Montag, 19. November 2018

Nachlese Verteilnetzforum 2018

Im imposanten und geschichtsträchtigen Hotel Schweizerhof in Luzern fand am 13. November 2018 die zweite Ausgabe des Verteilnetzforums statt. Mit rund 60 Teilnehmern wurde intensiv über die ak-tuellen und künftigen Herausforderungen für Schweizer Verteilnetzbetreiber, insbesondere im Kontext der mittlerweile umzusetzenden Energiestrategie 2050 sowie der geplanten Revision des Stromver-sorgungsgesetzes, diskutiert.

Dr. Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze vom BFE, stellte die aktuellen Gesetzesrevisionen, von der beschlossenen Energiestrategie, über die Strategie Stromnetze bis hin zum Entwurf der Revi-sion des StromVG im Gesamtzusammenhang dar. Aus Sicht des BFE ist ein «Energy Only» Markt als Modell für die Schweiz weiterhin zielführend. Entsprechend wird auch die (längst im Gesetz vorgese-hene) vollständige Marktöffnung nun auch vorgeschlagen.  Dabei stehen nicht primär Preisvorteile und die Kompatibilität zur EU, sondern die Versorgungssicherheit, die Wahlfreiheit der Kunden und die Marktintegration der Erneuerbaren mittels innovativer Geschäftsmodelle im Zentrum der Argumen-tation des Bundesrats. Anstelle von weiteren Regulierungsverschärfungen soll es mehr Markt richten. Ergänzt wird dieses Marktmodell mit einer strategischen Reserve als zusätzliche Versicherung für kritische Versorgungssituationen. Ziel der Revision StromVG ist daher die Stärkung der Marktmecha-nismen, und nicht primär die Verschärfung der Regulierung. Dennoch hält er aus Sicht des BFE fest, dass die Schweizer Netzkosten im internationalen Vergleich eher hoch seien und stärkere Effizienzan-reize notwendig sind. Zu diesem Zweck wird die gesetzliche Grundlage für die Sunshine Regulierung geschaffen werden. Sollte sich diese nicht als genügend wirksam erweisen, soll der Bundesrat beauf-tragt werden, die Einführung einer Anreizregulierung vorzuschlagen. Weiter soll das Messwesen teil-liberalisiert werden, da in Bezug auf Grosskunden sowohl Preis- als auch Qualitätsprobleme bestehen. Alle Netzbetreiber müssten dabei separate Messtarife publizieren, welche von der ElCom getrennt vom Verteilnetz überprüft würden. Für die Verteilnetzbetreiber sieht Mohamed Benahmed vor diesem Hintergrund zahlreiche Herausforderungen, aber auch Chancen (z.B. Geschäftsmodelle im Bereich Flexibilität). Ein «Change» wird aber für viele Netzbetreiber notwendig sein.

Dr. Stefan Burri, Leiter Sektion Preise und Tarife des Fachsekretariats der ElCom, erläuterte den aktuellen Stand der Sunshine-Regulierung. Zentrales Ziel der ElCom ist dabei die Schaffung von mehr Transparenz unter Wahrung von Einfachheit (als klare Abgrenzung zum Benchmarking im Rahmen einer Anreizregulierung) und Mehrdimensionalität (Einbezug mehrerer Indikatoren wie z.B. der Qualität). Die Verteilnetzbetreiber sollen dadurch einen Anreiz erhalten, sich in Bezug auf ihre Netzkosten und -tarife, die Versorgungqualität und die Compliance zu verbessern. Als Hauptherausforderungen nannte Stefan Burri dabei die Sicherstellung der Aktualität, der Nachvollziehbarkeit für Dritte, der Richtigkeit der Datengrundlagen sowie der Veränderungen über die Zeit (z.B. aufgrund von Fusionen). Die bisherigen Ergebnisse zeigen bei den Netzkosten Klärungs- und Handlungsbedarf bei einzelnen, überdurchschnittlicher Netzbetreiber. Demgegenüber sind die Werte zur Versorgungsqualität im Schnitt aller Verteilnetzbetreiber, auch im internationalen Vergleich, top. Aus Sicht der ElCom sind zwar noch gewisse Kinderkrankheiten zu beheben, jedoch sind die Indikatoren robust und verlässlich. Die verbleibende Zeit bis zur «Scharfstellung» mit dem revidierten StromVG sollten die Verteilnetzbe-treiber daher nutzen, aufgrund der bisherigen Ergebnisse ihre internen Schlüsse zu ziehen und allfäl-lige Verbesserungsmassnahmen einzuleiten.

Dr. Markus Flatt, Partner von EVU Partners AG, präsentierte in seinem Referat Erkenntnisse aus der praktischen Umsetzung der erstmals für die Tarife 2019 geltenden, neuen Vorgaben aus der Energie-strategie 2050. Diese neuen Vorgaben wurden von den betroffenen Verteilnetzbetreibern unterschied-lich umgesetzt. Das Fachsekretariat der ElCom sah sich im September 2018 dann auch gezwungen, die Netzbetreiber auf allzu kreative, aber nicht rechtskonforme Umsetzungsvarianten, wie z.B. reine Flat-Rates, hinzuweisen. Dabei zeigte Markus Flatt basierend auf einer selektiven Erhebung, dass rund 50% der untersuchten Verteilnetzbetreiber die Tarifmodelle strukturell angepasst haben. Die Mehrheit davon hat sich dabei für die Einführung neuer Wahltarife entschieden, mehrheitlich für be-stimmte Kundengruppen wie z.B. Wärmekunden. Anhand von einzelnen Beispielen zeigte Markus Flatt aber auch die sehr unterschiedlichen Ansätze – von «sehr einfach» bis zu «innovativ» ist die Bandbreite der beobachtbaren Netznutzugstarifmodelle gross. Dass die Tarifierungsvorgaben nun mit der Revision des StromVG bereits wieder zur Diskussion stehen, zeigt, dass das Thema für die Netz-betreiber mittelfristig relevant bleiben dürfte.

