieren. Aeschlimann bricht etwaigen Einwänden hierzu gleich selbst die Spitze und meint verschmitzt: «Bevor uns ein anderer aus dem Markt drängt, machen wir dies mit unserer App lieber gleich selbst!». Natürlich wird dies nicht passieren, denn die App eröffnet gleichzeitig wieder neue Geschäftsfelder, indem die präemptive Wartung auch zu neuem, vorgezogenem Business in Form von Wartung und Service führen kann. Zudem werden das abnehmende Pannenvolumen unterwegs durch neue Pannenarten bspw. zuhause in Form von Problemen mit der Wallbox bzw. deren Wartung oder gleich Erstinstallation durch einen TCS-Installateur abgefedert. Und bleibt ein E-Auto dennoch einmal wegen leerer Batterie liegen, könnte künftig ein TCS-Patrouilleur mit dem Clevertrailer vorfahren, einem selbst entwickelten, mobilen Ladeakku-Anhänger, welcher dem gestrandeten Stromer innert einer Viertelstunde wieder Energie für 20 km Fahrt zur nächsten Schnelladestation spendieren kann. Wo diese liegt, kann der Fahrer in der TCS-eigenen eCharge-App bequem abrufen und dann auch gleich damit bezahlen. Aber auch die Pannenhilfe an (öffentlichen) Ladesäulen wird künftig zu den Einsatzarten der Patrouilleure gehören. So lange der traditionsreiche Touring Club der Schweiz so kreativ auf die sich ändernden Mobilitätsanforderungen reagiert ist ihm sicherlich noch ein langes Weiterbestehen beschieden.

Podiumsdiskussion: «Konvergenz von Mobilität und Technologie – Wie sieht es eigentlich mit dem autonomen Fahren aus?»

Teilnehmer: Marco Piffaretti, Gründer Protoscar sowie Bereichsleiter Mobilität und Mitglied der Geschäftsleitung Energie360° AG (3. v. l.), Martin Erb (1. v. l.), Volker Fröse (2. v. l.) und Christoph Wolnik. Moderation: Peter Rohrer, Fachjournalist und Redaktor Automotive.


Nach den vielfältigen Referaten des Tages haben sich die Diskussionsteilnehmer spontan dazu entschlossen, das Podium in den Fokus des autonomen Fahrens zu stellen, da dieses bis zu jenem Zeitpunkt noch wenig beleuchtet worden war. Der Moderator eröffnete die Diskussionsrunde mit der grundsätzlichen Frage, welche Hürden von den heute operationell Level-2-fähigen Fahrzeugen (Abstandstempomat, Spurhalteassistent, Stauassistent, Überholassistent) bis zu einem realweltlichen Level 4 oder 5 (vollständige, vollzeitige, sogar unbeaufsichtigte Autonomie in jeder Verkehrs- und Wetterlage sowie Örtlichkeit) noch zu meistern seien. Das Plenum befasste sich anschliessend mit Fragen der Wünschbarkeit des autonomen Fahrens aus Sicht der unterschiedlichen Anspruchsgruppen (Privatpersonen, Gesetzgeber, Industrie, Gewerbe) sowie gesetzlichen, haftungs- und versicherungstechnischen Argumenten.

