Dienstag, 18. Juni 2019

Nachlese Innovationsforum Mobility


Post-fossile Mobilität  \  Roadmap Elektromobilität 2022  \  Merkblatt SIA 2060  \  CO2-Zielvorgaben und Ihre Erreichung  \  E-Autos in Firmenflotten  \  Car Sharing  \  Autonomes Fahren

Am 1. Innovationsforum Mobility vom 4. Juni 2019 beleuchteten zehn hochkarätige Referenten und Diskussionsteilnehmer unter den interessierten Augen und Ohren der rund 60 Teilnehmenden die Breite und Tiefe der aktuellen Herausforderungen, welchen der Mobilitätsmarkt der Gegenwart gegenübersteht. Das anspruchsvolle Tagesprogramm bestand aus den drei Sessions «Herausforderungen und neue Impulse für die Verkehrswende», «Rahmenbedingungen in der Schweiz» und «Erfahrungen aus der Praxis» zu je drei Referaten, mit Fokus auf den Chancen und dem Potenzial aber auch den Schwierigkeiten, welche diese regelrechte Mobilitätsrevolution und Aufbruchstimmung für Industrie, Unternehmer, Politik und auch jeden Einzelnen beinhalten. Die abschliessende Podiumsdiskussion wandte sich dann noch explizit dem autonomen Fahren zu.

Keynote von Dr. Alexander Klose, Aiways Executive Vice President Overseas Operations: «Beitrag von Aiways zur Mobilitätswende»

In seiner Keynote über den «Beitrag von Aiways zur Mobilitätswende» erläuterte Dr. Alexander
Klose, Aiways Executive Vice President Overseas Operations, den Fokus des chinesischen Elektroautobauers bei der Entwicklung und Vermarktung seines ersten serienreifen Produkts. Mit dem komplett in Schanghai, China, entwickelten und in Jiangxi gebauten batterieelektrischen Crossover-SUV U5 will Aiways nicht als Disruptor auftreten, sondern ist sich bewusst, dass es mit seinen 1200 Mitarbeitenden (die Konkurrenz ist oft hundertmal so gross) lediglich einen kleinen, dafür aber nach eigenen Einschätzungen (r)evolutionären Beitrag zur Mobilitätswende leisten kann. Der U5 ist als erschwingliches und verbraucherfreundliches BEV für den europäischen Markt konzipiert. Aiways ist überzeugt, dass die künftige Mobilität elektrisch und multimodal sein wird, kann aber aufgrund der viel zu komplexen politischen, technischen und infrastrukturellen Abhängigkeiten und Unabwägbarkeiten nicht exakt voraussehen, wohin die Entwicklung geht. Da das junge Startup keiner Unternehmenshistorie verpflichtet ist, müssen künftige Produkte auch nicht zwingend BEVs sein, wie bereits der mit einer Methanol-Brennstoffzelle betriebene Versuchsträger Gumpert Nathalie beweist.

Der Aiways U5 wird anfangs mit einer 65-kWh-Batterie bestückt sein, welche, aufgrund des gegenüber vergleichbaren Mitbewerbern geringeren Fahrzeuggewichts von 1700 kg, der Reichweite eines 90-kWh-Akkus bei der Konkurrenz entspreche. Untypisch im E-Auto-Markt will man die Batterie künftig sogar verkleinern, sodass das Fahrzeug höchstens noch 1.5 Tonnen wiegt. Es sei eine «Sache der Erziehung der Kunden», dass der Markt dieses Downsizing akzeptiert, betonte Dr. Klose. Reichweitenangst sei mit dem U5 Vergangenheit, da die Batterie immer eine aktivierbare Restreserve enthalte, mit welcher der nächste Ladepunkt erreicht werden könne. Dort sind dann 50 oder 100 kW Gleichstromladeleistung möglich. Grundsätzlich favorisiert Aiways aber das weniger performante Wechselstromladen zu Hause, da man nie wisse, ob unterwegs ein Charger frei sei. Dennoch entwickelt man in Schanghai einen autonomen Laderoboter für den öffentlichen Raum, welcher pro Tag bis zu 15 E-Autos lädt und so die entsprechende Anzahl dedizierter Ladesäulen überflüssig macht. Wie andere aktuelle Autos tauscht auch der U5 permanent Daten mit dem Mutterhaus aus, was Ferndiagnose, Fernwartung sowie Fernaktualisierung ermögliche und Sharing-Modelle erleichtere.

Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa): «Post-fossile Mobilität –Ein vielschichtiger Ansatz»

In seinem Referat «Post-fossile Mobilität – Ein vielschichtiger Ansatz» betonte Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), dass die zukünftige Mobilität in jedem Fall auch einen Beitrag zur Energiespeicherung leisten müsse. Für die Energieversorgung, primär bestehend aus fossiler Energie, Nuklearenergie und erneuerbarer Energie, würden heute weltweit 6 Trillionen US-Dollar pro Jahr ausgegeben.

Die Menge der durch den Verkehr verursachten CO2-Emissionen verläuft ziemlich exakt dem Verhältnis der Fahrzeuggewichte, welche seit Jahren im Steigen begriffen sind (mehr SUVs, mehr Allradantriebe, stärkere Motorisierungen). Im Schnitt stiessen die 2016 in der Schweiz zugelassenen Autos pro Kilometer 135 g CO2 aus. Um auf die ab 2020 gesetzlich geforderten 95 g CO2/km zu kommen, müssen hohe Anteile an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (HEV, PHEV, BEV, PtGV, FCEV) in Verkehr gesetzt werden. Für die künftige Mobilität ist also nicht (mehr) das Antriebskonzept entscheidend, sondern die Art und Herstellung der benötigten Energie, da bspw. die CO2-Belastung des Stroms einen grossen Einfluss hat (heute fallen für die Produktion einer Kilowattstunde erneuerbarer Energie bis zu 70 g CO2 an). Für die Ermittlung des tatsächlichen Verbrauchswertes sind der Einsatzzweck der Fahrt (Stadt, Überland, Autobahn), die Beladung und die Umgebungsbedingungen (Temperatur, Klimatisierung) zentral. Eine hohe Relevanz haben hierbei die Langstreckenfahrten, indem 30 % der Vielfahrerfahrzeuge für 70 % der CO2-Emissionen verantwortlich sind.

Aktuell fungiert das Ausland im Sommerhalbjahr für die Schweiz noch als eine Art von «Stromspeicher», indem wir unsere 5 TWh Überschussstrom exportieren, um dann eine ähnliche Menge im Winterhalbjahr wieder einzuführen. Dies wird nicht mehr lange so funktionieren, da mit dem europaweiten Ausbau erneuerbarer Energien (PV, Wind) im Sommer überall zu viel Strom anfällt. Es tut also Not, die Überkapazitäten in Form von PtG (Wasserstoff, Methan) lagerfähig zu machen, um sie bei Bedarf dann kontrolliert abrufen zu können. Gemäss dem Sun2035-Szenario von Swissgrid könnten durch Nutzung der Hälfte des im Sommerhalbjahr überschüssigen erneuerbaren Stroms zur Herstellung von synthetischem Treibstoff mehrere 100’000 Fahrzeuge CO2-neutral mit einheimischer Energie betrieben werden.

Abschliessend fasste Christian Bach zusammen, dass eine auf erneuerbarer Energie beruhende Strategie enorme Speicherkapazitäten, Flexibilisierungsoptionen und Energiewandlerkonzepte benötige, welche gleichzeitig mit dem Ausbau der Energieerzeugung realisiert werden müssten. Die CO2-Emissionen können nur bei einem Wechsel von fossiler zu erneuerbarer Energie reduziert werden. Fahrzeuge müssten aber energiesystemdienlich eingesetzt werden, indem bspw. BEVs im Grid auch als Stromzwischenspeicher dienen.



Jan Strobel, Geschäftsführer und Aktionär der Finadvice AG: «Investment Case Elektromobilität»

Dass die Elektromobilität aus Finanzinvestorensicht kein Systemwechsel sei, sondern lediglich eine Weiterentwicklung der Individualmobilität, illustrierte Jan Strobel, Geschäftsführer und Aktionär der Finadvice AG, in seinem Referat «Investment Case Elektromobilität». Allerdings verändere die E-Mobilität die Energieversorgung und Infrastruktur aus allen Perspektiven, da sie schneller wachse als alle Prognosen dies vorausgesagt hatten (in den ersten vier Monaten 2019 waren 10 % aller Neuanmeldungen in der Schweiz Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, die Hälfte davon elektrisch). Für das weitere Wachstum der E-Mobilität ist die TCO entscheidend, wobei hierbei die Kurzstrecken heute schon attraktiv sind. Die E-Mobilität galt bislang als Risikoinvestition, obwohl Teile davon (z.B. die Ladeinfrastruktur) durch Regulierung zu Teilen der allgemeinen Strasseninfrastruktur werden. Investoren wollen aber Wirtschaftlichkeit, Investitionssicherheit und kalkulierbare Investitionszyklen, was u.a. durch fehlende Standards (Stecker, Eichung, Messung) erschwert wird. Ein De-Risking und somit ein Einstieg von Infrastrukturinvestoren, wird nur durch klare Geschäftsmodelle mit langfristiger Regulierung und einer stabilisierten Umsatzstruktur mittels Wettbewerbs erfolgen. Schlussendlich müssen alle Konzepte Kundenbedürfnisse befriedigen und der Fokus auf urbane Zentren sowie das Autobahnnetz gelegt werden.

Die E-Mobilität wir die Regulierung von Ländern, Städten und internationalen Organisationen massgeblich vorwärtstreiben. Autohersteller und EVUs treten in direkten Wettbewerb, wobei der Schwerpunkt in der Ergänzung des ÖVs liegt. Auch Ride-sharing und -Pooling werden den Mobilitätsmarkt mit neuen Konzepten aufmischen, wobei die autonomen Fahrzeuge dabei die wirkliche Revolution darstellen; ein Zeitplan bis zum autonomen Fahren ist allerdings noch nicht erkennbar. Dennoch können EVs bis Mitte der 2020er-Jahre im Individualverkehr mit konventionellen Fahrzeugen vergleichbare TCOs aufweisen. Gewerbliche Nutzfahrzeuge werden im urbanen Bereich auf Elektro- oder Hybridantriebe umstellen, während der Schwerlast- und Langstreckenverkehr Gasmotoren (CNG, LNG, H2) bevorzugen wird. Die Bewertung von Projekten muss individuell erfolgen, da die Automotive-Branche im Umbruch ist und weder die Gewinner noch die Verlierer bisher klar feststehen. Nur volles unternehmerisches Risiko wird schlussendlich ca. sechs bis acht führende Player hervorbringen. Beim Aufbau einer umfassenden Ladeinfrastruktur werden Ausschreibungen und langjährige Konzessionen die Risikoaufschläge senken.

Volker Fröse, Stabschef Verkehr im Bundesamt für Strassen (Astra): «Roadmap Elektromobilität 2022 – Stand der Umsetzung»

Auch beim Bundesamt für Strassen (Astra) weiss man, dass die E-Mobilität kommt, und dies vermutlich schneller und früher als bisher angenommen. Somit muss auch der Ausbau erneuerbarer Energien mit dieser Entwicklung Schritt halten. Wo die Schweiz bezüglich der Umsetzung der E-Mobilität steht, erläuterte Volker Fröse, Stabschef Verkehr im Bundesamt für Strassen (Astra), mit seinem Referat «Roadmap Elektromobilität 2022 – Stand der Umsetzung». Bei der Anzahl elektrifizierter Fahrzeuge (2018 wurden über 5000 BEVs, gute 4000 PHEVs und ein paar Hundert EVs mit Range Extender immatrikuliert, was bei den EVs einen Marktanteil von 3.2 % darstellt) hat die Schweiz Länder wie Deutschland und Frankreich aktuell bereits überholt und ist auch sonst vorne mit dabei, obwohl hierzulande keine Anreize mittels Kaufprämien geboten werden. Bis 2022 sollen 15 % aller neu in Verkehr gesetzten Autos EVs sein, anders können die vorgeschriebenen CO2-Werte nach NEFZ (2020: 95 g/km, 2025: ca. 81 g/km, 2030: ca. 60 g/km) nicht erreicht werden. Damit übertrifft das Astra sogar das von auto-schweiz, der Vereinigung Schweizer Automobilimporteure, selbst gesetzte Ziel von 10 % EVs im 2020. Das ehrgeizige Ziel kann in der Schweiz nur durch Bewirtschaftung der drei Aktionsfelder «Erfolgreiche Marktentwicklung der Fahrzeuge», «Optimale Ladeinfrastruktur» und «Rahmenbedingungen und Anreize» erreicht werden.