Leo Sasso, CEO und Founder der geoimpoact AG, stellte den Anwesenden die neue Plattform «Swiss Energy Planning» – eine Art «Google Maps für Energie» und deren mögliche Anwendung im Kontext von Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch vor. Ziel der Plattform ist die Ermöglichung einer einfachen, durchgängigen und vor allem kollaborativen Energieplanung. Dabei werden zahlreiche öffentlich-verfügbare Daten wie z.B. das Solarkataster, Grundbuchinformationen, Baugesuche oder Tarifsituationen geobasiert bereitgestellt und intuitiv zugänglich gemacht. Auf diesen Grundlagen kann die Energieplanung aus Sicht von Leo Sasso massgeblich vereinfacht und verbessert werden. Ein mögliches Anwendungsfeld ist dabei die Analyse von Potential für Zusammenschlüsse zum Ei-genverbrauch. Dabei kann diese Analyse beispielsweise von Verteilnetzbetreibern in ihrem oder aus-serhalb von ihrem Versorgungsgebiet im Sinne einer Potentialabklärung als Grundlage für ein neues Geschäftsmodell oder als Grundlage für die eigene Risikobeurteilung genutzt werden.

Dr. Michael Merz, Geschäftsführer der PONTON GmbH, stellte sich der Herausforderung, den Anwe-senden die Blockchain-Technologie und deren möglichen Anwendungsfälle in der Energiewirtschaft in wenigen Minuten zu erklären. Er stellte von Beginn an klar, dass die Blockchain nur eine von ver-schiedenen Technologien ist und nur unter ganz bestimmten Rahmenbedingungen effektiv und effi-zient zur Anwendung gelangen kann. Er relativierte damit auch den zwischenzeitlichen «Hype» um die Blockchain und strich die Herausforderung der Wirtschaftlichkeit – gerade in der Energiewirtschaft mit vielfach sehr kleinen Einzeltransaktionen – heraus. Er präsentierte konkrete Anwendungsfälle und laufende Projekte wie «Enerchain» im Bereich Handel, «NEW 4.0» als Flexibilitätsmarkt in Nord-deutschland oder «Gridchain», ein Projekt mit dem Ziel der Synchronisation von Flexibilitätsmass-nahmen im Netz zwischen Übertragungsnetz-, Verteilnetzbetreibern und Flexibilitätsanbietern. Bei allen diesen Projekten zeigt sich, dass die Technologie nur eine Dimension ist. Vielfach scheitern die konkreten Geschäftsmodelle an der Wirtschaftlichkeit, am Kundenverhalten und/oder an den regulato-rischen Rahmenbedingungen.

Fabian Krek, Leiter Sales von Adaptricity AG, präsentierte die innovative Lösung von Adaptricity als Partner für das digitale Verteilnetz von der Netzplanung, über die Simulation von Prosumern bis hin zum (geplanten) Real-Time-Monitoring des Netzzustandes im Verteilnetz mittels bestehender Netzda-ten (GIS), Sensoren und der Integration von Smart-Meter-Daten. Er ist überzeugt, dass mit den ver-fügbaren Daten, der weiteren Digitalisierung sowie intelligenten Lösungen die untersten Spannungs-ebenen, welche heute eine «Black Box» darstellen, transparent gemacht werden können. Als Mittel dazu sieht Adapricity ihre Lösung von GIS-basierten, rechenfähigen Netzmodellen. Der Mehrwert entsteht dabei durch die Verknüpfung von GIS-Daten mit weiteren Daten sowie deren Verarbeitung mit gängigen Netzanalyseverfahren. Ziel ist letztlich die Erhöhung der Kosteneffizienz im Bau und Betrieb der Verteilnetze (Kapital- und Betriebskosten) einerseits und in der Netzplanung (Betriebskosten) andererseits. Als konkretes Beispiel zeigte Fabian Krek das Netz-Monitoring aus dem Pilot-Betrieb im Verteilnetz der Technischen Betriebs Glarus Nord.