Die Podiumsdiskussion, mehrfach mit Einbezug von Voten aus dem Publikum, zeigte deutlich auf, dass eine vollständige und flächendeckende Einführung des autonomen Fahrens schon nur in der Schweiz plus den umliegenden, vergleichsweise hochtechnisierten Ländern, eine kaum zu bewältigende Herausforderung darstellen wird. Der Knackpunkt ist die bis mehrere Jahrzehnte dauernde Übergangsphase des Mischverkehrs der Koexistenz von Fahrzeugen ohne jegliche Automatisierung bis zu (später einmal) vollautonomen Vehikeln. Vollständige Autonomie können Fahrzeuge nur mit kontinuierlicher, enger Kommunikation untereinander (V2V) und mit der Infrastruktur (V2I) über ein hochpotentes und hochverfügbares (5G-)Internet bewerkstelligen. Aus eigener Kraft, wie heutige Autos ihr bescheidenes Autonomielevel 2(+) realisieren müssen, wird es in absehbarer Zeit kaum möglich sein, jede Verkehrssituation sicherer als der durchschnittliche menschliche Autofahrer zu meistern. Genau dieses Qualitäts-Level ist aber die Schwelle, ab welcher selbstfahrende Fahrzeuge aus Sicht des Gesetzgebers zugelassen werden könnten. Der Vorschlag, den autonomen Autos in Städten und auf Autobahnen eine eigene, abgegrenzte Fahrspur zuzuteilen, sodass sie sich nur mit einer vereinfachten (Labor-)Umwelt konfrontiert sähen, macht mit Blick auf die knappe Ressource Raum auch keinen Sinn. Damit würde ja ein Hauptvorteil des autonomen Verkehrs, dass damit nämlich der spärliche Platz effizienter ausgenutzt werden könnte, ad absurdum geführt und sogar ins Gegenteil verkehrt. Und wenn man den Autonomen dedizierte Bereiche reserviert, dann kann man genauso gut mit der Bahn, dem Tram oder dem (Trolley-)Bus fahren, denn diese Transportgefässe funktionieren bereits jetzt nach genau diesem Prinzip. Ob dann vorne noch ein menschlicher Fahrer den Betrieb steuert oder nicht, spielt im Endeffekt kaum eine Rolle. Das autonome Fahren wird also wohl noch eine ganze Weile ein (inzwischen) zwar liebgewonnenes und mantramässig beschworenes, aber gleichzeitig kaum zu bändigendes Steckenpferd der Theoretiker und Technokraten bleiben. Obs uns in absehbarer Zeit im normalen (Mobilitäts-)Alltag markant tangieren wird, darf aktuell sicherlich noch getrost in Frage gestellt bleiben.


Dieser Rückblick wurde vom Tagungsmoderator Peter Rohrer, Fachjournalist und Redaktor Automotive, verfasst, welcher den hochkarätigen Referaten, den Publikumsdiskussionen und der abschliessenden Podiumsdiskussion einen professionellen Rahmen gegeben hat. Dies, das ausgezeichnete Networking und die tolle Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg dieser ersten Ausgabe des Innovationsforums Mobility ab.

Die Agenda für das Innovationsforum Mobility 2020 wird Ende dieses Jahres bekanntgegeben.


GLOSSAR

BEV: Battery Electric Vehicle
CNG: Compressed Natural Gas
CO2: Kohlenstoffdioxid
EVU: Energieversorgungsunternehmen
FCEV: Fuel-cell Electric Vehicle
g: Gramm
H2: Wasserstoff
HEV: Hybrid Electric Vehicle
km: Kilometer
kW: Kilowatt
kWh: Kilowattstunde
LCV: Light Commercial Vehicle
LNG: Liquefied Natural Gas
NEFZ: Neuer europäischer Fahrzyklus
NFZ: Nutzfahrzeug
ÖV: Öffentlicher Verkehr
PHEV: Plug-in-Hybrid Electric Vehicle
PtGV: Power-to-Gas Vehicle
PV: Photovoltaik
PW: Personenwagen
R&D: Research & Development
TCO: Total Cost of Ownership
USD: US-Dollar
V2V: Vehicle-to-Vehicle
V2I: Vehicle-to-Infrastructure
WLTP: Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure

Dienstag, 21. Mai 2019

Nachlese BI & Analytics Agenda 2019

Die grosse Bandbreite der Praxisvorträge auf der 7. Jahrestagung „BI & Analytics Agenda“ zeigte vor allem eines: Unternehmen aus verschiedensten Branchen befassen sich mit der Auswertung ihrer Daten, mit dem Ziel Mehrwert zu generieren. Dabei sind sie naturgemäss unterschiedlich weit fortgeschritten. Doch ob ein Reporting-Projekt, Planung oder Predictive Analytics – für alle ist die Datenqualität von hoher Relevanz.


Der Technologie-Trendforscher Moshe Rappoport griff das Thema direkt in seiner Keynote unter dem Kürzel GIGO (garbage in - garbage out) auf und argumentierte, dass die Qualität des Ergebnisses immer von der Qualität der Daten abhängt. Zudem schlüsselte er den Begriff Business Intelligence auf in Artifical Intelligence und Common Sense Intelligence: BI = AI + CI stellt klar, dass die künstliche Intelligenz immer einer menschlichen Intelligenz bedarf und rief dazu auf, den menschlichen Verstand einzusetzen und Erwartungsmanagement bezüglich der IT-Lösungen zu betreiben.