Die Roadmap 2022 ist ein Prozess, kein Top-down-Masterplan, welcher von den Initiativen und dem Engagement der Beteiligten durch Agilität und kurze Kommunikationswege lebt. Mit der Roadmap 2022 konnte ein umfangreiches, breit abgestütztes Paket zur Förderung der E-Mobilität in der Schweiz geschnürt werden. Die aktuell gut 50 Akteure organisieren sich selbst, der Bund übernimmt im Rahmen seiner Möglichkeiten die Rolle eines unabhängigen Koordinators und kann vielversprechenden Projekten auch Starthilfe geben. Ein grosses Mammutvorhaben ist dabei ist die Ausrüstung der 62 Raststätten und 100 Rastplätze mit Schnellladestationen für Steckerfahrzeuge, welche durch fünf Gesellschaften mit Bewilligungen auf 30 Jahre hinaus geleistet wird. Die unterschiedlichen Anbieter werden dabei schweizweit verteilt agieren, sodass bei Wegfall eines Suppliers keine Versorgungslücke entstünde, sondern lediglich eine temporäre Ausdünnung der Versorgung.

Des Weiteren entwickelt der Bund innerhalb der Roadmap 2022 die App «Nationale Daten-Infrastruktur Elektromobilität (Diemo)», erstellt Ladestationen in Bundesgebäuden, führt grün markierte Park- und Ladeflächen für EVs ein, bewilligt eine Auflastung von 3.5 auf 4.25 Tonnen von leichten (Nutz-)Fahrzeugen mit Elektroantrieb, verzichtet auf den Automateneintrag im Führerausweis, sodass Fahrschüler bereits in Fahrschulen ans elektrische Fahren herangeführt werden können, erstellt dynamische Echtzeitsignale der freien Ladeplätze auf Raststätten sowie Rastplätzen und verzögert die Einführung der E-Abgabe für EVs.


Jules Pikali, Inhaber der OekoWatt AG und Präsident der Kommission 2060 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA): «SIA 2060: Unser Beitrag für mehr Planungs- und Investitionssicherheit»

Jules Pikali, Inhaber der OekoWatt AG und Präsident der Kommission 2060 des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA), referierte zum Thema «SIA 2060: Unser Beitrag für mehr Planungs- und Investitionssicherheit» im Bauwesen im Hinblick auf die E-Mobilität. Das Ziel des Merkblattes SIA 2060 ist die Schaffung von einheitlichen Begrifflichkeiten und fachlichen Grundlagen, von Planungssicherheit, von Dimensionierungsgrundlagen und der Sicherstellung, dass Infrastrukturen dem Marktbedürfnis entsprechen. Die E-Mobilität und damit die Erstellung der notwendigen Infrastrukturen, muss heute bereits im normalen Planungsprozess neuer Bauten berücksichtigt werden. Batterien von EVs müssen kontinuierlich bewirtschaftet werden, was ein konsequentes Einstecken zu Hause bedeutet. Dadurch dürfen aber beim Parkieren keine besonderen Risiken und Gefahren entstehen. Und auch die Leistungsbewirtschaftung ist eine zentrale Aufgabe, wozu das Merkblatt SIA 2060 konkrete quantitative Vorgaben macht (minimal sollen in Gebäuden bspw. 16 % aller Parkplätze mit einer Wallbox ausgerüstet sein, Zielwert ist 20 %). Den Planern steht hierzu online der SIA2060Configurator zur Verfügung. Weiter müssen im Planungsprozess die Elektrizitätsbeschaffung (allenfalls inkl. Eigenstromerzeugung), die Leistungsbewirtschaftung im Gebäude mit bi-direktionalem Betrieb (im aktuellen Merkblatt noch nicht vorgesehen, soll aber in der nächsten Revision kommen), die Organisation der Nutzer und die Beschriftung der Parkplätze berücksichtigt werden. Das Merkblatt SIA 2060 soll Ende 2019 publiziert werden, und das Ziel ist es, so Pikali, dass es schlussendlich zur Norm erklärt wird.

Christoph Wolnik, PR-Verantwortlicher und Mediensprecher von auto-schweiz: «CO2-Zielvorgaben und Ihre Erreichung: Auf dem Weg zu ‹10/20›»

Wie die Vereinigung Schweizer Automobilimporteure die gesetzlichen CO2-Limiten zu erreichen gedenkt erläuterte Christoph Wolnik, PR-Verantwortlicher und Mediensprecher von auto-schweiz, in seinem Referat «CO2-Zielvorgaben und Ihre Erreichung: Auf dem Weg zu ‹10/20›». CO2 gilt als neue Weltwährung, indem sich ihr Einfluss auf das Bruttoinlandprodukt in kg CO2/USD beziffern lässt (2014: Welt 0.44, EU 0.18, Schweiz 0.06). Die Reduktion der CO2-Emissionen bewegt sich im Dreieck aus Vorschriften (Vorgaben, Sicherheit, Schadstoffe), Technik (Machbarkeit, R&D, Antriebsarten, Trends) und Markt (Preis, Design, Konkurrenz, Kundenwünsche, Leistung). In der EU und der Schweiz gelten seit Mitte 2012 verbindliche CO2-Vorschriften: für PW 130 g/km, 2020–2024: 95 g/km, für NFZ 2020–2024: 147 g/km. 2025 werden diese Werte für alle Fahrzeuge nochmals um 15 %, und ab 2030 für PW um 37.5 % und für NFZ um 31 % gesenkt. Von 2020 bis 2023 erfolgt die Einführung der neuen CO2-Grenzwerte in der Schweiz via ein Phasing-in, in der EU müssen bereits 2021 alle Grenzwerte erreicht sein. Hocheffiziente Fahrzeuge mit unter 50 g CO2/km dürfen der Flotte bis 2023 in Form von Supercredits sogar mehrfach angerechnet werden. Obwohl der CO2-Ausstoss neuer PW in der Schweiz zwischen 1996 und 2016 um 36.5 % von 211 auf 134 g/km abgenommen hat, ist seither wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen, was auf die sinkende 2 über dem Zielwert pro Fahrzeug mit 111 Franken an Sanktionszahlung zu Buche schlägt. Ein Importeur, welcher 2019 also 7500 PW mit 135 g CO2/km (entsprechend 5 g Zielüberschreitung) auf dem Schweizer Markt gebracht hat, bezahlt dafür knapp 4.2 Mio. Franken Strafe. Dieser Effekt lässt sich bspw. durch Pooling abfedern, indem sich ein Hersteller von Autos über dem Grenzwert mit einem von sauber(ere)n Autos zusammentut, um so eine Mischrechnung vorlegen zu können (FCA zahlt bspw. Tesla Motors grosse Summen für diesen CO2-«Trick»).

Nachfrage nach Dieselmotoren als Reaktion auf den VW-Dieselskandal im Herbst 2015, sowie die kontinuierliche Zunahme von Allradantrieben und die steigenden Fahrzeuggewichte zurückzuführen ist. Die Änderung des Prüfverfahrens der Verbrauchsmessung vom bisherigen NEFZ auf das neue, strengere WLTP hat alle Autos auf dem Papier schlagartig «schmutziger» gemacht. Fairerweise müssten nun auch die Grenzwerte entsprechend angepasst werden, da jedes Gramm CO

Auto-schweiz hat sich ja selbst das Branchenziel gesteckt, dass im 2020 der Anteil an EVs in der Schweiz 10 % betragen soll, was nebst dem zusätzlichen Wachstum bei anderen alternativen Antrieben als beste Lösung zur Erreichung der CO2-Zielwerte gesehen wird. «10/20» ermöglicht zudem eine positive Kommunikation über das CO2-Thema. Das Beratungsbüro EBP schätzt, dass in der Schweiz ca. 2035 gleich viele EVs verkauft werden, wie solche mit Verbrennungsmotor. Um aber um «10/20» zu erreichen, bedarf es einer grossen Auswahl an Modellen mit alternativen Antrieben, einer breiten Unterstützung seitens des Bundes, der Kantone und der Gemeinden, privater Investitionen für Lade- und Tankinfrastruktur sowie der Beibehaltung der geplanten Einführungsmodalitäten. Am Kunden sollte es nicht liegen, könnten sich doch 53 % der befragten Konsumenten vorstellen, in zwei bis zehn Jahren ein EV anzuschaffen. Dies gilt für Privatkunden, in Flotten dominiert weiterhin der Diesel; Gas und Elektro bilden noch die Ausnahme.

Martin Erb, Direktor der Alphabet Fuhrparkmanagement (Schweiz) AG: «Elektrofahrzeuge in Firmenflotten – Eine Bestandsaufnahme»

Nahtlos führt Martin Erb, Direktor der Alphabet Fuhrparkmanagement (Schweiz) AG, in seinem Referat «Elektrofahrzeuge in Firmenflotten – Eine Bestandsaufnahme» die Erkenntnisse von auto-schweiz betreffend der Zusammensetzung der Antriebsarten in Firmenflotten fort. Die Alphabet Fuhrparkmanagement AG betreut weltweit 700'000 Fahrzeuge (8000 in der Schweiz) und weiss, dass sich Flottenkunden nur für EVs entscheiden, wenn es für sie ökonomisch Sinn macht. Bei ihnen gilt das Zitat aus der Dreigroschenoper: «Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral». Trotz einer Auswahl von rund 11‘000 verfügbarer Fahrzeugvarianten über alle Antriebsarten hinweg, finden sich in den für Flottenbetreiber relevanten vier Bereichen «Premium», «Kombi+», «Budget» und «LCV» nur gerade 158 valable Steckerfahrzeuge, gegenüber 9622 Modellen mit konventionellem Antrieb. Bei einem TCO-Vergleich über 48 Monate mit 25'000 km/Jahr und exkl. der Verkehrssteuern schneiden die Alternativen, heruntergerechnet auf die Kosten pro Kilometer, aktuell schlechter ab als die Konventionellen. Diese höheren Kosten, plus gewisse funktionale Einschränken und die limitierte Fahrzeugauswahl lässt die meisten Flottenbetreiber weiterhin zum Verbrenner greifen. Gleichwohl zeigt eine Potenzialanalyse, dass unter gewissen Umständen 85.3 % einer Flotte elektrifiziert werden könnte, was zu einer Reduktion der lokalen CO2-Emissionen um 81 % führen würde, während sich die Gesamtbetriebskosten lediglich um 6 % erhöhten. Anstatt nun aber praktisch die gesamte Flotte (85.3 %) auf einmal auf «Grün» umzustellen, bewährt sich ein Schritt-für-Schritt-Austausch nur der regulär auslaufenden Fahrzeuge mit den passenden EVs besser (48 %). Noch konservativer könnten auch nur diejenigen regulär auslaufenden Fahrzeuge durch EVs ersetzt werden, bei denen gleichzeitig auch wirklich eine Kosteneinsparung realisiert wird (22.7 %).