Ulrich Rosen, Partner von B E T Aachen, ging in seinem Referat auf die Wechselwirkung zwischen  Verteilnetzen und Geschäftsmodellen der Verteilnetzbetreiber ein. Dabei zeigte er exemplarisch ein Ergebnis aus dem Projekt «Digitalisierung der Energiewende: Barometer und Topthemen» im Auftrag des BMWi aus Deutschland auf. Hier werden mögliche künftige oder bestehende Geschäftsmodelle in konkreten Use Cases strukturiert und letztere in konkreten Verteilnetzsituationen und auf der Basis realer Lastgänge simuliert. Dabei hat sich im Kontext von Netzflexibilität bzw. der Tarifierung das Mo-dell der «bedingten Bestellleistung» als wirksam und umsetzbar herausgestellt. Dabei werden die klassischen Verbraucher beim Kunden als unflexible Lasten behandelt, wofür der Kunde einen fixen Preis (Leistungspreis) bezahlt. Für seine flexiblen Lasten (z.B. eMobil) muss der Kunde darüber hinaus weitere Leistung bestellen, welche «unbedingt» und damit teurer oder «bedingt» und damit vergünstigt angeboten wird. Bei bedingter Leistung ist ein Eingriff des Verteilnetzbetreibers im Fall von Netzengpässen oder Lastspitzen im Netz möglich. Wird die bestellte Leistung überschritten, fällt eine Pönale an. Dabei beurteilt Ulrich Rosen insbesondere auch den effizienten und effektiven Einsatz der Kommunikations- und Steuertechnik als zentrale Herausforderung.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion diskutierten Dr. Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze vom BFE, Dr. Andreas Beer, Leiter Asset Management Netz und Versorgung der Repower AG und Andreas Hirt, Leiter Bau & Netzservices von Energie Service Biel/Bienne über die Zukunft für Schweizer Verteilnetzbetreiber. Dr. Markus Flatt stellte den Gesprächsteilnehmern die Frage, ob sie die Zukunft der Verteilnetzbetreiber nicht als düster beurteilen, angesichts von sinkenden Ausspeise-mengen (Stichwort Eigenverbrauch / Entsolidarisierung), steigenden Kosten (etwa durch Smart-Meter-Rollout oder Verkabelungsauflagen), wachsender Komplexität (zum Beispiel aufgrund der Flexibili-tätsvorgaben) und weiteren Regulierungsverschärfungen (wie der Sunshine- oder einer späteren An-reizregulierung). Die Teilnehmer beurteilten diese Herausforderungen zwar als hoch, jedoch die Zu-kunft für Netzbetreiber nicht generell als düster. Hingegen mahnten insbesondere die Vertreter der Netzbetreiber zur Vorsicht mit weiteren Verschärfungen im Rahmen der Revision StromVG, welche den Spielraum für Netzbetreiber zusätzlich beschränken und die Komplexität im Markt enorm erhöhen würden. So sei es etwa nicht so, dass bisher im Netz keine Lastoptimierung betrieben und nur Kupfer verbaut werde, wie dies aktuell aufgrund der Diskussionen rund um Flexibilitäten manchmal scheint. Insbesondere wurde dabei die geplante Teilliberalisierung des Messwesens als unverhältnismässig beurteilt. Als Vertreter des BFE oblag es Mohamed Benahmed die geplante Gesetzesrevision etwas ins Licht zu rücken und einzelne Massnahmen nochmals zu begründen. Dabei wurde klar, dass die Interessen, welche auf das künftige Marktmodell und die Weiterentwicklung der Regulierung einwirken, weit über die Strombranche hinausgehen und entsprechende Interessenabwägungen, z.B. in Bezug auf Wahlfreiheit versus Einfachheit, notwendig sind. Diese Interessenabwägung vorzunehmen ist letztlich Aufgabe der Politik. Einig war man sich auf dem Podium, dass die bisherigen, gerade in der Schweiz ausgeprägt kleinräumigen Strukturen aufgrund der künftigen Anforderungen unter Druck kommen werden. Diesen Herausforderungen sollte man sich als Verteilnetzbetreiber stellen.

Dieser Rückblick wurde vom Tagungsmoderator Dr. Markus Flatt, Partner bei EVU Partners AG verfasst. Markus Flatt hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rah-men gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Verteilnetzforum findet am 13. November 2019 im Marriott Hotel Zürich statt. Informatio-nen zu Agenda, Referenten und Anmeldung finden Sie unter www.verteilnetzforum.ch.

Freitag, 12. Oktober 2018

Nachlese: Vertriebsleitertagung Energie 2018

An der vierten Jahrestagung trafen sich gut 80 Energiefachleute und Experten aus dem Bereich Vertrieb, um die Themen Eigenversorgung, Datenschutz & Analytics, Blockchains und Energiedienstleistungen zu diskutieren. Der erste Tag der Vertriebsleitertagung Energie widmete sich voll und ganz den kritischen Erfolgsfaktoren für den Energievertrieb. Im ersten Teil ging es dabei um das Spannungsfeld von freiem Markt, Regulierung, Netz und Vertrieb. Eingeleitet wurde mit einer aufschlussreichen Keynote von Nationalrat Martin Bäumle. Zunächst berichtete er vom aktuellen Stand der Diskussionen zum Stromabkommen. Er sieht hier aktuell keine Mehrheiten in Bern und äussert sich besorgt über den hohen Anteil von etwa 30% Klimaskeptikern im Parlament. Seiner Ansicht nach ist die Zukunft geprägt von Erneuerbaren, Dezentralisierung und E-Mobilität. In diesem Zusammenhang sieht er das zukünftige Marktdesign als erfolgsentscheidend an. Dieses sei jedoch noch komplett offen.