Die Praxisvorträge von Basler Versicherungen, der Griesser AG, der Helbling Gruppe, der Battaillard AG und von Seven Senders machten anschaulich deutlich, in welch unterschiedlichen Stadien die Unternehmen stehen und welchen Herausforderungen sie sich bei der Toolauswahl, -integration und Projektumsetzung stellen müssen.  Ergänzend dazu stellte sich die BI Software Cubeware vor. Unsere Nachricht an dieser Stelle an alle Interessierten: Starten Sie ihr Projekt und sammeln selbst Erfahrung zu Datenqualität, Umsetzung und Nutzen in Ihrem Unternehmen.

Der Vortrag "Top Analytics Trends 2019" von Herbert Stauffer, Geschäftsführer BARC Schweiz, bestätigte das Topthema Datenqualität und den Trend zur datenzentrierten Unternehmung. Internes und externes Datenpotential sollte zukünftig besser ausgeschöpft werden. Der Vortrag basierte unter anderem auf der Studie "BI Trend Monitor 2019" mit rund 3.000 Antworten von Anwendern, die nach Registrierung unter https://barc.de/docs/bi-trend-monitor-2019 kostenfrei erworben werden kann.

Herr Balogh, Chef des Bereichs Analyse und Entwicklung der Stadtpolizei Zürich stellte in der zweiten Keynote “Predictive Policing“ vor. Hier werden mittels fortgeschrittener Analyse Vorhersagen getroffen, wo kriminelle Taten stattfinden könnten. Das Präventionstool wertet Daten aus und bewertet sie in Kombination mit Expertenwissen. Ziel ist die Reduktion an tatsächlichen Einbrüchen durch die effektive Steuerung der Einsatzkräfte. Also ein System, mit dem sichergestellt werden soll, dass sich die Polizisten zur richtigen Zeit am richtigen Ort befinden. Noch ist dieses System relativ am Anfang seiner Entwicklung und es muss sicherlich überprüft werden, ob sich hierdurch nicht nur eine Verlagerung der Verbrechensorte in andere Kantone ergibt.
Am Nachmittag wurde im Rahmen des World-Cafés an fünf verschiedenen Thementischen diskutiert und Fragen beantwortet. Das Angebot wurde von vielen Teilnehmern genutzt. Ebenfalls gut besucht wurde die Begleitausstellung.

Mit 13 Ausstellern und über 140 Teilnehmern war die 7. Durchführung der Veranstaltung sehr erfolgreich.

Die 8. Jahrestagung "BI & Analytics Agenda 2020" wird am 20. Mai 2020 im Zürich Marriott Hotel stattfinden. Am Vortag werden wieder ganztätige Seminare und Workshops zu unterschiedlichen Themen angeboten. Reservieren Sie sich jetzt schon die Termine!

Montag, 15. April 2019

Nachlese Innovationsforum Energie 2019


Das 9. Innovationsforum Energie vom 4. und 5. April 2019 hat ein weiteres Mal eindrücklich bewiesen wie stark es sich durch die Adressierung neuer Themen von anderen Branchenveranstaltungen unterscheidet. Internationale sowie nationale Referenten haben Einblicke in künftige Technologien und Entwicklungen gegeben. Aus dem Kreis der rund 180 Teilnehmer wurden zahlreiche Beispiele konkreter Praxiserfahrungen mit zum Teil schon wirtschaftlichem Einsatz diverser Technologien vorgestellt. Es wurde deutlich, dass die Schweizer Energiewirtschaft künftigen Entwicklungen positiv und mit Tatendrang gegenübersteht.