In Zukunft siehts für Flottenkunden aber zunehmend positiver aus, da die Fahrzeugauswahl signifikant ansteigt, die Ladeinfrastruktur sukzessive ausgebaut wird und sich so die TCO der EVs denjenigen der Konventionellen annähern. Als Unsicherheitsfaktoren bleiben aber weiterhin nicht voraussehbare regulatorische Eingriffe, wohin die anderen alternativen Antriebe (H2, PtG) gehen und wie sich das Konsumentenverhalten entwickeln wird.

Dr. Alois Freidhof, Leiter Produktmanagement Mobilität bei Energie360° AG: «Chancen von free-floating Car Sharing für den Stadtverkehr»

Dass unsere Fahrzeuge mit durchschnittlichen Standzeiten von 23 Stunden pro Tag in Wirklichkeit Stehzeuge sind, dürften viele Autpobesitzer schon einmal gehört haben, oder dann vermuteten sie es. Dr. Alois Freidhof, Leiter Produktmanagement Mobilität bei Energie360° AG, erläutert in seinem Referat die «Chancen von free-floating Car Sharing für den Stadtverkehr» und wie dies den Verkehrsinfarkt in unseren Städten abdämpfen könnte. Das free-floating Car Sharing kann als ergänzendes Mobilitätsangebot im urbanen Umfeld für Reisedistanzen zwischen fünf und zehn Kilometern angesehen werden. Anders als das Car Sharing mit Fahrzeugen an definierten
Standplätzen (bspw. Mobility), bewegen sich «freischwebende» Autos gemeinsam mit ihren Fahrern und können an beliebigen Orten wieder zurückgelassen werden. Die Nutzer registrieren sich dazu in der App des Anbieters und können fortan ihr benötigtes, nächstgelegenes Fahrzeug online reservieren, nach kurzem Fussmarsch übernehmen, fahren, beim Zielort parkieren, den Mietvorgang abschliessen und die entsprechende Belastung direkt online abbuchen lassen. Aktuell dominiert bei den Shared Cars in Deutschland in 740 Städten mit 11'000 Fahrzeugen noch das stationsbasierte Modell, während in sieben Grossstädten erst 9000 Fahrzeuge (davon 1000 elektrisch) free-floating zur Verfügung stehen. Insgesamt machen geteilte Fahrzeug bisher nur 0.04 % des Fahrzeugbestands aus. Share Now, der weltweit grösste free-floating-Anbieter, verfügt in 31 Städten der USA, Kanadas und Europas über 20'000 Fahrzeuge (3200 elektrisch), welche von vier Mio. Menschen genutzt werden. In der Schweiz gibt es 3090 Mobility-Autos mit 200'000 Kunden, 250 free-floating-Autos in Genf und Basel von Catch a Car (ebenfalls von Mobility betrieben) und dann noch rund 1800 Peer-to-Peer-Autos von Sharoo.

Mit free-floating Car Sharing könnte den grössten Herausforderungen im heutigen Stadtverkehr die Spitze gebrochen werden: durch Bevölkerungszuwachs steigende Staus, zunehmender Parkplatzsuchverkehr, massive Raumknappheit/Platzverschwendung durch Parkplätze, schlechtere Luft, mehr Lärm. Die Lebensqualität der Bewohner würde markant ansteigen. Car-Sharing-Nutzer sind allermeistens auch ÖV-Nutzer, sodass sich diese beiden Mobilitätsarten ergänzen. Generell muss ein Umdenken zu multimodaler Nutzung und zum Teilen stattfinden, eine Abwendung also von privat besessenen Fahrzeugen, sodass die knappe Infrastruktur besser genutzt wird. In Basel allein werden durch die 150 free-floating Autos von Catch a Car 175 t CO2/Jahr eingespart. Jeder zehnte Kunde würde sich ein Auto anschaffen, wenn es Catch a Car nicht mehr gäbe, und 6 % der Kunden haben deswegen sogar ihren Fahrzeugbestand reduziert. In Wien, Österreich, werden dank Car Sharing pro Jahr sogar 7000 t CO2 eingespart. Car Sharing geht vor allem zulasten des Privatautos und der Taxis, nicht aber des ÖVs. Es gilt als eine Art «Mobilitätsversicherung» für jene Fahrten, die ohne PW nicht durchgeführt werden könnten.

Car Sharing unterstützt die Verkehrsziele moderner Städte und muss ein gewünschter Modus ihrer Verkehrsstrategien werden. Zur Förderung von free-floating Car Sharing müssen ein geeignetes Parkplatzreglement mit akzeptablen Preisen und eine entsprechende Ladeinfrastruktur sichergestellt werden. Eine Ergänzung und Erweiterung zu den free-floating Shared Cars wären in einem nächsten Schritt dann autonome Robo-Taxis, welche mittelfristig die Kosten für urbane Mobilität sogar nochmals senken würden. Hier kämen dann (automatisierte) Flottendienste in grossem Umfang zum Zuge, vorausgesetzt entsprechende Fahrzeuge stehen zur Verfügung.

Andreas Aeschlimann, Leiter Geschäftsentwicklung Club beim Touring Club der Schweiz (TCS): «Auswirkungen der neuen Mobilitätsformen in der Praxis – Beispiel TCS»

Als anno 1896 der TCS zur Unterstützung von Radtourenfahrern ins Leben gerufen worden ist, hätte niemand die Mobilitätsentwicklung des 21. Jahrhunderts voraussehen können. Welche Herausforderungen und vor allem welches Potenzial hier entstanden sind, beleuchtet Andreas Aeschlimann, Leiter Geschäftsentwicklung Club beim Touring Club der Schweiz (TCS), im abschliessenden Referat des 1. Innovationsforums Mobility «Auswirkungen der neuen Mobilitätsformen in der Praxis – Beispiel TCS». Die heutigen rund 1.5 Mio. TCS-Mitglieder profitieren, nebst dem bestens bekannten traditionellen Kerngeschäft, der Pannenhilfe durch die Patrouilleure, von den mannigfaltigen Dienstleistungen des TCS: Fahrtrainings, Fahrzeugprüfungen, Fahrzeug-, Reise- und Rechtsschutzversicherungen, weltweite medizinische Transporte sowie Fahrrad-, Freizeit- und Reiseangebote. Aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung des Fahrzeugbestandes in der Schweiz und der damit einhergehenden abnehmenden Pannenanfälligkeit aufgrund viel einfacherer mechanischer Konstruktionsweisen mit weniger beweglichen Teilen, nimmt das Umsatzvolumen aus der Pannenhilfe beim TCS kontinuierlich ab. Und obwohl die häufigsten Pannen unterwegs Reifen, Schlüssel und die 12-V-Batterie betreffen, Komponenten, die auch in jedem E-Auto vorhanden sind, müssen dennoch neue Geschäftsfelder erschlossen werden, welche zudem auch dem Bevölkerungswachstum, der längeren Mobilität im Alter sowie den veränderten Mobilitätsgewohnheiten der Jungen Rechnung tragen.

Im Sharing-Bereich ist der TCS mit Carvelo2Go und Ride2Go aktiv, und die App Car Assistant erlaubt ein vorausschauendes Monitoring des Autos (bspw. der Batterie) zur Verhinderung von Ausfällen, bevor sie überhaupt passieren. Aeschlimann bricht etwaigen Einwänden hierzu gleich selbst die Spitze und meint verschmitzt: «Bevor uns ein anderer aus dem Markt drängt, machen wir dies mit unserer App lieber gleich selbst!». Natürlich wird dies nicht passieren, denn die App eröffnet gleichzeitig wieder neue Geschäftsfelder, indem die präemptive Wartung auch zu neuem, vorgezogenem Business in Form von Wartung und Service führen kann. Zudem werden das abnehmende Pannenvolumen unterwegs durch neue Pannenarten bspw. zuhause in Form von Problemen mit der Wallbox bzw. deren Wartung oder gleich Erstinstallation durch einen TCS-Installateur abgefedert. Und bleibt ein E-Auto dennoch einmal wegen leerer Batterie liegen, könnte künftig ein TCS-Patrouilleur mit dem Clevertrailer vorfahren, einem selbst entwickelten, mobilen Ladeakku-Anhänger, welcher dem gestrandeten Stromer innert einer Viertelstunde wieder Energie für 20 km Fahrt zur nächsten Schnelladestation spendieren kann. Wo diese liegt, kann der Fahrer in der TCS-eigenen eCharge-App bequem abrufen und dann auch gleich damit bezahlen. Aber auch die Pannenhilfe an (öffentlichen) Ladesäulen wird künftig zu den Einsatzarten der Patrouilleure gehören. So lange der traditionsreiche Touring Club der Schweiz so kreativ auf die sich ändernden Mobilitätsanforderungen reagiert ist ihm sicherlich noch ein langes Weiterbestehen beschieden.

Podiumsdiskussion: «Konvergenz von Mobilität und Technologie – Wie sieht es eigentlich mit dem autonomen Fahren aus?»

Teilnehmer: Marco Piffaretti, Gründer Protoscar sowie Bereichsleiter Mobilität und Mitglied der Geschäftsleitung Energie360° AG (3. v. l.), Martin Erb (1. v. l.), Volker Fröse (2. v. l.) und Christoph Wolnik. Moderation: Peter Rohrer, Fachjournalist und Redaktor Automotive.


Nach den vielfältigen Referaten des Tages haben sich die Diskussionsteilnehmer spontan dazu entschlossen, das Podium in den Fokus des autonomen Fahrens zu stellen, da dieses bis zu jenem Zeitpunkt noch wenig beleuchtet worden war. Der Moderator eröffnete die Diskussionsrunde mit der grundsätzlichen Frage, welche Hürden von den heute operationell Level-2-fähigen Fahrzeugen (Abstandstempomat, Spurhalteassistent, Stauassistent, Überholassistent) bis zu einem realweltlichen Level 4 oder 5 (vollständige, vollzeitige, sogar unbeaufsichtigte Autonomie in jeder Verkehrs- und Wetterlage sowie Örtlichkeit) noch zu meistern seien. Das Plenum befasste sich anschliessend mit Fragen der Wünschbarkeit des autonomen Fahrens aus Sicht der unterschiedlichen Anspruchsgruppen (Privatpersonen, Gesetzgeber, Industrie, Gewerbe) sowie gesetzlichen, haftungs- und versicherungstechnischen Argumenten.

Die Podiumsdiskussion, mehrfach mit Einbezug von Voten aus dem Publikum, zeigte deutlich auf, dass eine vollständige und flächendeckende Einführung des autonomen Fahrens schon nur in der Schweiz plus den umliegenden, vergleichsweise hochtechnisierten Ländern, eine kaum zu bewältigende Herausforderung darstellen wird. Der Knackpunkt ist die bis mehrere Jahrzehnte dauernde Übergangsphase des Mischverkehrs der Koexistenz von Fahrzeugen ohne jegliche Automatisierung bis zu (später einmal) vollautonomen Vehikeln. Vollständige Autonomie können Fahrzeuge nur mit kontinuierlicher, enger Kommunikation untereinander (V2V) und mit der Infrastruktur (V2I) über ein hochpotentes und hochverfügbares (5G-)Internet bewerkstelligen. Aus eigener Kraft, wie heutige Autos ihr bescheidenes Autonomielevel 2(+) realisieren müssen, wird es in absehbarer Zeit kaum möglich sein, jede Verkehrssituation sicherer als der durchschnittliche menschliche Autofahrer zu meistern. Genau dieses Qualitäts-Level ist aber die Schwelle, ab welcher selbstfahrende Fahrzeuge aus Sicht des Gesetzgebers zugelassen werden könnten. Der Vorschlag, den autonomen Autos in Städten und auf Autobahnen eine eigene, abgegrenzte Fahrspur zuzuteilen, sodass sie sich nur mit einer vereinfachten (Labor-)Umwelt konfrontiert sähen, macht mit Blick auf die knappe Ressource Raum auch keinen Sinn. Damit würde ja ein Hauptvorteil des autonomen Verkehrs, dass damit nämlich der spärliche Platz effizienter ausgenutzt werden könnte, ad absurdum geführt und sogar ins Gegenteil verkehrt. Und wenn man den Autonomen dedizierte Bereiche reserviert, dann kann man genauso gut mit der Bahn, dem Tram oder dem (Trolley-)Bus fahren, denn diese Transportgefässe funktionieren bereits jetzt nach genau diesem Prinzip. Ob dann vorne noch ein menschlicher Fahrer den Betrieb steuert oder nicht, spielt im Endeffekt kaum eine Rolle. Das autonome Fahren wird also wohl noch eine ganze Weile ein (inzwischen) zwar liebgewonnenes und mantramässig beschworenes, aber gleichzeitig kaum zu bändigendes Steckenpferd der Theoretiker und Technokraten bleiben. Obs uns in absehbarer Zeit im normalen (Mobilitäts-)Alltag markant tangieren wird, darf aktuell sicherlich noch getrost in Frage gestellt bleiben.