Anschliessend erklärte Georg Meier (Stv. Geschäftsleiter, Energie Zukunft Schweiz), wer die Menschen der neuen Kundengruppe «Prosumer» eigentlich sind, welchen Herausforderungen der Energievertrieb gegenübersteht und welche erfolgversprechenden Lösungsansätze existieren. Stefan Rechsteiner (Partner, VISCHER AG) griff dazu das Thema Datenschutz bei intelligenten Mess- und Steuersystemen auf. So ist beispielsweise immer die Einwilligung der Datennutzung erforderlich, die Daten müssen im Kontext zur Datenerhebung und Nutzung stehen und nach 12 Monaten vernichtet werden. Die sich ableitende Kernfrage war: «Wie bewirtschaftet man das Thema»? Zu der Datenbewirtschaftung aus Vertriebssicht brachte Dr. Jan Marckhoff (CEO und Gründer, BEN Energy AG) anschliessend Licht in das Dunkel von Kundenzentrierung mittels künstlicher Intelligenz im teil-liberalisierten Markt Schweiz. Er verdeutlichte wie man mit maschinellem Lernen, neuronalen Netzen und dem Segment-of-One Kosten spart, den Umsatz steigert und Kunden begeistert.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es im zweiten Teil des Tages um das Thema Vertriebsstrategien für neue Geschäftsfelder. Eindrücklich stellte Kurt Bobst (CEO, Repower AG) seine Erfahrungen aus dem reifen und kompetitiven italienischen Markt dar. Hierzu gehörten neben einer Übersicht zur Strategie der Repower in Italien auch die Charakteristiken des Marktes, die genutzten Vertriebskanäle (Digital & Agenten), die Kundenreise sowie Einzelheiten zur digitalen Plattform. Darauf folgend zeigte Marc Ritter (Leiter Geschäftsbereich Energie, AEW Energie AG) die überaus interessante Stossrichtung der AEW zur Leistungserbringung mit regionaler Verankerung in der Schweiz. Hinter dem Ansatz verbirgt sich ein intelligentes Energiemanagementsystem namens «AEW myHome». Mit diesem Gesamtlösungsangebot für Liegenschaftsbesitzer werden Einspareffekte von bis zu 20% versprochen. Das heutige Ertragsmodell besteht in Einkaufskonditionen sowie Schlüsselpartnerschaften und wird sich wahrscheinlich in Zukunft verschieben. Der letzte Referent des ersten Tages, Thomas März (Leiter Privat- und Geschäftskunden, CKW AG), zeigte auf, wie sich die digitale Transformation auf das Kundenverhalten und die Kundenerwartungen auswirkt. Mit der Customer Journey angefangen, nahm Herr März das Publikum auf eine Reise entlang der Wertschöpfungskette und berichtete von Erfolgsfaktoren, Vertriebskonzepten und CKWs Smart Energy online & offline. Abgerundet wurde der Tag durch eine spannende Podiumsdiskussion mit den Teilnehmern Kurt Bobst, Thomas März und Marc Ritter, moderiert durch Georg Meier.

Der zweite Tag der Vertriebsleitertagung Energie war ganz der Umsetzung in der Praxis gewidmet: Angefangen bei der Beleuchtung der neuen Technologie Blockchain. Jens Bartenschlager (Director, Leiter Beratung Energiewirtschaft, PricewaterhouseCoopers) verglich die Technologie mit dem Schweizer Taschenmesser und analysierte die Faktoren und Voraussetzungen für einen sinnvollen Einsatz. Jesse Morris (Co-Founder and Secretary, Energy Web Foundation (EWF)) stellte eindrücklich dar, wie die Technologie den fundamentalen Wandel Richtung dezentrale, erneuerbare Stromerzeugung unterstützt. EWF bereitet die Grundlagen für die effiziente Nutzung vor und experimentiert mit der Community an neuen Anwendungsbeispielen. Das Startup "Oli Systems" (Thomas Brenner, CTO) zeigte in ihrem Use Case eindrücklich wie Blockchain für die Energiezertifizierung und virtuelle Transaktion  zwischen Anbieter und Nachfrager eingesetzt wird.

Abgerundet wurde die Vertriebsleitertagung Energie durch drei Präsentationen mit konkreter Umsetzung: IWBs (Markus Balmer, Leiter Vertrieb) Sonnenbox mit virtuellem Speicher hat Potential, bis auf weiteres attraktive Speicherbedingungen für PV Produzenten zu schaffen - ohne eigene Installation. Er strich die neuen Bedürfnisse der Kundengruppe Prosumer hervor: Beratung, Messung, Abrechnung, Services - und ging sogar soweit, das Geschäft als "neues Kerngeschäft" zu bezeichnen. Energiewende, Marktöffnung hinter dem Zähler und innovative Ansätze für die Erhöhung des Eigenverbrauches sowie der Rentabilität zeigten Andreas Appenzeller (Vorsitzender Geschäftsleitung, ADEV) anhand des Areals Erlenmatt Ost. Wir sind überzeugt, dass solche Beispiele Schule machen werden und aktuell einen grossen Anteil der künftigen Marktaktivitäten ausmachen. Thomas Schweingruber (Geschäftsleiter, Heizungsmacher) beleuchtete die Erfolgsfaktoren des digitalen Vertriebs: Aussehen/Emotionen, Marken, geteilte Erfahrungen, Preis, Verfügbarkeit und wählbare Optionen.

Die Vertriebsleitertagung 2018 lieferte einen tiefen Einblick in die sich verändernde Energiewirtschaft der Schweiz. Die vorgestellten Handlungsoptionen stellen dabei eine hervorragende Inspirationsquelle für neue, nachhaltige Geschäftsmodelle dar, um sich im zukünftigen Energiemarkt zu behaupten. Die Moderation von Dr. Jens Bartenschlager und Georg Meier hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Montag, 18. Juni 2018

Vertrieb von Energiedienstleistungen und neue Geschäftsfelder für EVU

Eigenversorgung | Datenschutz & Analytics | Blockchains | Energiedienstleistungen


Kreuzlingen, Schweiz, 18. Juni 2018 – Wettbewerb, sinkende Margen und Pflicht zur Energieeffizienz setzen die EVU unter Druck. Die Frage ob und wann die zweite Stufe Marktöffnung kommt ist nach wie vor unklar. Spannend ist auch welche Folgen die Energiestrategie haben wird. Wie sollen sich die EVU kurzfristig und mittelfristig verhalten? Was ist konkret in den Unternehmen zu tun? Wie hoch ist das Risiko einfach zuzuwarten? Welche neuen Geschäftsfelder rentieren sich bereits heute?

