Montag, 18. November 2019

Netzbetreiber sollen Elektrifizierung nicht unterschätzen

Die Schweizer Netzbetreiber sollten sich mit einem möglichen Engpass auseinandersetzen. Dies sagte Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze beim Bundesamt für Energie (BFE), bei einer Podiumsdiskussion während des Verteilnetzforums in Zürich. "Die Politik sieht: Die Dekarbonisierung wird zu einer verstärkten Elektrifizierung führen", so Benahmed. "Mehr Elektrifizierung heisst mehr Strom auf unseren Netzen. Das heisst, wir werden langsam an die Grenze der Netze kommen." Elektromobilität und Photovoltaikanlagen seien die Haupttreiber für die Netzplanung, aber man führe noch keinen Engpass. "Wenn man die Dekarbonisierung und das CO2-Gesetz berücksichtigt, könnte dieser Engpass schneller kommen, als wir uns denken", so Benahmed. "Ich glaube, das müsste man mitnehmen." Benahmed sagte auch, er habe am Verteilnetzforum das Gefühl bekommen, dass die Netze komfortabel ausgebaut seien. "Das bedeutet, es gibt keinen Anreiz in Richtung Zusammenarbeit respektive der gemeinsamen Entwicklung von Ideen."

Zuvor hatten sich die drei Branchenvertreter, die ebenfalls an der Diskussion teilnahmen, skeptisch gezeigt, was Kooperationen mit anderen Netzbetreibern anbelangt. "Aufgrund der Eigenschaften der Netze ist eine Fusion sehr schwierig", sagte etwa Adrian Inauen, Mitglied der Geschäftsleitung der SN Energie AG. "Ich kann mir vorstellen, dass auf Vertriebsseite Fusionen eher möglich sind. Aber der Schweizer gibt einfach nicht gerne Eigentum ab." Ähnlich äusserte sich Felix Vontobel, Strategische Projekte und Mandate bei der Repower AG. "Die Netze sind schon sehr speziell", sagte er. "Häufig sind sie auch Instrumente der persönlichen Profilierung. Deshalb sind diese Diskussionen sehr schwierig. In der Produktion, wo ein Stück weit Markt herrscht, sind Kooperationen deutlich einfacher." Und Frank Boller, Präsident des Verwaltungsrates der E-sy AG, stellte fest: "Weitergehende Kooperationen sind in diesem Markt immer noch schwierig, speziell wenn es um die Infrastruktur geht. Ich erwarte nicht, dass es zu grossen Veränderungen kommen wird." Kooperationspotenzial gebe es womöglich dann, wenn der Leidensdruck gross sei oder in Bereichen, in denen mehr Wettbewerb bestehe, zum Beispiel auf der Serviceebene.
 
Netze sollen intelligenter werden

Vontobel erwähnte in diesem Zusammenhang die Produktion. Dort herrsche ein Stück weit Markt, und Kooperationen seien deutlich einfacher. Und Inauen sieht Potenzial in horizontalen Kooperationen: "Dort, wo es um Redundanz geht. Da scheint mir noch einiges möglich zu sein."

Inwieweit Netzbetreiber kooperieren sollen, dazu wollte sich Benahmed nicht äussern. Der Bund sei für die Rahmenbedingungen zuständig, nicht für die Struktur der Branche. Allerdings äusserte Benahmed einen Wunsch, was die Ausgestaltung der Netze angeht: "Wir wünschen uns, dass intelligente Komponenten im Netz integriert werden, obwohl das schwierig ist, und dass das subsidiär geschieht", sagte er. "Sonst besteht die Gefahr, dass die Politik eingreift und zusätzliche Regulierungen bringt, um damit die Intelligenz in den Netzen zu forcieren. Das will die Branche ganz sicher nicht."



(Michel Sutter, Redakteur, energate)

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