Dieser Rückblick wurde vom Tagungsmoderator Peter Rohrer, Fachjournalist und Redaktor Automotive, verfasst, welcher den hochkarätigen Referaten, den Publikumsdiskussionen und der abschliessenden Podiumsdiskussion einen professionellen Rahmen gegeben hat. Dies, das ausgezeichnete Networking und die tolle Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg dieser ersten Ausgabe des Innovationsforums Mobility ab.

Die Agenda für das Innovationsforum Mobility 2020 wird Ende dieses Jahres bekanntgegeben.


GLOSSAR

BEV: Battery Electric Vehicle
CNG: Compressed Natural Gas
CO2: Kohlenstoffdioxid
EVU: Energieversorgungsunternehmen
FCEV: Fuel-cell Electric Vehicle
g: Gramm
H2: Wasserstoff
HEV: Hybrid Electric Vehicle
km: Kilometer
kW: Kilowatt
kWh: Kilowattstunde
LCV: Light Commercial Vehicle
LNG: Liquefied Natural Gas
NEFZ: Neuer europäischer Fahrzyklus
NFZ: Nutzfahrzeug
ÖV: Öffentlicher Verkehr
PHEV: Plug-in-Hybrid Electric Vehicle
PtGV: Power-to-Gas Vehicle
PV: Photovoltaik
PW: Personenwagen
R&D: Research & Development
TCO: Total Cost of Ownership
USD: US-Dollar
V2V: Vehicle-to-Vehicle
V2I: Vehicle-to-Infrastructure
WLTP: Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure

Dienstag, 21. Mai 2019

Nachlese BI & Analytics Agenda 2019

Die grosse Bandbreite der Praxisvorträge auf der 7. Jahrestagung „BI & Analytics Agenda“ zeigte vor allem eines: Unternehmen aus verschiedensten Branchen befassen sich mit der Auswertung ihrer Daten, mit dem Ziel Mehrwert zu generieren. Dabei sind sie naturgemäss unterschiedlich weit fortgeschritten. Doch ob ein Reporting-Projekt, Planung oder Predictive Analytics – für alle ist die Datenqualität von hoher Relevanz.


Der Technologie-Trendforscher Moshe Rappoport griff das Thema direkt in seiner Keynote unter dem Kürzel GIGO (garbage in - garbage out) auf und argumentierte, dass die Qualität des Ergebnisses immer von der Qualität der Daten abhängt. Zudem schlüsselte er den Begriff Business Intelligence auf in Artifical Intelligence und Common Sense Intelligence: BI = AI + CI stellt klar, dass die künstliche Intelligenz immer einer menschlichen Intelligenz bedarf und rief dazu auf, den menschlichen Verstand einzusetzen und Erwartungsmanagement bezüglich der IT-Lösungen zu betreiben.

Die Praxisvorträge von Basler Versicherungen, der Griesser AG, der Helbling Gruppe, der Battaillard AG und von Seven Senders machten anschaulich deutlich, in welch unterschiedlichen Stadien die Unternehmen stehen und welchen Herausforderungen sie sich bei der Toolauswahl, -integration und Projektumsetzung stellen müssen.  Ergänzend dazu stellte sich die BI Software Cubeware vor. Unsere Nachricht an dieser Stelle an alle Interessierten: Starten Sie ihr Projekt und sammeln selbst Erfahrung zu Datenqualität, Umsetzung und Nutzen in Ihrem Unternehmen.

Der Vortrag "Top Analytics Trends 2019" von Herbert Stauffer, Geschäftsführer BARC Schweiz, bestätigte das Topthema Datenqualität und den Trend zur datenzentrierten Unternehmung. Internes und externes Datenpotential sollte zukünftig besser ausgeschöpft werden. Der Vortrag basierte unter anderem auf der Studie "BI Trend Monitor 2019" mit rund 3.000 Antworten von Anwendern, die nach Registrierung unter https://barc.de/docs/bi-trend-monitor-2019 kostenfrei erworben werden kann.

Herr Balogh, Chef des Bereichs Analyse und Entwicklung der Stadtpolizei Zürich stellte in der zweiten Keynote “Predictive Policing“ vor. Hier werden mittels fortgeschrittener Analyse Vorhersagen getroffen, wo kriminelle Taten stattfinden könnten. Das Präventionstool wertet Daten aus und bewertet sie in Kombination mit Expertenwissen. Ziel ist die Reduktion an tatsächlichen Einbrüchen durch die effektive Steuerung der Einsatzkräfte. Also ein System, mit dem sichergestellt werden soll, dass sich die Polizisten zur richtigen Zeit am richtigen Ort befinden. Noch ist dieses System relativ am Anfang seiner Entwicklung und es muss sicherlich überprüft werden, ob sich hierdurch nicht nur eine Verlagerung der Verbrechensorte in andere Kantone ergibt.
Am Nachmittag wurde im Rahmen des World-Cafés an fünf verschiedenen Thementischen diskutiert und Fragen beantwortet. Das Angebot wurde von vielen Teilnehmern genutzt. Ebenfalls gut besucht wurde die Begleitausstellung.

Mit 13 Ausstellern und über 140 Teilnehmern war die 7. Durchführung der Veranstaltung sehr erfolgreich.

Die 8. Jahrestagung "BI & Analytics Agenda 2020" wird am 20. Mai 2020 im Zürich Marriott Hotel stattfinden. Am Vortag werden wieder ganztätige Seminare und Workshops zu unterschiedlichen Themen angeboten. Reservieren Sie sich jetzt schon die Termine!

Montag, 15. April 2019

Nachlese Innovationsforum Energie 2019


Das 9. Innovationsforum Energie vom 4. und 5. April 2019 hat ein weiteres Mal eindrücklich bewiesen wie stark es sich durch die Adressierung neuer Themen von anderen Branchenveranstaltungen unterscheidet. Internationale sowie nationale Referenten haben Einblicke in künftige Technologien und Entwicklungen gegeben. Aus dem Kreis der rund 180 Teilnehmer wurden zahlreiche Beispiele konkreter Praxiserfahrungen mit zum Teil schon wirtschaftlichem Einsatz diverser Technologien vorgestellt. Es wurde deutlich, dass die Schweizer Energiewirtschaft künftigen Entwicklungen positiv und mit Tatendrang gegenübersteht.

Zukunftsforscher Lars Thomsen hat den ersten Tag mit disruptiven Opportunitäten der kommenden 600 Wochen eingeleitet. Gemäss seinen Ausführungen passiert all das, was wir uns in unseren Köpfen vorstellen können. So haben sich beispielsweise vor 600 Wochen Einzelne den Siegeszug des iPhone vorgestellt, andere hingegen diese Disruption deutlich unterschätzt. «If a trend becomes obvious, your are too late.» Zusätzlich führt er aus,dass wir alle Zukunftsforscher sind und Szenarien nutzen um die Zukunft vorherzusehen. Er erläuterte die folgenden 7 Megatrends:
  1. In 1 bis 2 Jahren wird das Ende der maschinellen Dummheit durch die Verbreitung von IoT erreicht.
  2. In 5 Jahren hat jeder von uns einen persönlichen (elektronischen) Assistenten. 
  3. In 2-3 Jahren werden wir uns humanoide Roboter als Butler leisten können, ein Markt für die Erledigung von 80% der Haushaltsaufgaben, welcher die Grösse des heutigen Automobilmarkts erreichen könnte. 
  4. Der Tipping-Point bei E-Mobilität ist bereits erreicht. So führte erstmals die Schweizer Zulassungsliste von Neuwagen ein Elektrofahrzeug an. 
  5. Künftige Geschäftsfelder der „Versorgung“ werden auch im erweiterten Feld des Gesundheitswesens beispielsweise mit Sicherheitsleistungen für ältere Menschen im privaten Umfeld liegen. 
  6. Der Herausforderung einer wachsenden Weltbevölkerung und speziell deren Bedürfnis nach Nahrung könnte das „Vertical Farming“ eine Lösung bieten, welches sich wiederum mit seinem grossen Strombedarf zu einem wichtigen Geschäftsfeld für Energieunternehmen entwickeln könnte. 
  7. Es wird einen Mangel an Menschen geben, die sich Dinge vorstellen können, Dinge ausprobieren und vernetzt denken.
Passend dazu hat im Anschluss Lior Sethon als Repräsentant des Weltmarktführers für autonomes Fahren und intelligente Fahrassistenzsysteme Mobileye angekündigt, dass im Jahr 2022 das weltweit erste vollautonome „Robo-Taxi“ in Tel Aviv eingesetzt werden wird. Durch die für das Geschäftsmodell notwendig zu erhebenden Daten von Verkehr, Strassen(-zuständen), Signalen, Personen, etc. werden sich weitere Nutzungsfelder für Drittanbieter ergeben, welche von diesen Echtzeitdaten profitieren können (Stadtentwicklung, Strassenbau, etc.). Ein interessantes Feld für Versorger der öffentlichen Hand.

Bereits inspiriert durch die ersten Vorträge, hat Lex Hartmann, ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied der TenneT, und neu Vorsitzender der Geschäftsführung von Ubitricity die Teilnehmenden zu mehr „exponentiellem Denken“ aufgefordert. Es sei wichtig, in grossen Dimensionen und mehr als einen Schritt voraus zu denken, um von den künftigen Entwicklungen profitieren zu können. Zur Netzsituation in Deutschland führte er aus, dass derzeit nur rund 40% der Kapazitäten genutzt werden und ein flächendeckender Netzausbau nicht erforderlich sei. Gleichzeitig erwartet er, dass künftig fast alle stromnutzenden Geräte sogenannte Flex-Geräte sein werden, die bei ihrer Stromnutzung auf aktuelle Netzpreise reagieren werden. Themenverwand hat Romeo Deplazes von der Energie 360° ein erfolgreich realisiertes Beispiel für die intelligente Kopplung von Energiesystemen bei einem Landwirtschaftlichen Betrieb vorgestellt. Die Stadt Zürich versucht laut Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung die Herausforderungen im urbanen Umfeld – anders als andere Städte – dadurch anzugehen, dass sie nicht die Smart City der Zukunft definiert, sondern vielmehr die Werkzeuge zur Verfügung stellt, womit Marktteilnehmer und städtische Mitarbeitende zur Entwicklung beitragen und diese aktiv mitgestalten können. Konkrete Werkzeuge für die Umsetzung innovativer Geschäftsmodelle zeigte im Anschluss Kurt Bobst von der Repower auf. Auch er bestätigt: «Entwicklungen beginnen im Kopf. Dafür braucht es Mut, Kunden, Fehler und Partner.» Er sieht den Plattformgedanken immer stärker werden.  Auf Basis eigener Projekte führte Jürg Grossen aus, dass ein Gesamtblick auf Lösungen im Energieumfeld wichtiger ist als die Entwicklung von Einzellösungen. So zeigen Beispiele, dass man den Ausbau des Verteilnetzes durch eine intelligente Steuerung dezentraler Erzeuger und Verbraucher vermeiden und erst noch finanziell attraktive Rahmenbedingungen bieten kann. Der erste Tag schloss mit einer überaus spannenden Podiumsdiskussion mit Kurt Bobst (Repower), Markus Brokhof (Alpiq), Jürg Grossen (Nationalrat) und Dr. Michael Ritzau (B E T Aachen). Thema waren Chancen und Risiken der Energiewende für Werke und Geschäftsmodelle.