Diese Fragen diskutieren hochkarätige Vertreter aus der Branche am 04. und 05. September 2018 im Rahmen der 4. Vertriebsleitertagung Energie in Zürich. Im Fokus dieses Anlasses stehen ausserdem aktuelle Praxiserfahrungen sowie spannende Beiträge zu Themen wie Eigenversorgung, Datenschutz, Data Analytics, künstliche Intelligenz, Blockchains und Energiedienstleistungen.

Weitere Themenschwerpunkte sind
  • Wohin entwickelt sich die Gesetzgebung?
  • Eigenversorgung - Knackpunkte für Vertrieb und Netz 
  • Was das EVU mit seinen Daten machen darf und kann 
  • Vertriebsstrategien und Erfahrungen mit Smart Home und Co. 
  • Digitalisierung und Blockchains - Warum und wofür braucht es das EVU? 
  • Partnerschaften im Vertrieb und im IT Bereich - Kann das funktionieren? 
  • Praxiserfahrungen beim Vertrieb von Energiedienstleistungen

In den nächsten Tagen ist die Agenda einsehbar. Weitere Informationen sind bereits jetzt unter www.vertriebsleitertagung-energie.ch zu finden.


Freitag, 4. Mai 2018

Intensivkurs Branchenwissen Gas

Liberalisierung | Netznutzung | Preisgestaltung | Beschaffung | Vertrieb

13. und 14. Juni 2018 in Olten, Schweiz

Themenschwerpunkte
  • Energiestrategie 2050 des Bundes
  • Einfluss Europas auf die Schweizer Gaswirtschaft
  • Erdgasvorkommen und -produktion
  • Erdgastransport und -speicherung
  • Netznutzungsmodell Erdgas (NEMO) im lokalen Transport
  • Liberalisierung und Perspektiven des Netzzugangs
  • Aktueller Stand der Grundlagenarbeiten zum GasVG
  • Der kommerzielle Weg des Erdgases
  • Gasbeschaffung für Grosskunden
  • Biogas und Gasmobilität
  • Zukunftsperspektiven Power-to-Gas

Ihre Referenten
Dr. Markus Flatt, Partner, EVU Partners
Peter Graf, Bereichsleiter Energie und Marketing, Sankt Galler Stadtwerke
Ivo Hüsler, Leiter Projektentwicklung und Beschaffung Erneuerbare Energien, Energie 360°
Christian Rütschi, Stv. Leiter Marktregulierung, Bundesamt für Energie BFE
Sven Schlittler, Leitender Berater, EVU Partners AG
Nico Waldmeier, Partner, EVU Partners AG

Wer sollte teilnehmen?

Dieser Intensivkurs richtet sich an Neu- und Quereinsteiger in die Gaswirtschaftsowie Führungskräfte aus Unternehmen, deren Tagesgeschäft durch gaswirtschaftliche Fragen tangiert wird. Insbesondere sind Mitarbeitende aus Gasversorgungsunternehmen angesprochen, die sich einen Überblick über die Gasbranche verschaffen und Ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen möchten.
Die Teilnehmer arbeiten in folgenden Unternehmen:
  • Gasversorgungsunternehmen
  • Querverbundsunternehmen
  • Stadt- und Gemeindewerken
  • Gaslieferanten
  • Erdgasverbrauchende Industrie
  • Kantonale und kommunale Behörden
Der Kurs richtet sich ausserdem an alle an der Gasmarktliberalisierung in der Schweiz beteiligten Interessengruppen.

Teilnahmegebühr:
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person CHF 2’995.- zzgl. MwSt. und beinhaltet Seminarunterlagen, Mittagessen, Pausenverpflegung und Erfrischungsgetränke.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.vereon.ch/bwg

Intensivkurs Branchenwissen Strom


Produktion | Verteilung | Handel | Beschaffung | Vertrieb

05. und 06. Juni 2018 in Baden, Schweiz

Highlights aus dem Programm
  • Strommarkt Schweiz – Rechtliche Grundlagen, Struktur und Marktakteure
  • Aktuelle Entwicklungen in Europa
  • Der technische und kommerzielle Weg des Stroms
  • Stromerzeugung – Konventionelle und neue Technologien
  • Wie der Strompreis gebildet wird
  • Brennpunkt Netze – Unbundling, Anreizregulierung, Verkabelungsproblematik
  • Zusammenspiel von Beschaffung und Vertrieb
  • Portfolio- und Risikomanagement
  • Endkundenvertrieb – Neue Strategien für den liberalisierten Markt

Ihre Referenten
Ueli Betschart, Junior-Berater, B E T Suisse AG
Markus Bill, Fachspezialist Preise und Tarife, ElCom  
Dominik Rohrer, Berater bei BET Dynamo Suisse AG
Dr. André Vossebein, Seniorberater, BET Dynamo Suisse AG

Wer sollte teilnehmen?