Zukunftsforscher Lars Thomsen hat den ersten Tag mit disruptiven Opportunitäten der kommenden 600 Wochen eingeleitet. Gemäss seinen Ausführungen passiert all das, was wir uns in unseren Köpfen vorstellen können. So haben sich beispielsweise vor 600 Wochen Einzelne den Siegeszug des iPhone vorgestellt, andere hingegen diese Disruption deutlich unterschätzt. «If a trend becomes obvious, your are too late.» Zusätzlich führt er aus,dass wir alle Zukunftsforscher sind und Szenarien nutzen um die Zukunft vorherzusehen. Er erläuterte die folgenden 7 Megatrends:
  1. In 1 bis 2 Jahren wird das Ende der maschinellen Dummheit durch die Verbreitung von IoT erreicht.
  2. In 5 Jahren hat jeder von uns einen persönlichen (elektronischen) Assistenten. 
  3. In 2-3 Jahren werden wir uns humanoide Roboter als Butler leisten können, ein Markt für die Erledigung von 80% der Haushaltsaufgaben, welcher die Grösse des heutigen Automobilmarkts erreichen könnte. 
  4. Der Tipping-Point bei E-Mobilität ist bereits erreicht. So führte erstmals die Schweizer Zulassungsliste von Neuwagen ein Elektrofahrzeug an. 
  5. Künftige Geschäftsfelder der „Versorgung“ werden auch im erweiterten Feld des Gesundheitswesens beispielsweise mit Sicherheitsleistungen für ältere Menschen im privaten Umfeld liegen. 
  6. Der Herausforderung einer wachsenden Weltbevölkerung und speziell deren Bedürfnis nach Nahrung könnte das „Vertical Farming“ eine Lösung bieten, welches sich wiederum mit seinem grossen Strombedarf zu einem wichtigen Geschäftsfeld für Energieunternehmen entwickeln könnte. 
  7. Es wird einen Mangel an Menschen geben, die sich Dinge vorstellen können, Dinge ausprobieren und vernetzt denken.
Passend dazu hat im Anschluss Lior Sethon als Repräsentant des Weltmarktführers für autonomes Fahren und intelligente Fahrassistenzsysteme Mobileye angekündigt, dass im Jahr 2022 das weltweit erste vollautonome „Robo-Taxi“ in Tel Aviv eingesetzt werden wird. Durch die für das Geschäftsmodell notwendig zu erhebenden Daten von Verkehr, Strassen(-zuständen), Signalen, Personen, etc. werden sich weitere Nutzungsfelder für Drittanbieter ergeben, welche von diesen Echtzeitdaten profitieren können (Stadtentwicklung, Strassenbau, etc.). Ein interessantes Feld für Versorger der öffentlichen Hand.

Bereits inspiriert durch die ersten Vorträge, hat Lex Hartmann, ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied der TenneT, und neu Vorsitzender der Geschäftsführung von Ubitricity die Teilnehmenden zu mehr „exponentiellem Denken“ aufgefordert. Es sei wichtig, in grossen Dimensionen und mehr als einen Schritt voraus zu denken, um von den künftigen Entwicklungen profitieren zu können. Zur Netzsituation in Deutschland führte er aus, dass derzeit nur rund 40% der Kapazitäten genutzt werden und ein flächendeckender Netzausbau nicht erforderlich sei. Gleichzeitig erwartet er, dass künftig fast alle stromnutzenden Geräte sogenannte Flex-Geräte sein werden, die bei ihrer Stromnutzung auf aktuelle Netzpreise reagieren werden. Themenverwand hat Romeo Deplazes von der Energie 360° ein erfolgreich realisiertes Beispiel für die intelligente Kopplung von Energiesystemen bei einem Landwirtschaftlichen Betrieb vorgestellt. Die Stadt Zürich versucht laut Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung die Herausforderungen im urbanen Umfeld – anders als andere Städte – dadurch anzugehen, dass sie nicht die Smart City der Zukunft definiert, sondern vielmehr die Werkzeuge zur Verfügung stellt, womit Marktteilnehmer und städtische Mitarbeitende zur Entwicklung beitragen und diese aktiv mitgestalten können. Konkrete Werkzeuge für die Umsetzung innovativer Geschäftsmodelle zeigte im Anschluss Kurt Bobst von der Repower auf. Auch er bestätigt: «Entwicklungen beginnen im Kopf. Dafür braucht es Mut, Kunden, Fehler und Partner.» Er sieht den Plattformgedanken immer stärker werden.  Auf Basis eigener Projekte führte Jürg Grossen aus, dass ein Gesamtblick auf Lösungen im Energieumfeld wichtiger ist als die Entwicklung von Einzellösungen. So zeigen Beispiele, dass man den Ausbau des Verteilnetzes durch eine intelligente Steuerung dezentraler Erzeuger und Verbraucher vermeiden und erst noch finanziell attraktive Rahmenbedingungen bieten kann. Der erste Tag schloss mit einer überaus spannenden Podiumsdiskussion mit Kurt Bobst (Repower), Markus Brokhof (Alpiq), Jürg Grossen (Nationalrat) und Dr. Michael Ritzau (B E T Aachen). Thema waren Chancen und Risiken der Energiewende für Werke und Geschäftsmodelle.