Der zweite Tag bot zwei parallel durchgeführte Foren «A: Geschäftsmodelle und Technologien für die neue Energiewelt» sowie «B: Innovationen und Digitalisierung vs. Unternehmenskultur».

In Forum A starteten Arne Kähler (EW Höfe AG) und Roland Schwarzentruber (GWF AG) mit der Vorstellung des ersten flächendeckenden Smart Meter Rollout auf Glasfasern in der Schweiz. Sowohl Karl Thoma (Repower) als auch René Greiner (Uniper) stellten anschliessend beeindruckende Beispiele zur Digitalisierung vor. Bei Repower kommt bereits eine vollständig digitalisierte und papierlose Anlagenbewirtschaftung zum Einsatz. Die Uniper baut sehr erfolgreich eine umfassende digitale Plattform auf. Den Weg zum Erfolg schaffen beide Unternehmen durch die intensive Berücksichtigung der Mitarbeiter, welche als interne Kunden verstanden werden.
Der Roundtable mit Arne Kähler (EW Höfe), Stefan Rechsteiner (VISCHER) und Karl Thoma (Repower) dreht sich demgemäss um neue Wertschöpfung. Nach dem Mittagessen leitet Fabian Baerlocher zur smarten Abrechnung über Blockchain in den Themenblock Praxiserfahrungen mit der Blockchain Technologie ein. Er machte deutlich, warum die Blockchain eine passende Technologie für die Lösung des bestehenden Problems ist. So können heutige ERP-Systeme nur schwer mit grösseren EVG umgehen und diese wirtschaftlich abrechnen. Im Anschluss stellte Christian Dürr (WEW) das Projekt Quartierstrom aus Walenstadt vor. Er geht dabei besonders auf die Herausforderungen und die breite Akzeptanz in der Bevölkerung ein. Abschliessend zeigt Alain Brenzikofer (SCS AG) in Bezug auf das gleiche Projekt auf, was dynamische Netztarife bedeuten können und wie in Zukunft mit den Anforderungen zum Datenschutz umgegangen werden kann.

Im Forum B berichtet Marc Steiner (Bundesverwaltungsrichter) über das Schweizer Beschaffungsrecht. So macht sich dieses gerade auf den Weg, sich in der angewandten Maxime vom Preis- zum Qualitätswettbewerb weiterzuentwickeln. Er betonte, dass ordnungspolitische Mantras auf sektorspezifische Anforderungen überprüft werden müssen. Die Themen Nachhaltigkeit, Innovation und Qualität passen nicht zum Preis. Die Ziele des Vergaberechts wären abschliessend (weitere Kriterien nicht erlaubt):
  • Transparenz
  • Wettbewerb
  • Wirtschaftlicher Einsatz öffentlicher Mittel
  • Gleichbehandlung der Anbieter
  • NEU: Korruptionsprävention 
  • NEU: Nachhaltigkeit
Zudem wurde in Forum B anhand mehrerer Beispiele gezeigt, dass die intelligente und vollautomatische Steuerung und Einbindung von dezentralen Speichern (stationäre oder mobile Speicher) in das Energiesystem (inkl. kurzfristigem Algo Trading) heute schon Praxis ist.

Dieser Rückblick wurde von den Tagungsmoderatoren Dr. Jens Bartenschlager (CEO, Fidectus AG) und Benjamin Teufel (Sector Leader „Energy, Mining & Metals“ Switzerland, Ernst & Young Ltd)  verfasst. Zusammen haben die Moderatoren den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Am 19. und 20. März 2020 wird der Anlass sein 10-jähriges Jubiläum feiern. Die Agenda für das Innovationsforum Energie 2020 wird Ende des Jahres veröffentlicht.

Montag, 19. November 2018

Nachlese Verteilnetzforum 2018

Im imposanten und geschichtsträchtigen Hotel Schweizerhof in Luzern fand am 13. November 2018 die zweite Ausgabe des Verteilnetzforums statt. Mit rund 60 Teilnehmern wurde intensiv über die ak-tuellen und künftigen Herausforderungen für Schweizer Verteilnetzbetreiber, insbesondere im Kontext der mittlerweile umzusetzenden Energiestrategie 2050 sowie der geplanten Revision des Stromver-sorgungsgesetzes, diskutiert.

Dr. Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze vom BFE, stellte die aktuellen Gesetzesrevisionen, von der beschlossenen Energiestrategie, über die Strategie Stromnetze bis hin zum Entwurf der Revi-sion des StromVG im Gesamtzusammenhang dar. Aus Sicht des BFE ist ein «Energy Only» Markt als Modell für die Schweiz weiterhin zielführend. Entsprechend wird auch die (längst im Gesetz vorgese-hene) vollständige Marktöffnung nun auch vorgeschlagen.  Dabei stehen nicht primär Preisvorteile und die Kompatibilität zur EU, sondern die Versorgungssicherheit, die Wahlfreiheit der Kunden und die Marktintegration der Erneuerbaren mittels innovativer Geschäftsmodelle im Zentrum der Argumen-tation des Bundesrats. Anstelle von weiteren Regulierungsverschärfungen soll es mehr Markt richten. Ergänzt wird dieses Marktmodell mit einer strategischen Reserve als zusätzliche Versicherung für kritische Versorgungssituationen. Ziel der Revision StromVG ist daher die Stärkung der Marktmecha-nismen, und nicht primär die Verschärfung der Regulierung. Dennoch hält er aus Sicht des BFE fest, dass die Schweizer Netzkosten im internationalen Vergleich eher hoch seien und stärkere Effizienzan-reize notwendig sind. Zu diesem Zweck wird die gesetzliche Grundlage für die Sunshine Regulierung geschaffen werden. Sollte sich diese nicht als genügend wirksam erweisen, soll der Bundesrat beauf-tragt werden, die Einführung einer Anreizregulierung vorzuschlagen. Weiter soll das Messwesen teil-liberalisiert werden, da in Bezug auf Grosskunden sowohl Preis- als auch Qualitätsprobleme bestehen. Alle Netzbetreiber müssten dabei separate Messtarife publizieren, welche von der ElCom getrennt vom Verteilnetz überprüft würden. Für die Verteilnetzbetreiber sieht Mohamed Benahmed vor diesem Hintergrund zahlreiche Herausforderungen, aber auch Chancen (z.B. Geschäftsmodelle im Bereich Flexibilität). Ein «Change» wird aber für viele Netzbetreiber notwendig sein.

Dr. Stefan Burri, Leiter Sektion Preise und Tarife des Fachsekretariats der ElCom, erläuterte den aktuellen Stand der Sunshine-Regulierung. Zentrales Ziel der ElCom ist dabei die Schaffung von mehr Transparenz unter Wahrung von Einfachheit (als klare Abgrenzung zum Benchmarking im Rahmen einer Anreizregulierung) und Mehrdimensionalität (Einbezug mehrerer Indikatoren wie z.B. der Qualität). Die Verteilnetzbetreiber sollen dadurch einen Anreiz erhalten, sich in Bezug auf ihre Netzkosten und -tarife, die Versorgungqualität und die Compliance zu verbessern. Als Hauptherausforderungen nannte Stefan Burri dabei die Sicherstellung der Aktualität, der Nachvollziehbarkeit für Dritte, der Richtigkeit der Datengrundlagen sowie der Veränderungen über die Zeit (z.B. aufgrund von Fusionen). Die bisherigen Ergebnisse zeigen bei den Netzkosten Klärungs- und Handlungsbedarf bei einzelnen, überdurchschnittlicher Netzbetreiber. Demgegenüber sind die Werte zur Versorgungsqualität im Schnitt aller Verteilnetzbetreiber, auch im internationalen Vergleich, top. Aus Sicht der ElCom sind zwar noch gewisse Kinderkrankheiten zu beheben, jedoch sind die Indikatoren robust und verlässlich. Die verbleibende Zeit bis zur «Scharfstellung» mit dem revidierten StromVG sollten die Verteilnetzbe-treiber daher nutzen, aufgrund der bisherigen Ergebnisse ihre internen Schlüsse zu ziehen und allfäl-lige Verbesserungsmassnahmen einzuleiten.

Dr. Markus Flatt, Partner von EVU Partners AG, präsentierte in seinem Referat Erkenntnisse aus der praktischen Umsetzung der erstmals für die Tarife 2019 geltenden, neuen Vorgaben aus der Energie-strategie 2050. Diese neuen Vorgaben wurden von den betroffenen Verteilnetzbetreibern unterschied-lich umgesetzt. Das Fachsekretariat der ElCom sah sich im September 2018 dann auch gezwungen, die Netzbetreiber auf allzu kreative, aber nicht rechtskonforme Umsetzungsvarianten, wie z.B. reine Flat-Rates, hinzuweisen. Dabei zeigte Markus Flatt basierend auf einer selektiven Erhebung, dass rund 50% der untersuchten Verteilnetzbetreiber die Tarifmodelle strukturell angepasst haben. Die Mehrheit davon hat sich dabei für die Einführung neuer Wahltarife entschieden, mehrheitlich für be-stimmte Kundengruppen wie z.B. Wärmekunden. Anhand von einzelnen Beispielen zeigte Markus Flatt aber auch die sehr unterschiedlichen Ansätze – von «sehr einfach» bis zu «innovativ» ist die Bandbreite der beobachtbaren Netznutzugstarifmodelle gross. Dass die Tarifierungsvorgaben nun mit der Revision des StromVG bereits wieder zur Diskussion stehen, zeigt, dass das Thema für die Netz-betreiber mittelfristig relevant bleiben dürfte.

Leo Sasso, CEO und Founder der geoimpoact AG, stellte den Anwesenden die neue Plattform «Swiss Energy Planning» – eine Art «Google Maps für Energie» und deren mögliche Anwendung im Kontext von Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch vor. Ziel der Plattform ist die Ermöglichung einer einfachen, durchgängigen und vor allem kollaborativen Energieplanung. Dabei werden zahlreiche öffentlich-verfügbare Daten wie z.B. das Solarkataster, Grundbuchinformationen, Baugesuche oder Tarifsituationen geobasiert bereitgestellt und intuitiv zugänglich gemacht. Auf diesen Grundlagen kann die Energieplanung aus Sicht von Leo Sasso massgeblich vereinfacht und verbessert werden. Ein mögliches Anwendungsfeld ist dabei die Analyse von Potential für Zusammenschlüsse zum Ei-genverbrauch. Dabei kann diese Analyse beispielsweise von Verteilnetzbetreibern in ihrem oder aus-serhalb von ihrem Versorgungsgebiet im Sinne einer Potentialabklärung als Grundlage für ein neues Geschäftsmodell oder als Grundlage für die eigene Risikobeurteilung genutzt werden.