Dieser Intensivkurs richtet sich an Neu- und Quereinsteiger in die Stromwirtschaft sowie Führungskräfte aus Unternehmen, deren Tagesgeschäft durch energiewirtschaftliche Fragen tangiert wird. Insbesondere sind Mitarbeitende aus Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerken angesprochen, die sich einen Überblick über die Strombranche verschaffen und ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen möchten. Die Teilnehmer arbeiten in folgenden Bereichen:

  • Netzwirtschaft und Energiewirtschaft
  • Produktion und Erzeugung
  • Beschaffung und Handel
  • Vertrieb, Marketing, Finanzen und Organisation

Teilnahmegebühr:
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person CHF 2’995.- zzgl. MwSt. und beinhaltet Seminarunterlagen, Mittagessen, Pausenverpflegung und Erfrischungsgetränke.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.vereon.ch/bws

Mittwoch, 4. April 2018

Pressemitteilung: Chancen nutzen in einer sich wandelnden Energiewelt

Kreuzlingen, Schweiz, 04. April 2018 – Innovationen sind in vielen EVU angekommen. Das bedeutet, dass nicht mehr nur auf hoher Flugebene und abstrakt über Innovationen und mögliche Geschäftsmodelle nachgedacht wird, sondern auch ganz konkret. Zum einen haben sich Versorgungsunternehmen selbst Kompetenzen und Ressourcen geschaffen, um Innovationen voran zu treiben. Zum anderen sind sich Versorgungsunternehmen der Tatsache bewusst, dass für die Zukunft neue Lösungen hervorgebracht werden müssen, wenn die Unternehmen erfolgreich sein wollen. Die Frage ist aber, wie viele der mehreren hundert EVUs in der Schweiz bereits in Richtung Zukunft gehen, und wie viele in der alten Welt verharren.

Das 8. Innovationsforum Energie stand ganz im Zeichen der Chancen und Herausforderungen, die auf die Energiebranche in den kommenden Jahren zukommen werden. Im Kontext der vier „D’s“ (Digitalisierung, Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Demokratisierung) wurden u.a. die Suche und Entwicklung künftiger profitabler Geschäftsfelder, die zunehmende Digitalisierung der Geschäftsfelder, der Einfluss der Elektromobilität, die zunehmend erforderliche kundenzentrische Geschäftsausrichtung und der künftige Wettbewerb um Geschäftsfelder und Kunden diskutiert.

Branchenteilnehmer diskutierten zusammen mit Vertretern von nationalen und internationalen Energieunternehmen, IT-Dienstleistern, Forschungseinrichtungen sowie politischen Vertretern und konnten dabei zahlreiche Einblicke in erfolgreiche Praxisanwendungen einzelner Lösungen gewinnen.

Neue Technologien und Anwendungen bieten die Möglichkeit, die unternehmensinterne Effizienz zu steigern, die Kommunikation mit dem Kunden neu zu gestalten, neue Produkte zu entwickeln und neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Ein Trend scheint dabei die Konzentration der EVU auf ihre Kernprozesse zu sein, während Management- und Support-Prozesse vermehrt automatisiert und bzgl. der Administration und Weiterentwicklung an externe IT-Anbieter ausgelagert werden.

Bei der Ausweitung bisheriger Geschäftsaktivitäten der grossteils in öffentlicher Hand befindlichen EVU auf Geschäftsbereiche, die vermehrt in privatwirtschaftlicher Hand sind, wurde der Bedarf nach klaren Rahmenbedingungen einmal mehr deutlich, da der Schweizerischer Gewerbeverband vor allem die KMU in der aktuellen Marktentwicklung als benachteiligt ansieht. Als möglicher Lösungsansatz wurde eine öffentliche Diskussion im Rahmen der Einführung von Eignerstrategien für alle öffentlichen Marktteilnehmer gesehen, in dessen Prozess die beabsichtigte Einführung von „gleichlangen Spiessen“ festgelegt werden soll. Ob dies letztlich jedoch ein geeignetes Instrument hierfür ist, bleibt abzuwarten.

Der ökologische Fussabdruck der bereitgestellten Energie ist nicht mehr nur eine Anforderung von Endkunden an ihren Energielieferanten, sondern auch von Unternehmen an ihre eigenen Zulieferer, welche im Rahmen ihrer künftigen Ausschreibungen ökologische Merkmale als vergaberechtliche Entscheidungsmerkmale berücksichtigen werden.

Erste konkrete Praxisbeispiele wurden ebenfalls im Bereich der Blockchain vorgestellt. In einem regionalen Projekt in Deutschland wird durch eine eindeutige Zuordnung von dezentraler Erzeugung zu Verbrauch sichergestellt, dass die Zuordnung von ökologischer Energie zu einzelnen Verbrauchern auch der tatsächlichen Lieferbarkeit mit physischer Energie entspricht. Hierdurch wird das Problem angegangen, dass die über Herkunftsnachweise „vergrünte“ Energie in der Realität bei zu grosser geographischer Entfernung nicht der physischen Energielieferung entspricht und somit zu einer Diskrepanz zwischen tatsächlichem und gefühltem Energiebezug führt.

Zu welchen Ergebnissen eine staatlich koordinierte Digitalisierungsstrategie führen kann, wurde am Beispiel Dänemark verdeutlicht. Hier findet ein Grossteil der Kommunikation mit staatlichen Organen über digitale Technologien statt, wobei jeder Einwohner eine digitale ID besitzt. Gleichwohl zeigt dieses Beispiel, dass eine flächendeckende Einführung neuer Technologien oftmals nur durch regulatorische und technische Vorgaben erzielt werden kann, da gerade in den ersten Jahren der Investitionsbedarf entsprechend hoch ist, eine wirtschaftliche Rechtfertigung erst längerfristig erzielt werden kann und die Schaffung gewisser Infrastrukturen auch im öffentlichen Interesse liegt.