Der zweite Tag bot zwei parallel durchgeführte Foren «A: Geschäftsmodelle und Technologien für die neue Energiewelt» sowie «B: Innovationen und Digitalisierung vs. Unternehmenskultur».

In Forum A starteten Arne Kähler (EW Höfe AG) und Roland Schwarzentruber (GWF AG) mit der Vorstellung des ersten flächendeckenden Smart Meter Rollout auf Glasfasern in der Schweiz. Sowohl Karl Thoma (Repower) als auch René Greiner (Uniper) stellten anschliessend beeindruckende Beispiele zur Digitalisierung vor. Bei Repower kommt bereits eine vollständig digitalisierte und papierlose Anlagenbewirtschaftung zum Einsatz. Die Uniper baut sehr erfolgreich eine umfassende digitale Plattform auf. Den Weg zum Erfolg schaffen beide Unternehmen durch die intensive Berücksichtigung der Mitarbeiter, welche als interne Kunden verstanden werden.
Der Roundtable mit Arne Kähler (EW Höfe), Stefan Rechsteiner (VISCHER) und Karl Thoma (Repower) dreht sich demgemäss um neue Wertschöpfung. Nach dem Mittagessen leitet Fabian Baerlocher zur smarten Abrechnung über Blockchain in den Themenblock Praxiserfahrungen mit der Blockchain Technologie ein. Er machte deutlich, warum die Blockchain eine passende Technologie für die Lösung des bestehenden Problems ist. So können heutige ERP-Systeme nur schwer mit grösseren EVG umgehen und diese wirtschaftlich abrechnen. Im Anschluss stellte Christian Dürr (WEW) das Projekt Quartierstrom aus Walenstadt vor. Er geht dabei besonders auf die Herausforderungen und die breite Akzeptanz in der Bevölkerung ein. Abschliessend zeigt Alain Brenzikofer (SCS AG) in Bezug auf das gleiche Projekt auf, was dynamische Netztarife bedeuten können und wie in Zukunft mit den Anforderungen zum Datenschutz umgegangen werden kann.

Im Forum B berichtet Marc Steiner (Bundesverwaltungsrichter) über das Schweizer Beschaffungsrecht. So macht sich dieses gerade auf den Weg, sich in der angewandten Maxime vom Preis- zum Qualitätswettbewerb weiterzuentwickeln. Er betonte, dass ordnungspolitische Mantras auf sektorspezifische Anforderungen überprüft werden müssen. Die Themen Nachhaltigkeit, Innovation und Qualität passen nicht zum Preis. Die Ziele des Vergaberechts wären abschliessend (weitere Kriterien nicht erlaubt):
  • Transparenz
  • Wettbewerb
  • Wirtschaftlicher Einsatz öffentlicher Mittel
  • Gleichbehandlung der Anbieter
  • NEU: Korruptionsprävention 
  • NEU: Nachhaltigkeit
Zudem wurde in Forum B anhand mehrerer Beispiele gezeigt, dass die intelligente und vollautomatische Steuerung und Einbindung von dezentralen Speichern (stationäre oder mobile Speicher) in das Energiesystem (inkl. kurzfristigem Algo Trading) heute schon Praxis ist.

Dieser Rückblick wurde von den Tagungsmoderatoren Dr. Jens Bartenschlager (CEO, Fidectus AG) und Benjamin Teufel (Sector Leader „Energy, Mining & Metals“ Switzerland, Ernst & Young Ltd)  verfasst. Zusammen haben die Moderatoren den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Am 19. und 20. März 2020 wird der Anlass sein 10-jähriges Jubiläum feiern. Die Agenda für das Innovationsforum Energie 2020 wird Ende des Jahres veröffentlicht.