Dr. Michael Merz, Geschäftsführer der PONTON GmbH, stellte sich der Herausforderung, den Anwe-senden die Blockchain-Technologie und deren möglichen Anwendungsfälle in der Energiewirtschaft in wenigen Minuten zu erklären. Er stellte von Beginn an klar, dass die Blockchain nur eine von ver-schiedenen Technologien ist und nur unter ganz bestimmten Rahmenbedingungen effektiv und effi-zient zur Anwendung gelangen kann. Er relativierte damit auch den zwischenzeitlichen «Hype» um die Blockchain und strich die Herausforderung der Wirtschaftlichkeit – gerade in der Energiewirtschaft mit vielfach sehr kleinen Einzeltransaktionen – heraus. Er präsentierte konkrete Anwendungsfälle und laufende Projekte wie «Enerchain» im Bereich Handel, «NEW 4.0» als Flexibilitätsmarkt in Nord-deutschland oder «Gridchain», ein Projekt mit dem Ziel der Synchronisation von Flexibilitätsmass-nahmen im Netz zwischen Übertragungsnetz-, Verteilnetzbetreibern und Flexibilitätsanbietern. Bei allen diesen Projekten zeigt sich, dass die Technologie nur eine Dimension ist. Vielfach scheitern die konkreten Geschäftsmodelle an der Wirtschaftlichkeit, am Kundenverhalten und/oder an den regulato-rischen Rahmenbedingungen.

Fabian Krek, Leiter Sales von Adaptricity AG, präsentierte die innovative Lösung von Adaptricity als Partner für das digitale Verteilnetz von der Netzplanung, über die Simulation von Prosumern bis hin zum (geplanten) Real-Time-Monitoring des Netzzustandes im Verteilnetz mittels bestehender Netzda-ten (GIS), Sensoren und der Integration von Smart-Meter-Daten. Er ist überzeugt, dass mit den ver-fügbaren Daten, der weiteren Digitalisierung sowie intelligenten Lösungen die untersten Spannungs-ebenen, welche heute eine «Black Box» darstellen, transparent gemacht werden können. Als Mittel dazu sieht Adapricity ihre Lösung von GIS-basierten, rechenfähigen Netzmodellen. Der Mehrwert entsteht dabei durch die Verknüpfung von GIS-Daten mit weiteren Daten sowie deren Verarbeitung mit gängigen Netzanalyseverfahren. Ziel ist letztlich die Erhöhung der Kosteneffizienz im Bau und Betrieb der Verteilnetze (Kapital- und Betriebskosten) einerseits und in der Netzplanung (Betriebskosten) andererseits. Als konkretes Beispiel zeigte Fabian Krek das Netz-Monitoring aus dem Pilot-Betrieb im Verteilnetz der Technischen Betriebs Glarus Nord.

Ulrich Rosen, Partner von B E T Aachen, ging in seinem Referat auf die Wechselwirkung zwischen  Verteilnetzen und Geschäftsmodellen der Verteilnetzbetreiber ein. Dabei zeigte er exemplarisch ein Ergebnis aus dem Projekt «Digitalisierung der Energiewende: Barometer und Topthemen» im Auftrag des BMWi aus Deutschland auf. Hier werden mögliche künftige oder bestehende Geschäftsmodelle in konkreten Use Cases strukturiert und letztere in konkreten Verteilnetzsituationen und auf der Basis realer Lastgänge simuliert. Dabei hat sich im Kontext von Netzflexibilität bzw. der Tarifierung das Mo-dell der «bedingten Bestellleistung» als wirksam und umsetzbar herausgestellt. Dabei werden die klassischen Verbraucher beim Kunden als unflexible Lasten behandelt, wofür der Kunde einen fixen Preis (Leistungspreis) bezahlt. Für seine flexiblen Lasten (z.B. eMobil) muss der Kunde darüber hinaus weitere Leistung bestellen, welche «unbedingt» und damit teurer oder «bedingt» und damit vergünstigt angeboten wird. Bei bedingter Leistung ist ein Eingriff des Verteilnetzbetreibers im Fall von Netzengpässen oder Lastspitzen im Netz möglich. Wird die bestellte Leistung überschritten, fällt eine Pönale an. Dabei beurteilt Ulrich Rosen insbesondere auch den effizienten und effektiven Einsatz der Kommunikations- und Steuertechnik als zentrale Herausforderung.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion diskutierten Dr. Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze vom BFE, Dr. Andreas Beer, Leiter Asset Management Netz und Versorgung der Repower AG und Andreas Hirt, Leiter Bau & Netzservices von Energie Service Biel/Bienne über die Zukunft für Schweizer Verteilnetzbetreiber. Dr. Markus Flatt stellte den Gesprächsteilnehmern die Frage, ob sie die Zukunft der Verteilnetzbetreiber nicht als düster beurteilen, angesichts von sinkenden Ausspeise-mengen (Stichwort Eigenverbrauch / Entsolidarisierung), steigenden Kosten (etwa durch Smart-Meter-Rollout oder Verkabelungsauflagen), wachsender Komplexität (zum Beispiel aufgrund der Flexibili-tätsvorgaben) und weiteren Regulierungsverschärfungen (wie der Sunshine- oder einer späteren An-reizregulierung). Die Teilnehmer beurteilten diese Herausforderungen zwar als hoch, jedoch die Zu-kunft für Netzbetreiber nicht generell als düster. Hingegen mahnten insbesondere die Vertreter der Netzbetreiber zur Vorsicht mit weiteren Verschärfungen im Rahmen der Revision StromVG, welche den Spielraum für Netzbetreiber zusätzlich beschränken und die Komplexität im Markt enorm erhöhen würden. So sei es etwa nicht so, dass bisher im Netz keine Lastoptimierung betrieben und nur Kupfer verbaut werde, wie dies aktuell aufgrund der Diskussionen rund um Flexibilitäten manchmal scheint. Insbesondere wurde dabei die geplante Teilliberalisierung des Messwesens als unverhältnismässig beurteilt. Als Vertreter des BFE oblag es Mohamed Benahmed die geplante Gesetzesrevision etwas ins Licht zu rücken und einzelne Massnahmen nochmals zu begründen. Dabei wurde klar, dass die Interessen, welche auf das künftige Marktmodell und die Weiterentwicklung der Regulierung einwirken, weit über die Strombranche hinausgehen und entsprechende Interessenabwägungen, z.B. in Bezug auf Wahlfreiheit versus Einfachheit, notwendig sind. Diese Interessenabwägung vorzunehmen ist letztlich Aufgabe der Politik. Einig war man sich auf dem Podium, dass die bisherigen, gerade in der Schweiz ausgeprägt kleinräumigen Strukturen aufgrund der künftigen Anforderungen unter Druck kommen werden. Diesen Herausforderungen sollte man sich als Verteilnetzbetreiber stellen.

Dieser Rückblick wurde vom Tagungsmoderator Dr. Markus Flatt, Partner bei EVU Partners AG verfasst. Markus Flatt hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rah-men gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Verteilnetzforum findet am 13. November 2019 im Marriott Hotel Zürich statt. Informatio-nen zu Agenda, Referenten und Anmeldung finden Sie unter www.verteilnetzforum.ch.

Freitag, 12. Oktober 2018

Nachlese: Vertriebsleitertagung Energie 2018

An der vierten Jahrestagung trafen sich gut 80 Energiefachleute und Experten aus dem Bereich Vertrieb, um die Themen Eigenversorgung, Datenschutz & Analytics, Blockchains und Energiedienstleistungen zu diskutieren. Der erste Tag der Vertriebsleitertagung Energie widmete sich voll und ganz den kritischen Erfolgsfaktoren für den Energievertrieb. Im ersten Teil ging es dabei um das Spannungsfeld von freiem Markt, Regulierung, Netz und Vertrieb. Eingeleitet wurde mit einer aufschlussreichen Keynote von Nationalrat Martin Bäumle. Zunächst berichtete er vom aktuellen Stand der Diskussionen zum Stromabkommen. Er sieht hier aktuell keine Mehrheiten in Bern und äussert sich besorgt über den hohen Anteil von etwa 30% Klimaskeptikern im Parlament. Seiner Ansicht nach ist die Zukunft geprägt von Erneuerbaren, Dezentralisierung und E-Mobilität. In diesem Zusammenhang sieht er das zukünftige Marktdesign als erfolgsentscheidend an. Dieses sei jedoch noch komplett offen.

Anschliessend erklärte Georg Meier (Stv. Geschäftsleiter, Energie Zukunft Schweiz), wer die Menschen der neuen Kundengruppe «Prosumer» eigentlich sind, welchen Herausforderungen der Energievertrieb gegenübersteht und welche erfolgversprechenden Lösungsansätze existieren. Stefan Rechsteiner (Partner, VISCHER AG) griff dazu das Thema Datenschutz bei intelligenten Mess- und Steuersystemen auf. So ist beispielsweise immer die Einwilligung der Datennutzung erforderlich, die Daten müssen im Kontext zur Datenerhebung und Nutzung stehen und nach 12 Monaten vernichtet werden. Die sich ableitende Kernfrage war: «Wie bewirtschaftet man das Thema»? Zu der Datenbewirtschaftung aus Vertriebssicht brachte Dr. Jan Marckhoff (CEO und Gründer, BEN Energy AG) anschliessend Licht in das Dunkel von Kundenzentrierung mittels künstlicher Intelligenz im teil-liberalisierten Markt Schweiz. Er verdeutlichte wie man mit maschinellem Lernen, neuronalen Netzen und dem Segment-of-One Kosten spart, den Umsatz steigert und Kunden begeistert.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es im zweiten Teil des Tages um das Thema Vertriebsstrategien für neue Geschäftsfelder. Eindrücklich stellte Kurt Bobst (CEO, Repower AG) seine Erfahrungen aus dem reifen und kompetitiven italienischen Markt dar. Hierzu gehörten neben einer Übersicht zur Strategie der Repower in Italien auch die Charakteristiken des Marktes, die genutzten Vertriebskanäle (Digital & Agenten), die Kundenreise sowie Einzelheiten zur digitalen Plattform. Darauf folgend zeigte Marc Ritter (Leiter Geschäftsbereich Energie, AEW Energie AG) die überaus interessante Stossrichtung der AEW zur Leistungserbringung mit regionaler Verankerung in der Schweiz. Hinter dem Ansatz verbirgt sich ein intelligentes Energiemanagementsystem namens «AEW myHome». Mit diesem Gesamtlösungsangebot für Liegenschaftsbesitzer werden Einspareffekte von bis zu 20% versprochen. Das heutige Ertragsmodell besteht in Einkaufskonditionen sowie Schlüsselpartnerschaften und wird sich wahrscheinlich in Zukunft verschieben. Der letzte Referent des ersten Tages, Thomas März (Leiter Privat- und Geschäftskunden, CKW AG), zeigte auf, wie sich die digitale Transformation auf das Kundenverhalten und die Kundenerwartungen auswirkt. Mit der Customer Journey angefangen, nahm Herr März das Publikum auf eine Reise entlang der Wertschöpfungskette und berichtete von Erfolgsfaktoren, Vertriebskonzepten und CKWs Smart Energy online & offline. Abgerundet wurde der Tag durch eine spannende Podiumsdiskussion mit den Teilnehmern Kurt Bobst, Thomas März und Marc Ritter, moderiert durch Georg Meier.

Der zweite Tag der Vertriebsleitertagung Energie war ganz der Umsetzung in der Praxis gewidmet: Angefangen bei der Beleuchtung der neuen Technologie Blockchain. Jens Bartenschlager (Director, Leiter Beratung Energiewirtschaft, PricewaterhouseCoopers) verglich die Technologie mit dem Schweizer Taschenmesser und analysierte die Faktoren und Voraussetzungen für einen sinnvollen Einsatz. Jesse Morris (Co-Founder and Secretary, Energy Web Foundation (EWF)) stellte eindrücklich dar, wie die Technologie den fundamentalen Wandel Richtung dezentrale, erneuerbare Stromerzeugung unterstützt. EWF bereitet die Grundlagen für die effiziente Nutzung vor und experimentiert mit der Community an neuen Anwendungsbeispielen. Das Startup "Oli Systems" (Thomas Brenner, CTO) zeigte in ihrem Use Case eindrücklich wie Blockchain für die Energiezertifizierung und virtuelle Transaktion  zwischen Anbieter und Nachfrager eingesetzt wird.