Es wird abzuwarten sein, welche Änderungen auf die Schweizer Marktteilnehmer in den kommenden Jahren zukommen werden. Im Rahmen der Veranstaltung war jedoch deutlich zu sehen, dass die kommenden Änderungen zahlreiche Chancen bieten, die es entsprechend zu nutzen gilt.

Dieser Rückblick wurde von den Tagungsmoderatoren Benjamin Teufel, Sector Leader Energy Switzerland von Ernst & Young Ltd und Dr. André Vossebein, Geschäftsführer von B E T Suisse AG verfasst. Herr Teufel und Herr Vossebein haben den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Innovationsforum Energie findet am 4. und 5. April 2019 in Zürich statt.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Nachlese: Verteilnetzforum vom 21.November 2017



Kreuzlingen, Schweiz, 07. Dezember 2017 - Im historischen Schloss Hünigen in Konolfingen wurde bei der ersten Ausgabe des Verteilnetzforums mit rund 40 Teilnehmern intensiv über die aktuellen und künftigen Herausforderungen für Schweizer Verteilnetzbetreiber, insbesondere im Kontext der am 1. Januar 2018 in Kraft tretenden revidierten Energie- und Stromversorgungs-gesetzgebung, diskutiert.

Dr. Mohamed Benahmed, Leiter Sektion Netze vom BFE hat zu Beginn der Tagung die Position des BFE in Bezug auf das neue Marktdesign bzw. die Versorgungssicherheit bekräftigt. Dabei hat er unter anderem auf die Importabhängigkeit der Schweiz und damit auf die zentrale Rolle der Übertragungs- und Verteilnetze hingewiesen. Alle im Rahmen der sog. „System Adequacy-Studie“ geprüften Szenarien gehen vom geplanten Netzausbau, insbesondere auf Stufe des Übertagungsnetzes aus. Dabei wurde auch der notwendige Netzausbau im benachbarten Ausland berücksichtig. Damit ist auch der Netzausbau für die Versorgungssicherheit entscheidend. Umso wichtiger ist es, dass die im Parlament hängige „Strategie Stromnetze“ nun im Rahmen der Einigungskonferenz in der Wintersession verabschiedet und nicht aufgrund artfremder Themen (Durchschnittspreismethode, Messwesen und Regel- und Steuersysteme) gefährdet wird.

Aeneas Wanner, Geschäftsleiter von Energie Zukunft Schweiz, ging in seinem Referat auf die Chancen der neuen Energiegesetzgebung ein. Aus seiner Sicht gewinnt die gesamte Energiegesetzgebung mit dieser Revision weiter an Konsistenz. Ebenfalls ist klar, dass mit der „Cost+-Regulierung“ die Margen der Netzbetreiber zwar noch gesichert sind, das Monopol aber mit Themen wie z.B. Eigenverbrauch sowie möglicher zukünftiger Liberalisierungsschritte im Messwesen zunehmend unter Druck gerät. Hinsichtlich der neuen Gesetzgebung ging Wanner dabei primär auf die Neuregelung der Flexibilität ein, welche nach neuem Recht dem Kunden gehört und bei Nutzung durch den Netzbetreiber von diesem auch über attraktivere Zusatzprodukte vergütet werden muss. Die ebenfalls angepasste Neuregelung der Bemessung der Rückliefervergütung für dezentral erzeugte und eingespeiste Energie dürfte laut Wanner noch ein grosser Diskussionspunkt darstellen, da der Einbezug der Gestehungskosten der eigenen Kraftwerke von einzelnen betroffenen EVU kaum einfach so akzeptiert werden dürfte.

Dr. Katja Keller, Leiterin Netzwirtschaft der BKW Energie AG, hielt fest, dass die Eigenverbrauchsthematik, auch die Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG), nicht eigentlich neu sei. Neu ab 2018 ist die Möglichkeit zum Zusammenschluss von mehreren Grundeigentümern und die damit verbundene Rechtsstellung der EVG als ein Endverbraucher. Die neue Regelung vereinfacht die Bildung von EVG und soll durch die Einsparung von Grundgebühren und Zählermieten sowie durch die Erlaubnis zur Bündelung beim Netzzugang die Attraktivität des Eigenverbrauchs erhöhen. Aufgrund der Kostentragungspflicht von Anschlussänderungen und der Komplexität im Handling von EVG (v.a. im Fall von Mietern) besteht insbesondere im Fall von Bestandesbauten die Gefahr eines „Papiertigers“ bzw. wird das Risiko der Entsolidarisierung als limitiert beurteilt. Im Fall von Neubauten ist das Potential für entsprechende EVG-Lösungen indes deutlich höher. Bei BKW wurden entsprechende Produkte bereits eingeführt und die Lösung ab 2018 etwas vorweggenommen.