Abgerundet wurde die Vertriebsleitertagung Energie durch drei Präsentationen mit konkreter Umsetzung: IWBs (Markus Balmer, Leiter Vertrieb) Sonnenbox mit virtuellem Speicher hat Potential, bis auf weiteres attraktive Speicherbedingungen für PV Produzenten zu schaffen - ohne eigene Installation. Er strich die neuen Bedürfnisse der Kundengruppe Prosumer hervor: Beratung, Messung, Abrechnung, Services - und ging sogar soweit, das Geschäft als "neues Kerngeschäft" zu bezeichnen. Energiewende, Marktöffnung hinter dem Zähler und innovative Ansätze für die Erhöhung des Eigenverbrauches sowie der Rentabilität zeigten Andreas Appenzeller (Vorsitzender Geschäftsleitung, ADEV) anhand des Areals Erlenmatt Ost. Wir sind überzeugt, dass solche Beispiele Schule machen werden und aktuell einen grossen Anteil der künftigen Marktaktivitäten ausmachen. Thomas Schweingruber (Geschäftsleiter, Heizungsmacher) beleuchtete die Erfolgsfaktoren des digitalen Vertriebs: Aussehen/Emotionen, Marken, geteilte Erfahrungen, Preis, Verfügbarkeit und wählbare Optionen.

Die Vertriebsleitertagung 2018 lieferte einen tiefen Einblick in die sich verändernde Energiewirtschaft der Schweiz. Die vorgestellten Handlungsoptionen stellen dabei eine hervorragende Inspirationsquelle für neue, nachhaltige Geschäftsmodelle dar, um sich im zukünftigen Energiemarkt zu behaupten. Die Moderation von Dr. Jens Bartenschlager und Georg Meier hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Montag, 18. Juni 2018

Vertrieb von Energiedienstleistungen und neue Geschäftsfelder für EVU

Eigenversorgung | Datenschutz & Analytics | Blockchains | Energiedienstleistungen


Kreuzlingen, Schweiz, 18. Juni 2018 – Wettbewerb, sinkende Margen und Pflicht zur Energieeffizienz setzen die EVU unter Druck. Die Frage ob und wann die zweite Stufe Marktöffnung kommt ist nach wie vor unklar. Spannend ist auch welche Folgen die Energiestrategie haben wird. Wie sollen sich die EVU kurzfristig und mittelfristig verhalten? Was ist konkret in den Unternehmen zu tun? Wie hoch ist das Risiko einfach zuzuwarten? Welche neuen Geschäftsfelder rentieren sich bereits heute?

Diese Fragen diskutieren hochkarätige Vertreter aus der Branche am 04. und 05. September 2018 im Rahmen der 4. Vertriebsleitertagung Energie in Zürich. Im Fokus dieses Anlasses stehen ausserdem aktuelle Praxiserfahrungen sowie spannende Beiträge zu Themen wie Eigenversorgung, Datenschutz, Data Analytics, künstliche Intelligenz, Blockchains und Energiedienstleistungen.

Weitere Themenschwerpunkte sind
  • Wohin entwickelt sich die Gesetzgebung?
  • Eigenversorgung - Knackpunkte für Vertrieb und Netz 
  • Was das EVU mit seinen Daten machen darf und kann 
  • Vertriebsstrategien und Erfahrungen mit Smart Home und Co. 
  • Digitalisierung und Blockchains - Warum und wofür braucht es das EVU? 
  • Partnerschaften im Vertrieb und im IT Bereich - Kann das funktionieren? 
  • Praxiserfahrungen beim Vertrieb von Energiedienstleistungen

In den nächsten Tagen ist die Agenda einsehbar. Weitere Informationen sind bereits jetzt unter www.vertriebsleitertagung-energie.ch zu finden.


Freitag, 4. Mai 2018

Intensivkurs Branchenwissen Gas

Liberalisierung | Netznutzung | Preisgestaltung | Beschaffung | Vertrieb

13. und 14. Juni 2018 in Olten, Schweiz

Themenschwerpunkte
  • Energiestrategie 2050 des Bundes
  • Einfluss Europas auf die Schweizer Gaswirtschaft
  • Erdgasvorkommen und -produktion
  • Erdgastransport und -speicherung
  • Netznutzungsmodell Erdgas (NEMO) im lokalen Transport
  • Liberalisierung und Perspektiven des Netzzugangs
  • Aktueller Stand der Grundlagenarbeiten zum GasVG
  • Der kommerzielle Weg des Erdgases
  • Gasbeschaffung für Grosskunden
  • Biogas und Gasmobilität
  • Zukunftsperspektiven Power-to-Gas

Ihre Referenten
Dr. Markus Flatt, Partner, EVU Partners
Peter Graf, Bereichsleiter Energie und Marketing, Sankt Galler Stadtwerke
Ivo Hüsler, Leiter Projektentwicklung und Beschaffung Erneuerbare Energien, Energie 360°
Christian Rütschi, Stv. Leiter Marktregulierung, Bundesamt für Energie BFE
Sven Schlittler, Leitender Berater, EVU Partners AG
Nico Waldmeier, Partner, EVU Partners AG

Wer sollte teilnehmen?

Dieser Intensivkurs richtet sich an Neu- und Quereinsteiger in die Gaswirtschaftsowie Führungskräfte aus Unternehmen, deren Tagesgeschäft durch gaswirtschaftliche Fragen tangiert wird. Insbesondere sind Mitarbeitende aus Gasversorgungsunternehmen angesprochen, die sich einen Überblick über die Gasbranche verschaffen und Ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen möchten.
Die Teilnehmer arbeiten in folgenden Unternehmen:
  • Gasversorgungsunternehmen
  • Querverbundsunternehmen
  • Stadt- und Gemeindewerken
  • Gaslieferanten
  • Erdgasverbrauchende Industrie
  • Kantonale und kommunale Behörden
Der Kurs richtet sich ausserdem an alle an der Gasmarktliberalisierung in der Schweiz beteiligten Interessengruppen.

Teilnahmegebühr:
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person CHF 2’995.- zzgl. MwSt. und beinhaltet Seminarunterlagen, Mittagessen, Pausenverpflegung und Erfrischungsgetränke.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.vereon.ch/bwg

Intensivkurs Branchenwissen Strom


Produktion | Verteilung | Handel | Beschaffung | Vertrieb

05. und 06. Juni 2018 in Baden, Schweiz

Highlights aus dem Programm
  • Strommarkt Schweiz – Rechtliche Grundlagen, Struktur und Marktakteure
  • Aktuelle Entwicklungen in Europa
  • Der technische und kommerzielle Weg des Stroms
  • Stromerzeugung – Konventionelle und neue Technologien
  • Wie der Strompreis gebildet wird
  • Brennpunkt Netze – Unbundling, Anreizregulierung, Verkabelungsproblematik
  • Zusammenspiel von Beschaffung und Vertrieb
  • Portfolio- und Risikomanagement
  • Endkundenvertrieb – Neue Strategien für den liberalisierten Markt

Ihre Referenten
Ueli Betschart, Junior-Berater, B E T Suisse AG
Markus Bill, Fachspezialist Preise und Tarife, ElCom  
Dominik Rohrer, Berater bei BET Dynamo Suisse AG
Dr. André Vossebein, Seniorberater, BET Dynamo Suisse AG

Wer sollte teilnehmen?

Dieser Intensivkurs richtet sich an Neu- und Quereinsteiger in die Stromwirtschaft sowie Führungskräfte aus Unternehmen, deren Tagesgeschäft durch energiewirtschaftliche Fragen tangiert wird. Insbesondere sind Mitarbeitende aus Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerken angesprochen, die sich einen Überblick über die Strombranche verschaffen und ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen möchten. Die Teilnehmer arbeiten in folgenden Bereichen:

  • Netzwirtschaft und Energiewirtschaft
  • Produktion und Erzeugung
  • Beschaffung und Handel
  • Vertrieb, Marketing, Finanzen und Organisation

Teilnahmegebühr:
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person CHF 2’995.- zzgl. MwSt. und beinhaltet Seminarunterlagen, Mittagessen, Pausenverpflegung und Erfrischungsgetränke.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.vereon.ch/bws

Mittwoch, 4. April 2018

Pressemitteilung: Chancen nutzen in einer sich wandelnden Energiewelt

Kreuzlingen, Schweiz, 04. April 2018 – Innovationen sind in vielen EVU angekommen. Das bedeutet, dass nicht mehr nur auf hoher Flugebene und abstrakt über Innovationen und mögliche Geschäftsmodelle nachgedacht wird, sondern auch ganz konkret. Zum einen haben sich Versorgungsunternehmen selbst Kompetenzen und Ressourcen geschaffen, um Innovationen voran zu treiben. Zum anderen sind sich Versorgungsunternehmen der Tatsache bewusst, dass für die Zukunft neue Lösungen hervorgebracht werden müssen, wenn die Unternehmen erfolgreich sein wollen. Die Frage ist aber, wie viele der mehreren hundert EVUs in der Schweiz bereits in Richtung Zukunft gehen, und wie viele in der alten Welt verharren.

Das 8. Innovationsforum Energie stand ganz im Zeichen der Chancen und Herausforderungen, die auf die Energiebranche in den kommenden Jahren zukommen werden. Im Kontext der vier „D’s“ (Digitalisierung, Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Demokratisierung) wurden u.a. die Suche und Entwicklung künftiger profitabler Geschäftsfelder, die zunehmende Digitalisierung der Geschäftsfelder, der Einfluss der Elektromobilität, die zunehmend erforderliche kundenzentrische Geschäftsausrichtung und der künftige Wettbewerb um Geschäftsfelder und Kunden diskutiert.

Branchenteilnehmer diskutierten zusammen mit Vertretern von nationalen und internationalen Energieunternehmen, IT-Dienstleistern, Forschungseinrichtungen sowie politischen Vertretern und konnten dabei zahlreiche Einblicke in erfolgreiche Praxisanwendungen einzelner Lösungen gewinnen.

Neue Technologien und Anwendungen bieten die Möglichkeit, die unternehmensinterne Effizienz zu steigern, die Kommunikation mit dem Kunden neu zu gestalten, neue Produkte zu entwickeln und neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Ein Trend scheint dabei die Konzentration der EVU auf ihre Kernprozesse zu sein, während Management- und Support-Prozesse vermehrt automatisiert und bzgl. der Administration und Weiterentwicklung an externe IT-Anbieter ausgelagert werden.

Bei der Ausweitung bisheriger Geschäftsaktivitäten der grossteils in öffentlicher Hand befindlichen EVU auf Geschäftsbereiche, die vermehrt in privatwirtschaftlicher Hand sind, wurde der Bedarf nach klaren Rahmenbedingungen einmal mehr deutlich, da der Schweizerischer Gewerbeverband vor allem die KMU in der aktuellen Marktentwicklung als benachteiligt ansieht. Als möglicher Lösungsansatz wurde eine öffentliche Diskussion im Rahmen der Einführung von Eignerstrategien für alle öffentlichen Marktteilnehmer gesehen, in dessen Prozess die beabsichtigte Einführung von „gleichlangen Spiessen“ festgelegt werden soll. Ob dies letztlich jedoch ein geeignetes Instrument hierfür ist, bleibt abzuwarten.

Der ökologische Fussabdruck der bereitgestellten Energie ist nicht mehr nur eine Anforderung von Endkunden an ihren Energielieferanten, sondern auch von Unternehmen an ihre eigenen Zulieferer, welche im Rahmen ihrer künftigen Ausschreibungen ökologische Merkmale als vergaberechtliche Entscheidungsmerkmale berücksichtigen werden.

Erste konkrete Praxisbeispiele wurden ebenfalls im Bereich der Blockchain vorgestellt. In einem regionalen Projekt in Deutschland wird durch eine eindeutige Zuordnung von dezentraler Erzeugung zu Verbrauch sichergestellt, dass die Zuordnung von ökologischer Energie zu einzelnen Verbrauchern auch der tatsächlichen Lieferbarkeit mit physischer Energie entspricht. Hierdurch wird das Problem angegangen, dass die über Herkunftsnachweise „vergrünte“ Energie in der Realität bei zu grosser geographischer Entfernung nicht der physischen Energielieferung entspricht und somit zu einer Diskrepanz zwischen tatsächlichem und gefühltem Energiebezug führt.

Zu welchen Ergebnissen eine staatlich koordinierte Digitalisierungsstrategie führen kann, wurde am Beispiel Dänemark verdeutlicht. Hier findet ein Grossteil der Kommunikation mit staatlichen Organen über digitale Technologien statt, wobei jeder Einwohner eine digitale ID besitzt. Gleichwohl zeigt dieses Beispiel, dass eine flächendeckende Einführung neuer Technologien oftmals nur durch regulatorische und technische Vorgaben erzielt werden kann, da gerade in den ersten Jahren der Investitionsbedarf entsprechend hoch ist, eine wirtschaftliche Rechtfertigung erst längerfristig erzielt werden kann und die Schaffung gewisser Infrastrukturen auch im öffentlichen Interesse liegt.

Es wird abzuwarten sein, welche Änderungen auf die Schweizer Marktteilnehmer in den kommenden Jahren zukommen werden. Im Rahmen der Veranstaltung war jedoch deutlich zu sehen, dass die kommenden Änderungen zahlreiche Chancen bieten, die es entsprechend zu nutzen gilt.

Dieser Rückblick wurde von den Tagungsmoderatoren Benjamin Teufel, Sector Leader Energy Switzerland von Ernst & Young Ltd und Dr. André Vossebein, Geschäftsführer von B E T Suisse AG verfasst. Herr Teufel und Herr Vossebein haben den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Innovationsforum Energie findet am 4. und 5. April 2019 in Zürich statt.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Nachlese: Verteilnetzforum vom 21.November 2017



Kreuzlingen, Schweiz, 07. Dezember 2017 - Im historischen Schloss Hünigen in Konolfingen wurde bei der ersten Ausgabe des Verteilnetzforums mit rund 40 Teilnehmern intensiv über die aktuellen und künftigen Herausforderungen für Schweizer Verteilnetzbetreiber, insbesondere im Kontext der am 1. Januar 2018 in Kraft tretenden revidierten Energie- und Stromversorgungs-gesetzgebung, diskutiert.

Dr. Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze vom BFE hat zu Beginn der Tagung die Position des BFE in Bezug auf das neue Marktdesign bzw. die Versorgungssicherheit bekräftigt. Dabei hat er unter anderem auf die Importabhängigkeit der Schweiz und damit auf die zentrale Rolle der Übertragungs- und Verteilnetze hingewiesen. Alle im Rahmen der sog. „System Adequacy-Studie“ geprüften Szenarien gehen vom geplanten Netzausbau, insbesondere auf Stufe des Übertagungsnetzes aus. Dabei wurde auch der notwendige Netzausbau im benachbarten Ausland berücksichtig. Damit ist auch der Netzausbau für die Versorgungssicherheit entscheidend. Umso wichtiger ist es, dass die im Parlament hängige „Strategie Stromnetze“ nun im Rahmen der Einigungskonferenz in der Wintersession verabschiedet und nicht aufgrund artfremder Themen (Durchschnittspreismethode, Messwesen und Regel- und Steuersysteme) gefährdet wird.

Aeneas Wanner, Geschäftsleiter von Energie Zukunft Schweiz, ging in seinem Referat auf die Chancen der neuen Energiegesetzgebung ein. Aus seiner Sicht gewinnt die gesamte Energiegesetzgebung mit dieser Revision weiter an Konsistenz. Ebenfalls ist klar, dass mit der „Cost+-Regulierung“ die Margen der Netzbetreiber zwar noch gesichert sind, das Monopol aber mit Themen wie z.B. Eigenverbrauch sowie möglicher zukünftiger Liberalisierungsschritte im Messwesen zunehmend unter Druck gerät. Hinsichtlich der neuen Gesetzgebung ging Wanner dabei primär auf die Neuregelung der Flexibilität ein, welche nach neuem Recht dem Kunden gehört und bei Nutzung durch den Netzbetreiber von diesem auch über attraktivere Zusatzprodukte vergütet werden muss. Die ebenfalls angepasste Neuregelung der Bemessung der Rückliefervergütung für dezentral erzeugte und eingespeiste Energie dürfte laut Wanner noch ein grosser Diskussionspunkt darstellen, da der Einbezug der Gestehungskosten der eigenen Kraftwerke von einzelnen betroffenen EVU kaum einfach so akzeptiert werden dürfte.

Dr. Katja Keller, Leiterin Netzwirtschaft der BKW Energie AG, hielt fest, dass die Eigenverbrauchsthematik, auch die Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG), nicht eigentlich neu sei. Neu ab 2018 ist die Möglichkeit zum Zusammenschluss von mehreren Grundeigentümern und die damit verbundene Rechtsstellung der EVG als ein Endverbraucher. Die neue Regelung vereinfacht die Bildung von EVG und soll durch die Einsparung von Grundgebühren und Zählermieten sowie durch die Erlaubnis zur Bündelung beim Netzzugang die Attraktivität des Eigenverbrauchs erhöhen. Aufgrund der Kostentragungspflicht von Anschlussänderungen und der Komplexität im Handling von EVG (v.a. im Fall von Mietern) besteht insbesondere im Fall von Bestandesbauten die Gefahr eines „Papiertigers“ bzw. wird das Risiko der Entsolidarisierung als limitiert beurteilt. Im Fall von Neubauten ist das Potential für entsprechende EVG-Lösungen indes deutlich höher. Bei BKW wurden entsprechende Produkte bereits eingeführt und die Lösung ab 2018 etwas vorweggenommen.

Sven Schlittler, leitender Berater bei EVU Partners AG, analysierte in seinem Referat die heutige Tarifierungspraxis bei Verteilnetzbetreibern in Bezug auf die Netznutzungstarife. Vielfach sind diese Praxen historisch gewachsen. Entsprechend ist die Verursachergerechtigkeit solcher gewachsenen Tarifstrukturen eingeschränkt. Oft sind auch Fehlanreize oder unerwünschte Nebeneffekte wie Tarifsprünge zu beobachten. Die neue Regulierung der Netznutzungstarife im Rahmen der Revision der StromVV schränkt bestehende Freiheitsgrade der Netzbetreiber bei der Tarifierung ab 2019 im Bereich der kleineren Endkunden erheblich ein. Bis 30 kVA Anschlussleistung muss neu ein einheitliches „Basisprodukt“ angeboten werden. Wahlprodukte sind nur noch in Kombination mit Leistungspreisen vorgesehen. Zudem wird die Vorgabe eines 70%tigen Arbeitspreisanteils auf alle Endkunden bis 50 MWh ausgeweitet. Es bleibt zu hoffen, dass der Verursachergerechtigkeit dann ab 2022 mit dem revidierten StromVG wieder mehr Gewicht beigemessen werden wird.

Ulrich Rosen, Partner bei B E T Aachen, thematisierte in seinem Beitrag die Erfolgsfaktoren beim anstehenden Smart Meter Rollout. Aufgrund der damit verbundenen, steigenden Messkosten ist die Kostentransparenz ein wichtiger Faktor. Heute fehlt diese Kostentransparenz vielfach da die Relevanz der Messkosten als Teil der Netznutzungstarife bis anhin tief war. Der Rollout der Smart Meters selber ist ein operationelles Vorhaben, welches vor allem gute Datenqualität und ein effektives Projektmanagement voraussetzt. Die zentral damit verbundene, strategische Frage ist jedoch diejenige nach dem Nutzen des Smart Meter. Erst mit entsprechenden „smarten“ Produkten oder Dienstleistungen entsteht mit dem Smart Meter Rollout ein Kundennutzen. In diesem Kontext stellen sich weitere strategische Fragen nach der Eigenleistungstiefe (make or buy) und der Bedeutung des Messwesens als eigenes, konkurrenzfähiges Geschäftsfeld in einem zumindest teilliberalisierten oder strenger regulierten Markt.

Gerhard Bräuer, Leiter Netzwirtschaft der Repower AG, präsentierte das neue Asset Management (AM) Tool „EASYASSET“ von Repower. Mit dem neuen Tool will Repower ihr eigenes Asset Management unterstützen, in dem die dafür notwendigen Anlagedaten einfach und klar sowie für alle Involvierten zugänglich bereitgestellt werden. Das neue Tool verkauft Repower auch anderen Netzbetreibern als Produkt. Bräuer ist überzeugt, dass das Preis-Leistungsverhältnis im Vergleich zu anderen AM-Produkten sehr attraktiv ist und das Tool gerade auch für kleinere und mittlere Netzbetreiber interessant ist. Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung und damit für ein aktives Asset Management ist und bleibt aber letztlich eine hohe Datenqualität und eine klare, interne Organisation bzw. Rollendefinition des Asset Management als interner Auftraggeber.

Dr. Christina Würthner, Geschäftsführerin der enersis suisse AG, stellte anlässlich des ersten Schweizer Digitaltages dar, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die traditionelle Wertschöpfung von Energieversorgungsunternehmen im Allgemeinen und von Netzbetreibern im Speziellen haben kann. Der Einfluss wird dabei insbesondere in den Bereichen Handel, Verteilnetz und Vertrieb gross eingeschätzt. Das regulatorisch vorgegebene Unbundling stellt dabei aufgrund der Datentrennung bzw. der Limitierung der Datennutzung aktuell eher ein Hindernis für neue Geschäftsmodelle dar. Anhand konkreter Use Cases (z.B. Optimierung des Smart Meter Rollouts) auf ihrer Plattform namens GRIDS zeigte Würthner auf, was mit der Verknüpfung verfügbarer Daten und mit deren Visualisierung heute bereits möglich ist und was, insbesondere auch aufgrund der zunehmenden Datenverfügbarkeit und -qualität, in Zukunft möglich sein wird. Ziel von Data Analytics ist letztlich aufgrund von grossen Datenmassen konkrete Fragen zu beantworten und damit Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion diskutierten Aeneas Wasser, Ulrich Rosen und Dr. Andreas Beer (Leiter Netze von Repower AG) über die künftige Rolle der Verteilnetzbetreiber, insbesondere über die Auswirkungen der Energiestrategie 2050 und die damit verbundene Regulierungstiefe. Im Fokus der Diskussion standen dabei die Auswirkungen des Eigenverbrauchs und die Kostenfolgen des Smart Meterings insbesondere im Kontext einer möglichen Teilmarkt-Liberalisierung des Messwesens sowie die notwendigen tariflichen Handlungsoptionen. Auf die Frage zur langfristigen Entwicklung waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dass es auch 2050 noch Verteilnetze und damit Verteilnetzbetreiber für Strom geben wird. Eine Substitution der Stromverteilung ist mittel- und längerfristig noch nicht absehbar. Eine Reduktion des Monopols und dabei der „Cost+-Sicherheit“ jedoch sehr wohl.

Dieser Rückblick wurde vom Tagungsmoderator Dr. Markus Flatt, Partner bei EVU Partners AG verfasst. Markus Flatt hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Verteilnetzforum findet am 13. November 2018 in Luzern statt. Informationen zu Agenda, Referenten und Anmeldung finden Sie unter www.verteilnetzforum.ch

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