Sven Schlittler, leitender Berater bei EVU Partners AG, analysierte in seinem Referat die heutige Tarifierungspraxis bei Verteilnetzbetreibern in Bezug auf die Netznutzungstarife. Vielfach sind diese Praxen historisch gewachsen. Entsprechend ist die Verursachergerechtigkeit solcher gewachsenen Tarifstrukturen eingeschränkt. Oft sind auch Fehlanreize oder unerwünschte Nebeneffekte wie Tarifsprünge zu beobachten. Die neue Regulierung der Netznutzungstarife im Rahmen der Revision der StromVV schränkt bestehende Freiheitsgrade der Netzbetreiber bei der Tarifierung ab 2019 im Bereich der kleineren Endkunden erheblich ein. Bis 30 kVA Anschlussleistung muss neu ein einheitliches „Basisprodukt“ angeboten werden. Wahlprodukte sind nur noch in Kombination mit Leistungspreisen vorgesehen. Zudem wird die Vorgabe eines 70%tigen Arbeitspreisanteils auf alle Endkunden bis 50 MWh ausgeweitet. Es bleibt zu hoffen, dass der Verursachergerechtigkeit dann ab 2022 mit dem revidierten StromVG wieder mehr Gewicht beigemessen werden wird.

Ulrich Rosen, Partner bei B E T Aachen, thematisierte in seinem Beitrag die Erfolgsfaktoren beim anstehenden Smart Meter Rollout. Aufgrund der damit verbundenen, steigenden Messkosten ist die Kostentransparenz ein wichtiger Faktor. Heute fehlt diese Kostentransparenz vielfach da die Relevanz der Messkosten als Teil der Netznutzungstarife bis anhin tief war. Der Rollout der Smart Meters selber ist ein operationelles Vorhaben, welches vor allem gute Datenqualität und ein effektives Projektmanagement voraussetzt. Die zentral damit verbundene, strategische Frage ist jedoch diejenige nach dem Nutzen des Smart Meter. Erst mit entsprechenden „smarten“ Produkten oder Dienstleistungen entsteht mit dem Smart Meter Rollout ein Kundennutzen. In diesem Kontext stellen sich weitere strategische Fragen nach der Eigenleistungstiefe (make or buy) und der Bedeutung des Messwesens als eigenes, konkurrenzfähiges Geschäftsfeld in einem zumindest teilliberalisierten oder strenger regulierten Markt.

Gerhard Bräuer, Leiter Netzwirtschaft der Repower AG, präsentierte das neue Asset Management (AM) Tool „EASYASSET“ von Repower. Mit dem neuen Tool will Repower ihr eigenes Asset Management unterstützen, in dem die dafür notwendigen Anlagedaten einfach und klar sowie für alle Involvierten zugänglich bereitgestellt werden. Das neue Tool verkauft Repower auch anderen Netzbetreibern als Produkt. Bräuer ist überzeugt, dass das Preis-Leistungsverhältnis im Vergleich zu anderen AM-Produkten sehr attraktiv ist und das Tool gerade auch für kleinere und mittlere Netzbetreiber interessant ist. Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung und damit für ein aktives Asset Management ist und bleibt aber letztlich eine hohe Datenqualität und eine klare, interne Organisation bzw. Rollendefinition des Asset Management als interner Auftraggeber.

Dr. Christina Würthner, Geschäftsführerin der enersis suisse AG, stellte anlässlich des ersten Schweizer Digitaltages dar, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die traditionelle Wertschöpfung von Energieversorgungsunternehmen im Allgemeinen und von Netzbetreibern im Speziellen haben kann. Der Einfluss wird dabei insbesondere in den Bereichen Handel, Verteilnetz und Vertrieb gross eingeschätzt. Das regulatorisch vorgegebene Unbundling stellt dabei aufgrund der Datentrennung bzw. der Limitierung der Datennutzung aktuell eher ein Hindernis für neue Geschäftsmodelle dar. Anhand konkreter Use Cases (z.B. Optimierung des Smart Meter Rollouts) auf ihrer Plattform namens GRIDS zeigte Würthner auf, was mit der Verknüpfung verfügbarer Daten und mit deren Visualisierung heute bereits möglich ist und was, insbesondere auch aufgrund der zunehmenden Datenverfügbarkeit und -qualität, in Zukunft möglich sein wird. Ziel von Data Analytics ist letztlich aufgrund von grossen Datenmassen konkrete Fragen zu beantworten und damit Entscheidungsgrundlagen zu schaffen.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion diskutierten Aeneas Wasser, Ulrich Rosen und Dr. Andreas Beer (Leiter Netze von Repower AG) über die künftige Rolle der Verteilnetzbetreiber, insbesondere über die Auswirkungen der Energiestrategie 2050 und die damit verbundene Regulierungstiefe. Im Fokus der Diskussion standen dabei die Auswirkungen des Eigenverbrauchs und die Kostenfolgen des Smart Meterings insbesondere im Kontext einer möglichen Teilmarkt-Liberalisierung des Messwesens sowie die notwendigen tariflichen Handlungsoptionen. Auf die Frage zur langfristigen Entwicklung waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dass es auch 2050 noch Verteilnetze und damit Verteilnetzbetreiber für Strom geben wird. Eine Substitution der Stromverteilung ist mittel- und längerfristig noch nicht absehbar. Eine Reduktion des Monopols und dabei der „Cost+-Sicherheit“ jedoch sehr wohl.

Dieser Rückblick wurde vom Tagungsmoderator Dr. Markus Flatt, Partner bei EVU Partners AG verfasst. Markus Flatt hat den hochkarätigen Beiträgen und Diskussionsrunden einen optimalen Rahmen gegeben. Nicht zuletzt die produktiven Diskussionen und das ausgezeichnete Networking sowie die sehr gute Stimmung aller Teilnehmenden und Referenten rundeten den Erfolg der Tagung ab.

Das nächste Verteilnetzforum findet am 13. November 2018 in Luzern statt. Informationen zu Agenda, Referenten und Anmeldung finden Sie unter www.verteilnetzforum.ch

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